»Habait«

Ein Haus für die Berliner

Auswanderer, »Expatriates« oder schlicht »Expats«, werden sie genannt: Menschen, die ins Ausland ziehen, um dort zu leben. Niemand weiß so genau, wie viele Israelis derzeit in Berlin leben, mal ist die Rede von 10.000, mal von 15.000 Menschen. Darunter sollen viele Künstler, Kreative und Studenten sein. Die meisten sind jung, und wollen etwas erleben. Kaum Attribute, die man mit einer Stammtischrunde in Verbindung bringt. Und doch hat das erste israelische Netzwerk in Berlin damit angefangen.

Ron Segal, 31-jähriger Israeli und seit zwei Jahren in Berlin, erinnert sich an die Anfänge: »Wir waren nur eine Handvoll Leute, die sich einmal im Monat irgendwo trafen.« Sie waren mehr unter sich, deutsche Gäste waren Mangelware. Dies sollte geändert werden, weshalb Segal und andere die Initiative »Habait« gründeten. Das Projekt »Habait«, was auf Hebräisch »das Haus« bedeutet, soll den Deutschen Israel näherbringen und die verschiedenen Facetten der aktuellen israelischen Kultur dem Berliner Publikum präsentieren.

Zentrum Mit einer Ausnahme: »Politik ist kein Thema. Wir wollen die Leute nicht mit den gleichen Problemen behelligen, die sie auch täglich in den Nachrichten sehen können«, sagt Nirit Bialer. Die 33-jährige Israelin lebt seit fünf Jahren in Berlin und will, dass sich alle ein eigenes Bild von ihrem Heimatland machen können. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen die Organisatoren in Berlin ein Zentrum gründen. »Habait« soll ein Ort sein, an dem sich jeder zu Hause fühlt. Egal, ob Deutscher oder Israeli.

Seit Juni organisiert das Netzwerk Aktivitäten für Interessierte. Los ging es mit einer Lesung, es folgte ein Konzert. Die Plätze im Berliner Lokal Dock 11 waren restlos ausverkauft und das Publikum bestand zur Hälfte aus Deutschen und Israelis. »Es ist wichtig, dass genügend Deutsche kommen, uns selber müssen wir unser Land nicht mehr vorstellen«, sagt Bialer. Aber wenn die Initiative mal angelaufen sei, könne Mund-zu-Mund-Propaganda vielleicht noch den einen oder anderen Interessierten anlocken.

Eldad Beck, Deutschland-Korrespondent der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth findet, dass Netzwerke zu bilden keine Stärke der Israelis sei. »Israelis im Ausland vermeiden meist den Kontakt mit Landsleuten«, meint Beck.

Alle zwei Monate finden nun Veranstaltungen wie Theater, Literatur oder Musik statt. Wenn man die Organisatoren fragt, was sie sich für die Zukunft wünschen, bekommt man eine bescheidene Antwort: »Ein ordentliches Budget und eine feste Location.« Derzeit finden die Events in verschiedenen Lokalen in Berlin statt. In Zukunft soll aber eine feste Bleibe, ein fester »Habait« her.

www.elliottsharp.com

Angriffe

Schmierereien und Drohungen: Antisemitismus an NS-Gedenkstätten nimmt zu

Lehrer hätten bereits Führungen abgesagt, aus Angst, dass Schüler das Programm boykottieren

von Leticia Witte  18.03.2026

Ehrung

Ein pflichtbewusster Optimist

Fritz Neuland war einer der Wiederbegründer und später Präsident der Münchner Kultusgemeinde. Nun ist eine Straße nach ihm benannt

von Esther Martel  16.03.2026

Auftakt

Schutzversprechen für die jüdische Gemeinschaft

Im Alten Rathaus am Marienplatz begann die Münchner »Woche der Brüderlichkeit« 2026

 16.03.2026

Dresden

Stimme der Aufklärung

Die 90-jährige Schoa-Überlebende Renate Aris erhält für ihr Engagement als Zeitzeugin das Bundesverdienstkreuz

 15.03.2026

Berlin

Signale am Gleis 17

Aktivisten möchten aus dem ehemaligen Bahnwärterhaus eine Info-Werkstatt zur Schoa machen

von Christine Schmitt  15.03.2026

Porträt

Im Einsatz für andere

Jutta Josepovici arbeitete für die ZWST und die Frankfurter Jüdische Gemeinde

von Eugen El  15.03.2026

Leipzig

In sichere Hände

Die Israelitische Religionsgemeinde bekommt eine hebräische Bibel von 1906 geschenkt

von Thyra Veyder-Malberg  14.03.2026

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026

Sport

Vereint am Ball

Jüdische Hobby-Fußballer feiern ihre Gemeinschaft – und möchten in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen

von Christine Schmitt  12.03.2026