Glückwunsch

Der Seemann

Markante Stimme nichtorthodoxer Juden: Rabbiner Henry G. Brandt Foto: Gregor Zielke

Freunde nennen ihn kurz Henry. Sie tun es mit Respekt und Anerkennung für seine Verdienste um das nichtorthodoxe Judentum in Deutschland und seine immerwährende Dialogbereitschaft mit Christen und Muslimen. Heinz Georg Brandt wurde am 25. September 1927 in München geboren, floh mit seiner Familie 1939 über England nach Palästina und fuhr im israelisch-arabischen Krieg 1947-49 als Offizier zur See. 1951 bis 1955 studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Queen’s University of Belfast und war Marktanalytiker bei der Ford Motor Company.

Rabbiner 1957 begann er mit dem Rabbinatsstudium am Leo Baeck College in London und war unter anderem Rabbiner in England, der Schweiz, in Schweden sowie Landesrabbiner von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Heute lebt er in der Schweiz und ist Rabbiner in Augsburg. Seine Stimme ist markant und ohne Mikrofon tragend. Noch heute bedient er sich gern Bildern aus der Seefahrt und spricht von stürmischer See und wertvoller Fracht, wenn er erklärt, wie es um das deutsche Judentum und seine Zukunft bestellt ist.

Brandt kennt die Schlachten: So mancher Gemeinde hat er bei der Neu- oder Wiedergründung auf die Beine geholfen. In der heftigen Debatte um die Wiedereinführung der alten Karfreitagsfürbitte 2008 hielt er den Dialog mit den Katholiken aufrecht. Er spricht mit Muslimen und ist auf Kirchentagen ein gern gesehener Gast. Dabei rüttelt er auf, macht auf Missstände aufmerksam. Er ist auch in der innerjüdischen Auseinandersetzung hart in der Argumentation und fair, wenn es darum geht, sich wieder an den Tisch zu setzen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Die Marburger Philipps-Universität verlieh ihm 1994 die Ehrendoktorwürde. 2008 erhielt Brandt das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, 2011 den Edith-Stein-Preis. Am 25. September wird Henry G. Brandt 85 Jahre alt. Von Leeds bis Zürich hat er Freunde gefunden, sie werden ihm gratulieren.

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