Berlin

Ein Name kehrt zurück

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (r.) überreicht das Straßenschild an Tomas Simon Hirschmann (2.v.l.). Foto: Stephan Pramme

Heute ist ein ganz besonderer Tag», sagte Tomas Simon Hirschmann am Montag beim Richtfest für «Boxseven» in Berlin-Friedrichshain. Er stehe als Vertreter der Familie Hirschmann in der Boxhagener Straße, wo sein Großvater Siegfried vor 120 Jahren landwirtschaftliche Ländereien aufkaufte, um an diesem Standort an der Boxhagener Straße die Deutschen Kabelwerke zu etablieren.

Dieses Vorhaben endete jäh 1933 mit der Machtübernahme der Nazis. Die Familie wurde enteignet. Hirschmanns Eltern und später auch seine Großeltern emigrierten nach Guatemala, wo Opa Fritz, wie er genannt wurde, der an den Folgen der Nazi-Diktatur litt, bald darauf starb. Nun ist sein Enkelsohn Tomas, mittlerweile 79 Jahre alt, mit seiner Ehefrau, Kindern und Enkelkindern nach Berlin gekommen, um beim Richtfest an die Familiengeschichte zu erinnern.

straßenschild 26.000 Quadratmeter ist das Areal groß, auf dem derzeit 600 Wohnungen und ein 6000 Quadratmeter großer Stadtgarten mit dem Namen «Siegfried-Hirschmann-Platz» entstehen. «Damit kehrt der Name der Hirschmann wieder ins Berliner Straßenbild zurück», sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Das Straßenschild überreichte er Tomas Hirschmann bei der Feier.

Das Gelände, auf dem das Neubauprojekt «Boxseven» entsteht, war über Jahrhunderte Schauplatz einer bedeutenden Industriegeschichte, betonte Müller in seiner Rede. Die Deutschen Kabelwerke hätten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts zu einem führenden Hersteller von Kabeln für die Überseeanbindung sowie die Berliner S-Bahn entwickelt. Eine weitere Produktsparte seien Reifen jeder Art gewesen. Ebenfalls wurde der Vorreiter des Autos, die Cyklonette, auf diesem Areal hergestellt.

«Das Land, welches früher meinen Vorfahren gehörte, hat sich in etwas verwandelt, das – so glaube ich – meinem Großvater nicht nur gefallen, sondern auch Frieden gebracht hätte», sagte Hirschmann. Er fühle, wie seine Eltern und Großeltern «auf alle schauen und lächeln». Die Vergangenheit und der Schmerz seien vergeben, aber sie sollen und dürften nie vergessen werden.

buch Zu dem Richtfest kamen mehrere Hundert Interessierte, darunter auch Mitarbeiter der Firma Bauwerk sowie Stadträte, Politiker, zukünftige Mieter und Eigentümer. Neben Wohnungen, darunter 125 geförderte Mietwohnungen, sollen auch eine Kita, Büro- und Einzelhandelsflächen entstehen. Ende 2018 sollen die Schlüssel übergeben werden.

Am Donnerstag wird Tomas Simon Hirschmann nach Fürstenwalde an der Spree fahren, wohin seine Familie einst die Kabelproduktion verlegt hatte, als der Standort Boxhagener Straße zu klein wurde.

Sven Heinemann (SPD), Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, hat die Geschichte der Familie und des Deutschen Kabelwerkes recherchiert und in dem Buch Boxhagen beginnt festgehalten.

Jugendkongress 2026

»Wir wurden hier aufgefangen«

Ronja Nayeri war als Sprecherin des iranischen Jugendverbandes »Ayande« auf dem Jüdischen Jugendkongress, als Israel den Iran angriff. Ein Gespräch über ein Wochenende zwischen Sorgen, Freude und Solidarität

von Mascha Malburg  02.03.2026

Porträt der Woche

»Es ist schön, jüdisch zu sein«

Julia Markhovski wuchs zweisprachig auf und fand ihre Identität

von Eugen El  01.03.2026

Interview

»Der Kopf der Schlange wurde abgeschlagen«

Der gebürtige Iraner Armin Levy über den Tod Chameneis, Kritik aus Deutschland an dem Angriff der USA und Israel und einen persönlichen Wunsch

von Katrin Richter  01.03.2026

Deutschland

Höhere Sicherheitsmaßnahmen nach Angriff auf Iran

Hessen verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen. Laut Innenministerium betrifft dies besonders jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen

 28.02.2026

Sachsen-Anhalt

Landespolizei verstärkt Schutz jüdischer Einrichtungen

Nach den Militärschlägen im Nahen Osten rückt die Polizei den Schutz jüdischer Einrichtungen in den Fokus. Das Innenministerium spricht von höchster Priorität

 28.02.2026

»Brüllender Löwe«

Präventivschlag gegen Iran: Die Lage im Überblick

Nach dem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf den Iran reagieren die Behörden auf die erhöhte Sicherheitslage. Die Lage im Überblick

 28.02.2026 Aktualisiert

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Hamburg

»Seid stolz darauf, jüdisch zu sein!«

Der Jugendkongress unter dem Motto »Strong. Jewish. Here.« ist eröffnet

 26.02.2026

Berlin

Gedenktafel für NS-Gegner Otto Weidt geplant

In Berlin soll der Unternehmer Otto Weidt eine Gedenktafel bekommen: In der NS-Zeit bewahrte er blinde und gehörlose Jüdinnen und Juden vor der Deportation

 26.02.2026