Fußball

»Die Stimmung ist super«

Glanzloses deutsches Spiel, schwache Israelis und Dauerregen. Echte Fußballfans kamen am Donnerstagabend in der Red Bull Arena in Leipzig kaum auf ihre Kosten. Aber der Stimmung im Block 57/58 tat das keinen Abbruch. Denn hier saßen die Zuschauer mit den blau-weißen Fahnen, Mützen und Shirts. Israelis und Deutsche. Anhänger der israelischen Nationalmannschaft.

Unter den rund 43.000 im weiten Rund waren sie optisch und auch akustisch deutlich unterlegen. Dennoch hatten sie ihren Spaß, wie zum Beispiel Hadar aus Nahariya. Für sie war es eine Premiere. »Es ist das erste Fußballspiel überhaupt, das ich mir in meinem Leben anschaue.« Die 22-jährige Israelin ist mit ihrer Freundin Ronni auf dreiwöchiger Tour durch Deutschland. Bekannte hatten sie zum Besuch des Länderspiels überredet. »Das Ergebnis interessiert mich nicht. Es ist einfach wichtig, das mal zu erleben. Und die Stimmung ist super.«

Daumen drücken Ein paar Reihen hinter ihr saßen die Anhänger von Makkabi Frankfurt, die ihre große Vereinsfahne hochhielten. Eher kleine deutsche und israelische Papierfähnchen schwenkten Diana und Vitali Liberov aus Nürnberg. »Es ist toll, mit dabei zu sein, wir haben viel Spaß«, freuten sie sich. Sie drückten beiden Mannschaften die Daumen. »Ich stamme aus St. Petersburg, lebe seit meinen 16. Lebensjahr in Deutschland«, sagt Diana. »Und ich fühle mich beiden Ländern verbunden, auch Israel.« Ebenso machte der Leipziger Rabbiner Zsolt Balla seine Sympathien für beide Teams deutlich: »Selbstverständlich bin ich dem jüdischen Staat sehr eng verbunden, fühle aber auch Dankbarkeit, als Jude in Deutschland zu leben.«

Und überhaupt gehe es bei dem Spiel in erster Linie auch um Freundschaft. Er saß direkt neben seinem Freiburger Amtskollegen Avrohom Radbil. Sie trugen Fanschals, mit den Farben beider Länder versehen. Balla brauchte übrigens nur zehn Minuten zu Fuß ins Stadion, Radbil nahm hingegen eine sechsstündige Anreise mit dem Zug in Kauf. »Aber diese Begegnung wollte ich mir nicht entgehen lassen«, sagte er. »Zumal ich früher in Leipzig gewohnt habe.«

Schräg gegenüber vom israelischen Block verfolgte Shalom Boker auf der Pressetribüne das Geschehen. Der Sportreporter der israelischen Tageszeitung Haaretz wusste, was ihn in Leipzig erwarten würde. Er hat Erfahrung. »Unsere Mannschaft hat hier keine Chance. Für den israelischen Fußball ist es allein schon eine große Ehre, dass wir gegen Deutschland, eine der stärksten Mannschaften der Welt, antreten dürfen.«

Trikot Noch vor dem Spiel musste Boker übrigens kopfschüttelnd zahlreiche Pfiffe von den Tribünen registrieren, als die Hatikwa, die israelische Nationalhymne, gespielt wurde. In den 90 Minuten nach dem Anpfiff hatte er dann relativ wenig Besonderheiten auf seinem Zettel zu notieren. Sportlich konnte das Team in den blauen Trikots nicht mithalten. Gleichwohl glänzte Torhüter Ariel Harush mit einigen Paraden, auch Gil Vermouth hatte einige gute Szenen. Nach dem Spiel stellte Boker dann aber fest: »Wir haben erwartungsgemäß verloren, aber mit Ehre.« Und es sei »ein sehr freundschaftliches Spiel« gewesen.

Die deutsche Mannschaft hat die Generalprobe zur Europameisterschaft absolviert, für sie geht es am Montag nach Polen. Der Berliner Rabbiner Joshua Spinner wird ihnen später folgen. Er hat sich, wie er am Rande der Begegnung in Leipzig verriet, schon Karten für vier Begegnungen gesichert. Unter anderem will er beim Endspiel in Kiew mit dabei sein. Und wie auch an diesem Donnerstag wird es in den kommenden Wochen in Polen und der Ukraine für ihn nicht nur um das rein Sportliche gehen. »Nein, man kann sich doch vor den Spielen immer auch noch die Städte anschauen. Und in Kiew kenne ich sogar ein wunderbares koscheres Restaurant, dort haben wir schon einen Tisch reserviert.«

Das Finale steht am 1. Juli an. Ob die Deutschen das Endspiel erreichen, wird sich zeigen. Israel ist definitiv nicht mit dabei. Die Mannschaft von Trainer Eli Gutmann hat die Qualifikation für die EM verpasst.

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