Düsseldorf

Hohe Impfbereitschaft

Heimleiter Bert Römgens lässt sich von Rotem Lanzman (r.) gegen Corona impfen. Foto: Anette Kanis

Düsseldorf

Hohe Impfbereitschaft

Im Nelly-Sachs-Haus wurden die ersten Vakzine an Bewohner und Pflegekräfte verabreicht

von Annette Kanis  07.01.2021 12:13 Uhr

Es ist noch dunkel, als der Wagen mit dem Impfstoff vorfährt und die kompakten Behältnisse mit dem wertvollen Inhalt ins Haus gebracht werden. Wertvoll für die Bewohnerinnen und Bewohner des Düsseldorfer Elternheims, wertvoll für das Pflegepersonal und die Angehörigen, die in den vergangenen Wochen und Monaten nur unter sehr strengen Hygienevorschriften das Haus betreten durften.

Um 6.45 Uhr startete am 30. Dezember die Impfaktion im Nelly-Sachs-Haus. Nicht nur für Bert Römgens, Geschäftsführer der Maimonides gGmbH, die das Elternheim betreibt, beginnt damit eine neue Phase in der nun seit fast einem Jahr andauernden Pandemie. »Das war heute Morgen ein ganz besonderer Augenblick, als der Spediteur mit dem tiefgekühlten Impfstoff kam. Wir waren sehr, sehr froh, als der Impfstoff da war, weil wir wussten, heute können wir wirklich impfen«, beschreibt Heimleiter Römgens den Start in diesen besonderen Tag.

Impfstart Seit dem 27. Dezember läuft bundesweit die Impfaktion gegen das Coronavirus, drei Tage später wurden 100 Bewohnerinnen und Bewohner des Nelly-Sachs-Hauses geimpft sowie 109 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit liege die Impfbereitschaft des Pflegepersonals bei 77 Prozent, die der Bewohner bei fast 100 Prozent, sagt Bert Römgens. Das jüdische Elternheim war unter den ersten Seniorenheimen Düsseldorfs, in denen der Wirkstoff verabreicht wurde.

Jolanda Schottenfeld-Naor, Internistin und Mitglied im Bundesvorstand Jüdischer Mediziner, und Bert Römgens hatten innerhalb weniger Tage ein Team von sieben Ärzten zusammengestellt, die meisten von ihnen Gemeindemitglieder und dem Nelly-Sachs-Haus verbunden. Trotz der Weihnachtsfeiertage konnte das Team mit weiterem medizinischen Personal rasch mobilisiert werden.

Für die achtstündige Impfaktion wurde der Speisesaal umfunktioniert.

Die Hilfsbereitschaft sei sehr groß gewesen, betont die Medizinerin Schottenfeld-Naor. »Ich glaube, dass alle die Impfaktion nicht nur wie einen Job gesehen haben, den man jetzt erledigen muss.« Es sei auch das Gefühl da gewesen, dass es eine gewisse Ehre und Freude ist, dem Nelly-Sachs-Haus zu helfen und die Bewohner dort zu schützen. »Das war mehr als eine Pflichtübung«, beschreibt Schottenfeld-Naor die Atmosphäre und spricht rückblickend auf den Tag begeistert von Solidarität, Teamgeist und dem Agieren im Geist jüdischer Nächstenliebe.

Acht Stunden dauerte der Impfeinsatz. Zunächst wurden die Bewohner auf den jeweiligen Etagen geimpft, dann das Pflegepersonal sowie ehrenamtliche Helfer. Dafür war der Speisesaal des Elternheims zu einer Impfstation umfunktioniert worden, Einbahnsystem und Abstandsregelung inklusive.

Logistik So war der Tag auch eine logistische und organisatorische Herausforderung. Zum einen musste der Impfstoff nach einem fein abgestimmten Prozedere zubereitet und verabreicht werden, dazu kamen bürokratische Formalitäten und natürlich Gespräche. Nicht nur am Impftag selbst, schon im Vorfeld hatte Schottenfeld-Naor etliche Anrufe von Angehörigen erhalten, die Fragen hatten und Für und Wider der Impfungen abwägen wollten. Auch die Heimleitung rund um Bert Römgens führte zahlreiche Vorgespräche mit Bewohnern und Pflegekräften.

Jeweils ein Mitarbeiter kümmerte sich dann um die Nachbeobachtung von drei Geimpften – falls ein anaphylaktischer Schock oder sonstige gravierende Nebenwirkungen auftreten sollten. Doch es habe keine Komplikationen gegeben. »Es läuft rund und gut, und ich bin froh, dass wir so viele engagierte Ärzte haben und so viele engagierte Mitarbeiter«, freute sich Bert Römgens. Er sei sehr froh, dass er selbst auch geimpft werden konnte. »Ich stehe zu 150 Prozent hinter der Impfung, ich bin der Meinung, sie ist absolut alternativlos, zum einen für uns selbst, zum anderen in Verantwortung und zum Schutz für die Bewohnerinnen und Bewohner, die hier leben.«

Zunächst wird es in dem Elternheim weitergehen wie bisher – mit strengem Hygienekonzept, mit Abstand, Maske und Schnelltests. Erst wenn in drei bis vier Wochen die zweite Impfung erfolgt sein wird, steht die Immunisierung nach weiteren 14 Tagen so weit, dass das Alltagsleben sich wieder normalisieren kann: mit gemeinsamem Essen im Speisesaal, sorgloseren Freizeitaktivitäten, einfacheren Besuchen und vielleicht auch wieder mit Gottesdiensten.

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Thüringen

Das Erbe der Simsons

Beim jährlichen Moped-Treffen in Suhl feiern Zehntausende den »Sound des Ostens«. Doch hinter der Kultmarke steht die Geschichte einer von den Nazis vertriebenen jüdischen Unternehmerfamilie

von Helmut Kuhn  30.07.2026

Fußball

Rot-Weiß verbindet

Vergangene Woche gründete sich mit den »FCB Chaverim« der deutschlandweit erste jüdische Fanklub des FC Bayern München

von Luis Gruhler  30.07.2026

Erinnerung

Für immer

Manchmal sind es die kleinen Dinge, von denen wir uns nie trennen würden. Wir haben Gemeindemitglieder gefragt, welche Gegenstände ihnen viel bedeuten

von Christine Schmitt  30.07.2026

Unterfranken

Dem Hass die Stirn bieten

Nach dem brutalen Angriff auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft riefen prominente Redner bei einer Mahnwache in Würzburg zum Widerstand gegen Antisemitismus auf

von Stefan W. Römmelt  30.07.2026

CSD

Vom Feiern zum Schock

Auch viele queere Jüdinnen und Juden tanzten fröhlich auf Berliner Straßen – bis der Anschlag geschah

von Christine Schmitt  29.07.2026

Lesen

Zehn Welten

Die Journalistin Anna Lutz hat Jüdinnen und Juden porträtiert und darüber ein Buch veröffentlicht. Entstanden sind Geschichten zwischen Nähe und Distanz

von Leon Stork  28.07.2026

Kino

»Das ist das Vermächtnis meines Vaters«

Alice Brauner setzt als Produzentin die Familientradition fort. Ein Gespräch über ihren neuen Film »Block 10«, Herausforderungen für Schauspieler und intensive Recherchen

von Christine Schmitt  28.07.2026

München

Vorhang auf für die Kids

Zum Start der Sommerferien führen die Kinder der Sinai-Grundschule ein Musical in englischer Sprache auf

von Luis Gruhler  28.07.2026