Jewrovision

Jetzt geht’s los

In diesen Tagen sind die Kinder und Jugendlichen telefonisch schlecht zu erreichen und auch selten zu sehen. Der Grund: Es wird intensiv geprobt für die Jewrovision. »Alle kommen direkt von der Schule ins Jugendzentrum und trainieren stundenlang«, sagt Shelly Schlafstein, Leiterin des Berliner JuZe Olam.

Und dann wird gesungen und auf der Bühne getanzt. »Es geht nun nur noch um Feinheiten, der Rest steht.« Die Berliner, die bei der letzten Jewrovision gesiegt hatten, dürfen nun gleich zweimal auftreten, denn sie stehen als »Gastgeber« auch beim Eröffnungsact im Rampenlicht und haben einen Auftritt.

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Später, wenn sie mit ihrem eigenen Song auf der Bühne stehen, möchten sie natürlich eine gute Figur abgeben und gewinnen. Aber wichtiger seien das Miteinander und der gemeinsame Weg, so eine Show zu entwickeln. »Die Jugendlichen freuen sich sehr«, erzählt Shelly Schlafstein. 30 werden tanzen und singen.

Spaß Eine der Sängerinnen ist Karina, die schon seit mehreren Jahren Gesangsunterricht nimmt. »Derzeit habe ich als Madricha und Sängerin kaum Zeit für etwas anderes«, sagt die 19-Jährige und schmunzelt. Sie würde sogar sagen, dass sie gerade ihr Psychologiestudium etwas vernachlässige. »Die Proben und das schöne Zusammensein bringen super viel Spaß.« Mit elf Jahren war sie das erste Mal bei der Jewrovision dabei, nun steht sie bei diesem Event zum letzten Mal auf der Bühne. »Der Zusammenhalt ist toll, und jeder legt sich ins Zeug«, sagt die Studentin.

Für die Generalprobe am Freitagmorgen sind fünf Stunden eingeplant.

Am Donnerstagnachmittag wird es laut werden, wenn alle Jugendlichen im Hotel ankommen. »Die Stimmung ist da schon eine ganz besondere, wenn alle sich freuen, die Freunde aus anderen Städten wiederzusehen«, sagt Karina. Es gilt die 3G-Regel. Für den Einlass zur Jewrovision-Show ist am Eingang ein Impf- oder Genesenenzertifikat oder alternativ eine Bestätigung über einen negativen Antigen-Schnelltest von einer offiziellen Teststelle vorzuweisen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Langeweile steht nicht auf der Tagesordnung, denn bis 19 Uhr gibt es den »Markt der Möglichkeiten« im Foyer, der zum Flanieren einlädt. Später wird zu einem Willkommensgruß eingeladen, bevor es dann zum Abendessen geht, auf das schließlich das erste Konzert folgt. Der Auftakt zum »Jewrovision Eröffnungskonzert und Sing­along« wird um 21 Uhr gegeben.

Feinabstimmung Etwa zehn Stunden später, am Freitagmorgen um 9 Uhr, beginnt die Generalprobe, für die fünf Stunden eingeplant sind. Sie ist für die auftretenden Künstler wichtig, um sich mit der Bühne vertraut zu machen, ein Gespür für die Akustik zu entwickeln. Ferner können noch letzte Feinheiten geklärt werden. Während Pressefotos mit Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Die Grünen) und mit der Jury und VIPs gemacht werden können, dürfen die Zuschauer bereits in die Halle.

Um 14.30 Uhr ist es endlich so weit, und der Moment ist gekommen, die Jewrovision startet. Zwölf Jugendzentren aus verschiedenen Städten werden auftreten. Durch den Abend führt Daniel Schwarz aus Gelsenkirchen. Den Anfang machen die Hamburger, es folgen die Jugendlichen von Jachad Köln und JuJuBa. An den letzten beiden Positionen sind die jungen Künstler und Künstlerinnen aus Hannover und Berlin.

Franziska Giffey möchte jüdisches Leben fördern und dies mit der 19. Jewrovision feiern.

Vier Minuten lang darf der jeweilige Act dauern, der unter dem Motto »The Show Must Go On« steht. Ebenso müssen alle Jugendzentren ein Video einreichen zum Thema: »Zeigt uns eure Stadt/Region«. Dabei soll der Fokus auf dem Comeback des jeweiligen Jugendzentrums oder der Gemeinde nach der Corona-Pause liegen oder auf der Wiederentstehung jüdischen Lebens in der entsprechenden Stadt oder Region. Das Vorstellungsvideo fließt nicht in die Bewertung mit ein. Es wird einzeln bewertet, und das beste von ihnen wird mit einem eigenen Videopreis ausgezeichnet. Gegen 18 Uhr wird das Event beendet sein, und ein neuer – oder ein alter – Sieger wird feststehen.

Kerzenzünden Die Kerzen zum Schabbat-Beginn werden um 19.45 Uhr angezündet. Wenig später wird der Schabbat-Gottesdient gefeiert. Der Samstag beginnt mit dem Morgengebet, auf das Workshops folgen. Nach Ausgang des Schabbats und der gemeinsamen Hawdala findet die After-Show-Party statt. Wer beim Fototermin am Sonntag am Brandenburger Tor keine dunklen Augenringe haben möchte, muss früh ins Bett. Nach dem Bild mit möglichst allen Teilnehmern muss wieder Abschied genommen werden. Dann gehören die vier Tage der Vergangenheit an – und werden den jungen Sängern lange in Erinnerung bleiben.

»Die Corona-Pandemie hat auch die Jewrovision stark getroffen, deren 19. Ausgabe eigentlich schon 2020 stattfinden sollte. Umso schöner, dass nun alles bereit ist für dieses große Ereignis im Zeichen von Musik, Bewegung und sichtbarem jüdischen Leben«, meint Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die Schirmherrin der Jewro.

Es sei ein unschätzbares Glück, dass Berlin nach der Zeit als Schaltzentrale der NS-Terrorherrschaft und der Schoa wieder ein Zuhause für Jüdinnen und Juden werden konnte, so Giffey. »In Berlin wollen wir jüdische Kultur und jüdisches Leben nach Kräften fördern und feiern – so wie bei der 19. Jewrovision.« Gleichzeitig bleibe es eine drängende Aufgabe, Antisemitismus in all seinen Formen in der Gesellschaft entgegenzutreten, so die Bürgermeisterin.

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