Interview

Fünf Minuten mit ...

Vorbereitungen: Assaf Levitin wird als Kantor die Pessachgottesdienste in Rostock leiten. Foto: Rolf Walter

Interview

Fünf Minuten mit ...

Assaf Levitin, der als Kantorenstudent in einer norddeutschen Gemeinde Pessach feiert

von Heide Sobotka  19.03.2013 16:58 Uhr

Herr Levitin, Sie amtieren erstmals zu Pessach in Rostock. Sind Sie aufgeregt?
Ja, schon etwas. Weniger wegen des Singens. Das kann ich. Das habe ich oft genug gemacht. Ich habe als Opernsänger (Bassbariton) auf großen Bühnen gestanden, das ist etwas, was mich nicht schreckt. Ich habe vielmehr Angst, zu vergessen, wann man die Tora aushebt. Also, dass ich den Verlauf, die Choreografie beherrsche, wann was erfolgt.

Hatten Sie vorher schon Kontakt zur Rostocker Gemeinde?
Über das Abraham Geiger Kolleg, wo ich meine Ausbildung zum Kantor mache und mir noch das nötige rabbinische Wissen aneigne, habe ich zu Beginn des jüdischen Jahres 5773 in den Gemeinden in Rostock und Schwerin zu Rosch Haschana und Jom Kippur amtiert. Offensichtlich war es für die Gemeinde eine positive Erfahrung, sonst hätte sie mich vielleicht nicht ein zweites Mal eingeladen.

Wie haben Sie die Gemeinde erlebt?
Es ist eine kleine Gemeinde, die aber sehr engagiert zu sein scheint. Viele Leute haben gern am Gottesdienst teilgenommen. Sie sind interessiert. Wir haben vorher Fragen erörtert, wie wir verschiedene Passagen im Laufe des Gottesdienstes handhaben wollen, dazu haben sich zahlreiche Menschen mit Vorstellungen zu Wort gemeldet, es war eine sehr lebendige Diskussion.

Bereiten Sie den Gottesdienst zu Pessach ebenfalls mit der Gemeinde vor?
Die Rahmenbedingungen, dass die Gemeinde gern einen Seder am Erew Pessach und dann noch einen Morgengottesdienst feiern möchte, stehen schon fest. Konkrete Fragen, wie viele Leute erwartet werden, ob sie alles, was man für den Seder braucht, eingekauft haben, werde ich noch mit dem Gemeindevorstand klären. Außerdem die Fragen: Haben wir Kinder dabei? Gibt es die Möglichkeit, dass ein Chor singt? Haben wir ein Klavier? Das müssen wir klären, damit wir besser planen können. Ich möchte das Fest so fröhlich wie möglich gestalten. Aber man muss sich natürlich an denen orientieren, die da sind. Ich weiß nur, dass meine beiden Kinder dabei sind.

Das heißt, Sie feiern den Seder mit Ihrer Familie dann in der Rostocker Gemeinde?
Normalerweise ist Pessach für mich ein Familienfest. Daher habe ich sofort, als ich die Einladung bekam, alles mit meiner Frau besprochen, und wir haben entschieden, dass wir alle nach Rostock fahren. Das ist die Kehrseite meines Berufs als Kantor, dass man während der schönsten Zeiten, die es in der Familie und der Gemeinde gibt, arbeiten muss. In Rostock mache ich also einen Seder für meine Familie und für die Gemeinde.

Sie amtieren ansonsten während Ihrer Ausbildung in der Berliner Synagoge Rykestraße. Was ist für Sie in Rostock anders?
Die Rykestraße ist für mich als Kantor fast zu groß, wenn es um einen Gottesdienst geht. Ich stehe dort mit dem Rücken zu den Betern auf einer großen Bühne und bin nicht wirklich mittendrin. Ich hatte einmal das Glück, in der Synagoge ein Konzert im Rahmen der Jüdischen Kulturtage zu geben und habe eine Freitagabendliturgie von Jakob Dymont gesungen. Da ist die Bude voll, und dann ist das ein völlig anderes Gefühl. Aber wenn es ein Schabbatgottesdienst ist, fühlt man sich ein bisschen verloren. Die Rostocker Synagoge besteht aus einem kleinen Raum, und wenn 30 Leute da sind, habe ich ein angenehmes Gefühl von Gemeinschaft. Ich höre, wie die Beter mitsingen und sehe sie. In dem kleinen Raum steht man in der Mitte und ist von Menschen umhüllt.

Als Opernsänger haben Sie Erfolge gefeiert, wie sieht das als Kantor aus?
Es ist etwas anderes, nur als Sänger einen Gottesdienst zu begleiten oder ihn als Kantor zu leiten. Es gibt durchaus großartige Kantoren, die nicht so tolle Sänger sind, die aber das einmalige Erlebnis des Gottesdienstes vermitteln können. Man muss einfach auch als Vorbeter dort stehen, als derjenige, der stellvertretend für die anderen betet, als derjenige, der sich auskennt und die Gemeinde anleitet und der den Sinn und die Begeisterung vermitteln kann. Wenn das gelingt, ist das eine große Freude.

Mit dem Studenten des Abraham Geiger Kollegs sprach Heide Sobotka.

Porträt der Woche

Spezialist für Musicals

Adam Benzwi ist Amerikaner und entdeckte in Berlin die Schlager der 1920er-Jahre

von Gerhard Haase-Hindenberg  12.07.2026

Berlin

Türkisches Unternehmen »Medicana« neuer Träger vom Jüdischen Krankenhaus

Die 270-jährige Tradition des Hauses bleibe bewahrt – Kritik an der Übernahme kommt von Ver.di

 10.07.2026

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Speyer, Worms und Mainz

SchUM-Stätten feiern fünfjährigen »Welterbe-Geburtstag«

Vor fünf Jahren erhielten sie wegen ihrer wichtigen Bedeutung für das mittelalterliche Judentum den Welterbe-Titel. Nun feiern die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz die Aufnahme auf die Unesco-Welterbeliste mit einer Veranstaltung in Speyer

 09.07.2026

Gemeindetag

Zusammen füreinander

Vom 17. bis zum 20. Dezember treffen sich Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Berlin – für viele wird es ein lang ersehntes und freudig erwartetes Wiedersehen

von Katrin Richter  09.07.2026

Machanot

Kleine Auszeit

Die Koffer sind gepackt, gut gelaunt fahren die Kinder ins Ferienlager. Doch auch die Eltern haben Pläne, wollen renovieren, verreisen oder finden ein neues Hobby. Wir haben uns umgehört

von Christine Schmitt  09.07.2026

Maccabiah

»Jetzt erst recht«

Die Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland sind hoch motiviert. Für manche ist es nicht das erste Mal, dass sie in Israel dabei sind – bei den Medaillen spielen sie ganz vorn mit

von Sabine Brandes  08.07.2026

Programm

Schostakowitsch, Punk und Nathan in der Schwebebahn: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 9. Juli bis zum 16. Juli

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026