Chemnitz

Jubiläum im Jubiläumsjahr

Begleitend zu den Chemnitzer Tagen der jüdischen Kultur ist im Staatlichen Museum für Archäologie, dem einstigen Kaufhaus »Schocken«, die Ausstellung Wir bleiben da – 135 Jahre wechselvolle Geschichte der jüdischen Gemeinde in Chemnitz zu sehen. Der Slogan steht beispielhaft auch für die Kontinuität der Kulturtage, deren Vielfalt im mitteldeutschen Raum ihresgleichen sucht.

Pandemiebedingt fand im vergangenen Jahr nur ein Teil der Veranstaltungen statt, doch in diesem Jahr, zum 30. Jubiläum, wurden rund 50 Events durchgeführt – darunter Vorträge, Lesungen, Konzerte, Podiumsdiskussionen und Ausstellungseröffnungen. Unter den geladenen Gästen sind diesmal auch die Jerusalemer Sound-Künstler Or Safarti, Sinister Sveta und Wizard Ashdod, der deutsch-israelische Rapper Ben Salomo, die Leipziger Verlegerin Nora Pester und der Antisemitismus-Experte Alex Feuerherdt.

Schocken Zur Eröffnung Mitte September, ebenfalls im einstigen »Schocken«, begeisterte die Berliner Klezmer-Combo »Aufwind«. Die vitale Band hatte in den 90er-Jahren viel organisatorische Aufbauhilfe für die Kulturtage geleistet, ebenso wie die Deutsch-Israelische Gesellschaft und der verstorbene Chemnitzer Pfarrer Mathias Wild.

»Viele Chemnitzer nutzen die Angebote und wagen sich dann auch über die Türschwelle des Gemeindehausen.«

Gemeindevorsitzende Ruth Röcher

Seit mehr als zehn Jahren koordiniert nun der Theaterregisseur und frühere Schauspieldirektor Egmont Elschner die Kulturtage. Das Spektrum der Mitgestalter – von Opern- und Schauspielhaus, Museen, Klubs und Cafés, lokalen Kirchgemeinden bis hin zur Jüdischen Gemeinde – ist immer breiter geworden, die Resonanz in der Stadt ungebrochen. »Viele Chemnitzer nutzen die Angebote und wagen sich dann auch über die Türschwelle des Gemeindehauses. Für viele von ihnen ist das die erste Annäherung an das Judentum«, freut sich die Vorsitzende der Chemnitzer Gemeinde, Ruth Röcher.

Verschiebung Gewöhnlich laufen die Tage der jüdischen Kultur im März. Doch bei der diesjährigen Verlegung in den Herbst ließ sich das öffentliche Feiern von Sukkot bestens integrieren. Die »Sukka XXL« mitten im Stadtzentrum wurde eine Woche lang einfallsreich bespielt, sei es mit jüdischen Märchen für die ganze Familie, vorgetragen von Jan Peter Rose, musikalischen und literarischen Darbietungen von Valérie Suty oder einem Vortrag von Vladimir Shikhman zu Wahrscheinlichkeitsrechnung und Familienplanung im Talmud.

Sukkot XXL hat die Chemnitzer Tage der jüdischen Kultur bestens abgerundet und wohl so einiges an Berührungsängsten abgebaut. »Mit unserem Geschäftsführer Chris Münster versprechen wir uns eine Fortsetzung des erfolgreichen Weges, viele Mitveranstalter immer und immer wieder neu ins gemeinsame Boot zu holen«, wirft Koordinator Egmont Elschner schon einmal einen Blick auf kommende coronafreie Jahre voraus.

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