Muslim Jewish Conference

Gemeinsam Vorurteile überwinden

Austausch: Teilnehmer aus aller Welt Foto: Daniel Shaked

Jetzt ist ihr schon ein bisschen kalt. So frisch und windig hat sie den August in Berlin gar nicht in Erinnerung. Aber schlechtes Wetter hin oder her – es gibt keinen Ort, an dem Lana Daraghmegh in diesen Tagen lieber sein würde. Die 22-Jährige ist eigens aus Jerusalem angereist, um dabei zu sein: bei der diesjährigen »Muslim Jewish Conference« (MJC) in Berlin-Tiergarten. Die einwöchige Konferenz will junge Juden und Muslime aus aller Welt, aber auch alle anderen Interessierten zum interreligiösen Dialog zusammenbringen und dauerhaft miteinander vernetzen.

»Als ich letztes Jahr das erste Mal an der Konferenz teilgenommen habe, habe ich sehr schnell viele neue, spannende Leute kennengelernt«, sagt Lana Daraghmegh. Es sei ein Rahmen, in dem sie das Gefühl habe, frei diskutieren zu können. In Jerusalem hingegen sei das gesellschaftliche Klima extrem angespannt. »Dort geht das einfach nicht«, sagt die Studentin, die aus einer arabisch-muslimischen Familie stammt.

debatten Sie kommt gerade aus einem Workshop, in dem man durch Tanz und Gesang seine kulturelle Identität im Kontext des Spannungsverhältnisses zwischen Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft zum Ausdruck bringen soll. »Juden und Muslime haben einiges gemeinsam. Häufig sind beide Gruppen nur ›die anderen‹«, stellt Lana Daraghmegh fest. Und mit Musik gehe doch alles leichter – erst recht der nicht immer einfache Dialog zwischen den Religionen, meint die junge Frau.

Die Muslim Jewish Conference will keine Veranstaltung sein, in der die Teilnehmer lediglich von einer Diskussionsrunde zur nächsten eilen. Es gibt Debatten im Plenum, zum Nahostkonflikt, über aktuelle Formen des Antisemitismus, über Islamismus, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Juden und Muslimen.

Vor allem aber gibt es künstlerisch-kreative Projektgruppen. Die 108 Teilnehmer kommen aus über 40 verschiedenen Ländern: Libyen, Sudan, Pakistan, Südafrika, Kanada – die MJC ist ein internationales Forum.

augenhöhe Im Fokus der Konferenz stehen der individuelle Austausch und die persönliche Erfahrung. »Unsere Veranstaltung will in erster Linie einen Raum geben, in dem die Teilnehmer schlicht Mensch sein können. Sie sind hier nicht ›Pressesprecher‹ ihrer jeweiligen Religion, sondern einfach Individuen, die sich auf Augenhöhe begegnen und miteinander quatschen können«, erläutert Ilja Sichrovsky, Begründer und Generalsekretär der Muslim Jewish Conference, die Idee hinter der Veranstaltung.

Es ist genau diese Idee, die die mehrheitlich jungen Teilnehmer in ihren Zwanzigern und Dreißigern gut finden. So wie der 27-jährige Sharon aus Israel. »Wo sonst könnte ich mit einem pakistanischen oder marokkanischen Kollegen an einem gemeinsamen Projekt arbeiten?«, fragt der junge Israeli. »Durch die Kunst können Juden und Muslime mit einer Sprache sprechen«, sagt er und zeigt auf seinem Smartphone Poster, die seine Arbeitsgruppe gestaltet hat und im öffentlichen Raum in Berlin aufhängen will: Ein Gesicht, zusammengesetzt aus den Gesichtshälften zweier Menschen, ist dort zu sehen. Darunter steht auf Hebräisch, Arabisch und Englisch: »Human blood«.

Die Poster bringen das Anliegen der Konferenz auf den Punkt. Für Begründer Sichrovsky ist die MJC auch eine persönliche Erfolgsgeschichte. »Am Anfang waren wir schon ein bisschen größenwahnsinnig«, meint der Veranstalter, der sich in seiner Heimatstadt Wien in der jüdischen Gemeinde engagiert.

kontakt Ursprünglich als einmaliges Event von einer Handvoll Studenten in der österreichischen Hauptstadt ins Leben gerufen, hat sich aus dem Label Muslim Jewish Conference eine gut finanzierte Konferenzreihe entwickelt, die in diesem Jahr zum siebten Mal stattfindet – zum zweiten Mal in Folge in Berlin. Gelder für die Organisation und die Reisekosten der Teilnehmer kommen von privaten Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen, aber auch vom US State Department und vom Auswärtigen Amt.

Lana und Sharon wollen im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder daran teilnehmen. In der Zwischenzeit möchten sie, das nehmen sich die Konferenzteilnehmer fest vor, über die sozialen Netzwerke miteinander in Kontakt bleiben und sich weiter austauschen – auch über die Konferenz hinaus.

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