Bombenentschärfung

»Beste Lösung für die Patienten«

Das Jüdische Krankenhaus in Berlin Foto: imago/Joko

Als wäre eine Herausforderung nicht genug – mitten in der Pandemie kommt nun noch eine weitere auf das Jüdische Krankenhaus Berlin zu: eine Evakuierung. »Am Sonntagmorgen werden wir das Gebäude und das Gelände der Polizei leer übergeben«, sagt Maxi Schumacher, Sprecherin des Krankenhauses. Das Anwesen werde dann abgeschlossen und versiegelt. »Das Wichtigste ist für uns, die beste Lösung für unsere Patienten zu finden.«

Bei Bauarbeiten für einen geplanten Neubau und der planmäßig stattfindenden Kampfmittelsondierung wurde im November auf dem Gelände des Jüdischen Krankenhauses eine amerikanische Fliegerbombe gefunden, berichtet Maxi Schumacher. Die Arbeiten seien daraufhin sofort eingestellt und die Polizei verständigt worden. In den vergangenen Tagen wurde bereits mit der Evakuierung der Patienten begonnen, damit am Sonntag die Bombe entschärft werden kann.

Die KV-Notdienstpraxis bleibt laut Homepage vom 10. bis 12. Dezember geschlossen, hingegen die Zentrale Notaufnahme von Sonntag, 12.12.2021, 5 Uhr bis voraussichtlich Montag, 13.12.2021, 6 Uhr.

SPRENGKOPF Der Sprengkopf sei etwa 250 Kilogramm schwer, es gehe aber »keine unmittelbare Gefahr« davon aus. »Die Experten der Polizei stellten fest, dass der Zustand des Sprengkörpers sicher ist. Zum Schutz der Bevölkerung trafen sie jedoch weitere, sichernde Maßnahmen, sodass von der Fliegerbombe keine unmittelbare Gefahr ausgeht«, teilte die Klinik mit.  

Tausende Menschen aus den Bezirken Mitte und Reinickendorf müssen am Sonntag ihre Wohnungen verlassen. Insgesamt 15.000 Menschen sind ab 6 Uhr morgens am Sonntag angehalten, eine Sperrzone im Umkreis von 500 Metern rund um den Fundort der Bombe in der Iranischen Straße zu räumen, wie ein Sprecher der Stadt sagt. Neben dem Jüdischen Krankenhaus muss auch ein Altersheim geräumt werden, innerhalb der Sperrzone gilt dann Lebensgefahr, teilt die Polizei in einer Pressemitteilung mit.

Insgesamt seien von der Intensivstation bereits 40 Patienten in andere Kliniken gebracht worden, darunter 30 von der Covid-19-Station.

»Einige Patienten sind bereits verlegt worden, andere haben es noch vor sich«, sagt Maxi Schumacher. Insgesamt seien von der Intensivstation bereits 40 Patienten in andere Kliniken gebracht worden, darunter 30 von der Covid19-Station. Am Samstag werden die verbliebenen Patienten in anderen Krankenhäusern aufgenommen.

Manche werden von dort entlassen werden, andere kommen wieder zurück ins Jüdische Krankenhaus. Das Jüdische Krankenhaus verfügt über 352 Betten und 600 Mitarbeiter.

NAHVERKEHR Seit vergangenem Montag fanden nur noch planbare Aufnahmen im Jüdischen Krankenhaus statt, wenn die geplante Aufenthaltsdauer 24 Stunden nicht überschritt. »Alle Patienten mit geplant längeren Liegezeiten erhalten einen neuen Termin zur geplanten Aufnahme. Wir hatten Glück, dass wir genug Zeit hatten, die Evakuierung in Ruhe vorbereiten zu können.« Auch die Angehörigen seien bereits informiert. 

Der öffentliche Nahverkehr mit U-Bahn und Straßenbahn in der Umgebung wird während der Arbeiten eingestellt, auf den Straßen wird mit starken Verkehrseinschränkungen gerechnet. »Wir drücken natürlich die Daumen und vertrauen den Experten, dass die Entschärfung gut geht«, sagt Maxi Schumacher. 

Flora

Sehnsucht nach Kirschblüten

Neben einigen Synagogen gibt es Gärten, um die sich Gemeindemitglieder kümmern. Sie ernten Äpfel, grillen oder feiern im Grünen. Ein Streifzug zum Frühlingsanfang

von Christine Schmitt  21.03.2026

Geburtstag

Holocaust-Überlebender Abba Naor wird 98

Der Zeitzeuge, dessen Mutter und Bruder in Auschwitz ermordet wurden, kämpfte in Israels Unabhängigkeitskrieg und war später Mossad-Agent

 20.03.2026

Eröffnung

Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus

2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier an diese frühe Phase jüdischer Geschichte. Auch die Wurzeln des Antisemitismus werden sichtbar

 19.03.2026

Musik

»Die Verbundenheit zwischen Juden und Iranern zeigen«

Alexey Kochetkov und Kioomars Musayyebi haben ein Konzert mit jüdischer-persischer Musik gegeben. Ein Gespräch über Santur-Klänge, Politik und eine besondere Freundschaft

von Katrin Richter  19.03.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Angriffe

Schmierereien und Drohungen: Antisemitismus an NS-Gedenkstätten nimmt zu

Lehrer hätten bereits Führungen abgesagt, aus Angst, dass Schüler das Programm boykottieren

von Leticia Witte  18.03.2026

Ehrung

Ein pflichtbewusster Optimist

Fritz Neuland war einer der Wiederbegründer und später Präsident der Münchner Kultusgemeinde. Nun ist eine Straße nach ihm benannt

von Esther Martel  16.03.2026

Auftakt

Schutzversprechen für die jüdische Gemeinschaft

Im Alten Rathaus am Marienplatz begann die Münchner »Woche der Brüderlichkeit« 2026

 16.03.2026

Dresden

Stimme der Aufklärung

Die 90-jährige Schoa-Überlebende Renate Aris erhält für ihr Engagement als Zeitzeugin das Bundesverdienstkreuz

 15.03.2026