Neuss

Ein Ukrainer am Niederrhein

Vize-Bürgermeister Reiner Breuer Foto: Zlatan Alihodzic

Seit sieben Jahren werden hier Feste und Gottesdienste gefeiert, Freunde treffen sich, Menschen finden Hilfe. Die zutreffende, allerdings etwas nüchterne Bezeichnung der Einrichtung als »Gemeindezentrum Neuss« wurde dem Leben in den Räumlichkeiten lange Zeit nicht gerecht.

Das hat sich nun geändert. Das Haus der Filialgemeinde der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf heißt nun offiziell Alexander-Bederov-Zentrum – benannt nach einem Streiter für die Rückkehr jüdischen Lebens in die Stadt am linken Niederrhein.

Namenswahl »Ich bin davon überzeugt, dass die Namenswahl eine exzellente ist«, erklärte Reiner Breuer, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Neuss, als in der vergangenen Woche die Mesusa und eine Gedenktafel angebracht wurden. Breuer hob das Engagement Alexander Bederovs für die Stadt hervor.

»Er hat sich dafür eingesetzt, dass ein Dialog der Kulturen und Religionen in Neuss gestartet und geführt wird.« Bederov, 1935 in Charkow geboren, war Vorsitzender des Komitees für den Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde Neuss, Mitglied des Integrationsrates und dort auch Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Er starb vor zwei Jahren. Bederovs Traum vom Neubau einer Synagoge im Herzen der Stadt solle aufrechterhalten werden, sagte Breuer. Diese »Stadtreparatur der besonderen Art«, wie es aus dem Rathaus heißt, wolle man im Gedenken an ihn im Blick behalten.

Das Gemeindezentrum, das Bederov lange für die Juden in Neuss gefordert und für das er schließlich auch den geeigneten Ort gefunden hatte, wurde vor einem Jahr sogar wegen reger Nutzung ausgebaut. »An Feiertagen kommen bis zu 150 Mitglieder«, berichtete Wladislaw Korenblum, Ausschussvorsitzender der Düsseldorfer Gemeinde für die Filialgemeinde Neuss.

»Das Zentrum hat eine große Bedeutung für die Menschen, die hier wohnen. Sie haben einen Ort, an dem sie sich unterhalten, gemeinsam etwas unternehmen und feiern können.« Hier hätten kulturelle wie auch religiöse Veranstaltungen einen Raum gefunden. »Und die Sozialabteilung bietet Sprechstunden an, was auch sehr wichtig ist«, unterstrich Korenblum.

Signal Doch nicht nur für die jüdischen Menschen in Neuss sei eine Einrichtung wie das Alexander-Bederov-Zentrum ein Signal, sondern für die gesamte Bevölkerung, betonte Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. »Gerade in dieser Zeit, in der die Frage aufgeworfen wird, ob wir in Deutschland sicher leben können, ist das hier auch ein Zeichen, dass wir in diesem Land bleiben wollen«, sagte Horowitz. »Es ist aber ebenso wichtig, dass die Politik und die Öffentlichkeit uns zeigen, dass nicht nur wir das wollen.«

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