Israeltag

Inspiration und Innovation

Musik, bitte! Vor der Feldherrnhalle stand die große Bühne – geschmückt mit Trauben blauer und weißer Luftballons. Auf der einen Seite glänzte die Zahl 75, für den 75. Geburtstag des Staates Israel. Auf der anderen Seite blitzte die 20, für den 20. Israeltag in München.

Am 4. Mai gab es ein Doppeljubiläum zu feiern. Im Halbkreis um die Bühne am Odeonsplatz waren mehr als zehn weiße Pavillons aufgebaut – ein Marktplatz voller Möglichkeiten. Der Verband Jüdischer Studenten in Bayern (VJSB) hatte einen Stand, ebenso der Jüdische Nationalfonds – Keren Kayemeth LeIsrael (JNF-KKL) und die Europäische Janusz Korczak Akademie (EJKA).

freundschaftsbier Von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft wurde das Freundschaftsbier »Shevamuc« ausgeschenkt. Falafel und Orangenkuchen bot das Restaurant »Einstein« an. In der Mitte des Marktes in Anlehnung an einen israelischen »Schuk« aufgebaut, fanden sich moderne Israel-Souvenirs: Shalom-Aufkleber, Servietten, kleine Israel-Fahnen und Schlüsselanhänger.

Am 4. Mai gab es ein Doppeljubiläum zu feiern.

»Kommt, Münchner, auf die Beine. Tanzt zum Geburtstag mit uns«, ermunterte Moderator Sacha Stawski vom Verein »I Like Israel« (ILI) das Publikum, charmant und voller Energie. Männer und Kinder fassten am Nachmittag eine große israelische Fahne – und tanzten im Kreis.

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), begrüßte die ideellen und finanziellen Förderer der Veranstaltung – und ging auf die Farben Weiß und Blau für Bayern und das Geburtstagskind Israel ein. »Seit einem Dreivierteljahrhundert gibt es in dieser Welt wieder einen jüdischen Staat. Seit einem Dreivierteljahrhundert ist diese Welt durch ihn ein besserer Ort«, sagte Knobloch.

traum »Aus dem Sand der Wüste und des Meeresstrandes« sei ein Land entstanden, das wohlhabend, fortschrittlich, offen und vielfältig wie wenige andere auf der Welt ist: »Israel ist ein Staat – aber Israel ist vor allem: ein Erlebnis. Es ist unser aller Traum, der wahr geworden ist«, führte die IKG-Präsidentin zum 75. Geburtstag des Staates in München aus: »Israel ist ein Leuchtturm.«

Noch immer ist das Land auf die Unterstützung seiner Freunde angewiesen.

Mit spärlichsten Mitteln aufgebaut, sei der jüdische Staat heute zum »Heimatland der Innovation« geworden, so Knob­loch weiter. Die IKG-Präsidentin gab jedoch zu bedenken, dass Israel in 75 Jahren noch keinen einzigen Moment des Friedens genießen konnte. Noch immer sei Terror eine tödliche Bedrohung, das Land bleibe auf die Unterstützung seiner Freunde angewiesen.

Das Thema der Freundschaft nahm die israelische Generalkonsulin Carmela Shamir auf der Bühne am Odeonsplatz gern auf: »Israel ist ein blühender und bunter demokratischer Staat. Dass Deutschland so ein wichtiger Partner für Israel werden würde, dass Kampflugzeuge bei einer Show zusammen am Himmel fliegen würden, das hat sich vor 75 Jahren niemand vorstellen können.« Auch Charlotte Knob­loch hatte zuvor festgestellt: »Wenn ich mich auf dem Platz umschaue, dann sehe ich, dass uns um diese Freundschaft nicht bange sein muss.«

Allerdings sei es die Zivilgesellschaft, die die Bande zu den Menschen in Israel noch enger knüpfen müsse, forderte Knob­loch. Musiker und Künstler trugen bei der Gestaltung des Israeltags dazu bei: Volkstanz, moderner Sound von DJ Yaniv Tal, die Stimme von Moshe Fishel, Kantor aus Israel, und auch der Chor Chaverut-Druschba boten Vielfalt. Der Funke des »Spirit of Israel« sprang über. Das war der Schriftzug auf den T-Shirts des Teams des Restaurants Einstein. Die leckere Küche machte Besuchern Lust auf das Land – die Schlange am Imbiss-Stand riss nicht ab.

INITIATIVE Gleichwohl habe Israel noch immer mit vielen Bedrohungen zu kämpfen, gerade die Dämonisierung des jüdischen Staates dürfe in Deutschland keinen Raum finden. Charlotte Knobloch forderte in ihrer Rede konkret: »Keine Bühne für Israelhasser« – und beschrieb, wie entsetzt und sprachlos sie sich fühle, weil in der Stadt München keine Mittel gefunden würden, um den Auftritt des umstrittenen Musikers Roger Waters in der Olympiahalle zu verhindern, der immer wieder mit antisemitischen und israelfeindlichen Aussagen von sich reden macht.

Oberbürgermeister Dieter Reiter ist Schirmherr des Israeltags. Für ihn sprach auf der Bühne CSU-Stadtrat Michael Dzeba. Der Politiker hat eine Protesterklärung gegen den Auftritt von Roger Waters am 21. Mai in München mit unterschrieben. »Dieser Auftritt ist für uns alle ein Schlag ins Gesicht«, sagte Charlotte Knobloch.

Israel habe täglich mit vielen Bedrohungen zu kämpfen, sagte Charlotte Knobloch.

Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, gratulierte Israel: »Israel ist eine wache Demokratie mit intensiven Bemühungen, den richtigen Weg zu finden.« Und die IKG-Präsidentin ergänzte: »Gerade junge Menschen müssen Israel noch besser kennenlernen – aus Fremden müssen Freunde und Nachbarn werden. Israel kennen heißt: für Israel da sein.«

Der Marktplatz jüdischer Vereine beim Israeltag bot dazu viel Inspiration, mit Informationen über ein Studium an der Universität Tel Aviv oder zum Jugendaustausch. Auch Sport verbindet die Menschen: Eine Hüpfburg sorgte für Kinder-Spaß und neue Kontakte. Mitten auf dem Odeonsplatz kickte am frühen Abend der jüdische Fußballverein TSV Maccabi gegen Münchner Polizisten. Und bis 22 Uhr gab es ein großes Geburtstags-Konzert – für alle.

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