Berlin

Der Klub der edlen Spender

»Wir sind für Menschen da, die Hilfe brauchen«: Logen-Präsident András Kain Foto: Gregor Zielke

András Kain hat das große Glück, gleich zwei Familien anzugehören. Da ist einmal seine leinbliche Familie mit Frau, Tochter, Sohn und zwei Enkeln. Und dann gibt es noch die Raoul Wallenberg Loge, die für ihn »eine richtig große Familie« ist, wie er sagt. Der heute 68-jährige Kain war schon bei der Gründung dabei und ist seit mehr als 15 Jahren Präsident der Loge, die in diesen Tagen ihr 35-jähriges Bestehen feiert.

Morgens schaut Kain bereits nach, ob er Post bekommen hat, aktualisiert die Homepage, macht sich Gedanken, welche Veranstaltungen für die Mitglieder attraktiv sein könnten, welches Restaurant für ein geselliges Essen das richtige wäre, und ist im Kontakt mit Logen aus der ganzen Welt.

Oder er bereitet die nächste Reise vor – zuletzt ging es nach Marseille und in die Provence. »Bei unseren Reisen besuchen wir auch immer die Logen vor Ort«, sagt Kain. Ein fester Programmpunkt sei ebenfalls, dass die Mitglieder beider Vereine zusammen einen Gottesdienst und Kabbalat Schabbat feiern.

Wohltätigkeit Aber es geht nicht nur um Reisen und Vergnügen. Die Loge möchte auch für andere da sein, der Wohltätigkeitsgedanke ist sehr wichtig. Wer möchte, dass für einen kranken Freund oder Angehörigen ein Gebet im Gottesdienst gesprochen wird, kann sich bei ihnen melden, die Mitglieder kümmern sich darum, dass es in der jeweiligen Synagoge gesprochen wird.

Ebenso helfen sie bei der Finanzierung des Kidduschs bei Barmizwa- und Batmizwa-Feiern, wenn sich die Familie das nicht leisten kann. »Die Mitarbeiter der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin stellen den Kontakt her. Für uns ist eigentlich jeder Tag ein Mitzvah Day«, sagt der Zahnarzt im Ruhestand und ehemalige Gabbai der Synagoge Pestalozzistraße.

Ebenso werden aus den Beiträgen der Logenmitglieder mehr als 10.000 Euro pro Jahr gespendet. Das Geld geht teils an das Kinderheim Ness Ziona und bedürftige Familien in Israel. Teils geht es auch an Amcha, die Organisation zur psychosozialen Unterstützung Schoa-Überlebender in Israel und im ukrainischen Lwiw (Lemberg).

Über Abgaben an B’nai B’rith Europe, deren Brüsseler Zentrale Logen in 29 Ländern vertritt, wird auch zum Beispiel an Tsunamiopfer in Asien gespendet. »Wir sind für Menschen da, die Hilfe brauchen«, sagt Kain. Auch das Eintreten für das Judentum und Israel ist in den Statuten festgehalten.

Gründung Vor mehr als 35 Jahren animierten die Mitglieder der mittlerweile aufgelösten Janusz-Korczak-Loge, die älter geworden waren und nun erwachsene Kinder hatten, diese, eine eigene Loge zu gründen. »Wir Jüngeren kannten uns ja, waren fertig mit der Uni und hatten damals kleine Kinder, da lag es nahe, eine eigene Loge auf die Beine zu stellen.« Etwa 120 Interessierte waren am Anfang dabei, derzeit sind es 86. Der Name der Loge sollte sich an »unseren Idealen« orientieren, sagt Kain, und da habe Raoul Wallenberg nahegelegen.

Kain verdankt dem schwedischen Diplomaten viel, denn er hat das Überleben seiner Familie ermöglicht. Unter Tausenden von Juden, die er 1944/45 in Budapest vor der SS gerettet hatte, befanden sich seine Mutter und seine beiden älteren Brüder. Sie überlebten in einem Ghetto.

Jeder, der 17 Jahre alt ist und einer jüdischen Gemeinde angehört, kann sich der Loge anschließen. Es gebe in der Loge auch ein Hamburger Ehepaar, das Berlin mag, sagt Kain, »unsere Zukunft ist gesichert«. Auch 30-Jährige seien dabei – zum Beispiel Kains Tochter.

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026

Hamburg

Altona war schon immer toleranter

Ein Projektraum im Regionalmuseum zeigt 400 Jahre jüdische Geschichte der gesamten Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  16.02.2026