Berlin

Auschwitz-Überlebende: Erinnerung teilen, um Demokratie zu schützen

Eva Umlauf Foto: picture alliance / SZ Photo

Die Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees und Auschwitz-Überlebende, Eva Umlauf, hat die Überlebenden des Holocaust aufgerufen, ihre bisher nicht ausgesprochenen Erinnerungen zu teilen. »Verteidigen Sie die Demokratie vor ihren ständigen Angreifern, vor Extremisten von links und von rechts«, sagte sie am heutigen Sonntag in Berlin bei der offiziellen Gedenkveranstaltung des Auschwitz-Komitees zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar in der niedersächsischen Landesvertretung.

Das Konzentrationslager Auschwitz, in dem die Nazis mehr als eine Million Juden ermordeten, wurde vor 81 Jahren am 27.
Januar 1945 von der Roten Armee befreit. Eva Umlauf überlebte als zweijähriges Kind das Konzentrationslager.

Warnung vor Verdrängung

Umlauf warnte vor Versuchen, die Erinnerung an die Schoa aus dem Alltag der Gesellschaft zu drängen: »Ja, wir sind empört und traurig, dass das deutsche Sprichwort ‚durch Schaden wird man klug‘ seine Gültigkeit und Aussagekraft besonders unter jungen Menschen verliert.« Sie wünsche sich ein Land, in dem niemand Angst haben müsse, eine Kippa zu tragen und in dem jüdische Einrichtungen ohne Wachposten auskommen, unterstrich Umlauf. »Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die rechtzeitig erkennt, wenn Menschen ausgegrenzt und entmenschlicht werden.«

Auch der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs (SPD), warnte als Gastredner vor Gleichgültigkeit gegenüber Antisemitismus und Ausgrenzung. Der 27. Januar stehe für die Verpflichtung, Gleichgültigkeit gegenüber Diskriminierung und Unrecht entgegenzutreten.

Das nationalsozialistische Unrecht habe sich über Verwaltungshandeln, kulturelle Normalität und soziale Vorteile für Teile der Bevölkerung verfestigt, sagte Mohrs. Beispiele aus Niedersachsen zeigten, wie jüdische Bürger systematisch entrechtet, enteignet und deportiert wurden, während Institutionen davon profitierten oder schwiegen. Er erinnerte an das von Holocaust-Überlebenden formulierte Gebot: »Du sollst nicht gleichgültig sein!«. Und weiter: »Erinnern heißt Verantwortung übernehmen - gerade dort, wo Anpassung bequem erscheint und Wegsehen Vorteile verspricht.« epd/ja

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