Gemeinden

Die Frauen der Rabbiner

Einsamkeit. Man ist alleine. Es ist schwierig, Freunde zu haben, weil manche denken, wenn sie mit dir befreundet sind, dann können sie häufiger zum Rabbiner kommen.» So beschreibt Mascha Radbil, die seit zwei Jahren mit ihrem Mann, Gemeinderabbiner Avraham Radbil, und drei Kindern in Freiburg lebt, die Hauptschwierigkeit, die eine Rabbinersfrau, eine Rebbetzin, hat. «Man versucht, seine Familie abzuschotten, sodass nicht viele hereinkommen. Nicht alle verstehen, dass der Rabbiner auch ein Mensch mit Familie ist.»

Um diese Herausforderung und um einige andere ging es am Dienstag und Mittwoch bei einer Konferenz des sogenannten Eshet-Chayil-Programms des Rabbinerseminars zu Berlin. Ziel des Projekts, das vom Matanel-Institut unterstützt wird, ist unter anderem, ein deutschlandweites Netzwerk von Rebbetzins zu schaffen und ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten zu unterschiedlichen jüdischen Themen anzubieten.

Tradition Die meisten Teilnehmerinnen kamen aus jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland, die zum Teil über keinerlei Infrastruktur verfügen. Rabbiner Josh Spinner, der Kuratoriumsvorsitzende des Rabbinerseminars, erklärt, wozu die Frauen diese Art Führung überhaupt brauchen: «Sie leben zwar in Deutschland, sprechen die Sprache und gehören zu dieser Generation, aber sie bringen die jüdische Tradition nicht von zu Hause mit.» Eine Teilnehmerin sagte: «Weil wir in der Sowjetunion nicht jüdisch sein durften, verstehen manche Gemeindemitglieder nicht, was Judentum wirklich ist.» Sie als Rebetzin könnte ihnen dabei sehr helfen.

«Rebbetzin zu sein, bedeutet nicht nur, die Frau des Rabbiners zu sein, sondern auch, sich aktiv ins Gemeindeleben einzubringen», sagte Hadassa Halpern, die Leiterin des Projekts und selbst Rebbetzin in Berlin. «Mit unserer Initiative möchten wir den Frauen Hilfsmittel geben, damit sie ihren wichtigen Job besser erfüllen können», erzählte Halpern. «Als Rebbetzin hat die Frau ein großes Potenzial, das sie in Zusammenarbeit mit ihrem Mann ausschöpfen kann.»

Team Im Unterschied zur Frau eines Arztes oder Rechtsanwalts werde zur Rebbetzin immer hinaufgeschaut – und gleichzeitig werde geurteilt, sagte Halpern. «Sie kann ihre Position nutzen, um unterschiedliche Bildungsprojekte zu initiieren. Dadurch zeigt sie den Gemeindemitgliedern, wie man einen jüdischen Haushalt führt.» Spinner stimmte dem zu: «Ein Rabbiner-Ehepaar, besonders in kleinen Gemeinden, hat eine große Verantwortung – die beiden müssen wie ein Team sein.»

Für Mascha Radbil, die als Kind von St. Petersburg nach Deutschland kam, ist ihre Rolle ziemlich klar: «In erster Linie muss die Rebbetzin ihren Mann unterstützen. Rabbiner zu sein, ist eine große Aufgabe, und in dieser Situation braucht man eine starke Frau, die einem den Rücken stärkt.»

Kino

Am Puls der Zeit

Gegen Polarisierung und Boykott: Das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg will den Blick weiten

von Ayala Goldmann  06.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Unabhängigkeitstag

»Notwendig und ein Wunder«

Die IKG feierte Israels Menschen, Geschichte und Leistungen

von Luis Gruhler  05.05.2026

Gedenken

Ungebeugt trotz der Last

An Jom Hasikaron erinnerte die IKG an die Opfer der Kriege und des antisemitischen Hasses

von Luis Gruhler  05.05.2026

Düsseldorf

»Oh mein Gott, da ist ein Jude im Studentenwohnheim!«

Luai Ahmed wurde im Jemen geboren, wuchs mit Antisemitismus auf – doch nach seinem Umzug nach Schweden änderte sich alles

von Stefan Laurin  05.05.2026

Erinnerungsarbeit

Virtuelle Ausstellung mit NS-Zeitzeugen tourt durch Brandenburg

In der mobilen Ausstellung »In Echt?« berichten NS-Zeitzeuginnen und -zeugen von ihren Schicksalen. Die virtuelle Schau wurde 2023 in Potsdam entwickelt und tourt wieder durch Brandenburg

 05.05.2026

Berlin

Merz: Jüdisches Leben so bedroht wie lange nicht mehr

Das Präsidium der CDU tagte am Montag in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin und verabschiedete einen Beschluss gegen Antisemitismus. Kanzler Merz machte zuvor deutlich, warum das wichtig ist

von Detlef David Kauschke  04.05.2026 Aktualisiert

Frankfurt am Main

Marek Lieberberg wird 80 – Ein Leben für die große Bühne

Kaum ein anderer hat die Live-Musiklandschaft in Deutschland über Jahrzehnte so geprägt wie der jüdische Konzertveranstalter aus Frankfurt

 04.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026