Erinnerung

Gemeinsames Gedenken

Große Synagoge in Budapest Foto: Marco Limberg

Zwölf Mitglieder der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschlands (ARK) sind am Montag zu einem Besuch nach Budapest aufgebrochen. Anlass ist der 70. Jahrestag des Einmarschs der deutschen Wehrmacht am 19. März. »Wir wollen zusammen mit der jüdischen Gemeinschaft Ungarns der Opfer der Nationalsozialisten und der ungarischen Pfeilkreuzler gedenken und unseren jüdischen Schwestern und Brüdern gegenüber Solidarität zeigen«, erklärte Rabbiner Henry G. Brandt, der Vorsitzende der ARK. Die Mitglieder der Rabbinerkonferenz wollen sich dabei ein aktuelles Bild von der Situation der jüdischen Gemeinschaft und der politischen Verhältnisse in Ungarn machen.

Anerkennung Besorgnis bereite den liberalen und konservativen Rabbinern in Deutschland die schleppende Wiederanerkennung des liberalen Judentums in Ungarn. Durch eine Neufassung des Kirchengesetzes 2011 waren die liberalen jüdischen Gemeinden aus der Riege der privilegierten »Kirchen« herausgefallen.

»Diese Fehlentscheidung der ungarischen Regierung muss revidiert werden«, betonte Rabbiner Walter Homolka, Rektor des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam und Vizepräsident der European Union for progressive Judaism. »Das liberale Judentum in Ungarn erfüllt alle Voraussetzungen für diese Anerkennung. Leider mutet man uns einen bürokratischen Hürdenlauf zu, der das Regierungsgedenken für die jüdischen Opfer der Pfeilkreuzler infrage stellt«, erklärte Homolka.

programm Mit der Reise wolle man den liberalen Gemeinden den Rücken stärken und darauf aufmerksam machen, dass man im Ausland die Vorkommnisse in Ungarn verfolge. »Wir wollen einfach Öffentlichkeit schaffen«, betonte der Pressesprecher des Geiger-Kollegs, Hartmut Bomhoff. Am Mittwoch wird Zoltán Balog Minister für Humanressourcen für die Bereiche Gesundheit, Soziales, Jugend, Bildung, Kultur und Sport, die Delegation empfangen. Der Termin habe sich kurzfristig ergeben.

Die Rabbiner planen bis zum Donnerstag Treffen mit den Vertretern der Regierung und der jüdischen Gemeinschaft wie auch mit den Botschaftern der Bundesrepublik Deutschland und des Staates Israel. Außerdem will die Delegation mit dem Primas Ungarns, Péter Kardinal Erdö, der Philosophie-Professorin Ágnes Heller und dem Schriftsteller György Konrád sprechen.

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands versammelt alle liberalen und konservativen Rabbiner und Rabbinerinnen unter dem Dach des Zentralrats der Juden in Deutschland. ja

Speyer

Nach Drohbrief: Kirchen solidarisch mit Jüdischer Gemeinde

Die beiden großen christlichen Kirchen haben Drohungen gegen die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz in Speyer verurteilt. Die Bedrohung jüdischen Lebens sei nicht hinnehmbar

 20.10.2026

Kulinarik

Koscher kochen auf höchstem Niveau

Tom Franz kreierte ein Drei-Gänge-Menü zum 20-jährigen Jubiläum der Ohel-Jakob-Synagoge

von Vivian Rosen  19.10.2026

Synagoge im sächsischen Görlitz

Görlitz

Erinnerung an das Novemberpogrom im Nationalsozialismus

Nazis und ihre Helfer zerstörten und plünderten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 jüdische Einrichtungen, Geschäfte und Wohnungen. Juden wurden verfolgt, misshandelt und getötet

 19.10.2026

Lörrach

Tora als Zeichen der Hoffnung

Die Kultusgemeinde lässt eine historische gerettete Rolle restaurieren. Demnächst wird sie im Landtag vollendet

von Christine Schmitt  19.10.2026

Nachruf

Hermann »Mano« Höllenreiner ist tot

Mit neun Jahren wird er nach Auschwitz deportiert. Später wird er unermüdlicher Mahner gegen das Vergessen

 19.10.2026

Holocaust-Mahnmal

Gedenken an deportierte Jüdinnen und Juden am Gleis 17

Etwa 10.000 jüdische Menschen deportierten die Nazis vom Bahnhof Grunewald in Berlin aus in die Vernichtungslager. Beim Gedenken an die Opfer nehmen die Redner auch die Gegenwart in den Blick

 18.10.2026

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

München

Das Grauen sehen

Bei der Premiere eines Films über die Familie Bibas und das Hamas-Massaker vom 7. Oktober sprechen die Regisseurin und ein Psychologe über das Verbrechen und die Wirkung der Aufnahmen

von Michael Schleicher  18.10.2026

Lesung

»Die ganze jüdische Welt war in Trauer«

Zum Gedenken an den 7. Oktober stellte Dafna Gerstner ihr Buch vor

von Luis Gruhler  18.10.2026