Helene-Habermann-Gymnasium

Aufgeregt und stolz

Direktorin Miriam Geldmacher während der Einweihungszeremonie des neuen Schulgebäudes (September 2021) Foto: Daniel Schvarcz

Helene-Habermann-Gymnasium

Aufgeregt und stolz

Im Frühsommer macht der erste Jahrgang Abitur

von Andrea Kästle  07.09.2023 13:03 Uhr

Am Helene-Habermann-Gymnasium, das vor zwei Jahren in den im Grünen gelegenen Campus der Europäischen Schule im Fasangarten umgezogen ist, beginnt dieser Tage ein besonders spannendes Schuljahr: Im Mai/Juni 2024 wird dort der erste Jahrgang Abitur machen. Sieben junge Erwachsene gehen im Frühsommer hoffentlich mit der Hochschulreife in der Tasche nach Hause. Gleichzeitig will Direktorin Miriam Geldmacher ein Schülerparlament aufbauen – auch das »ein großes Projekt«, jahrgangsübergreifend, für alle Klassenstufen.

Viel zu tun also. »Wir sind«, meint Miriam Geldmacher in ihrem Büro zwei Wochen vor Schulbeginn im Hinblick auf das kommende Abitur, »wahnsinnig aufgeregt und stolz«. Es sei fast so, als machten die eigenen Kinder demnächst ihren Abschluss, lächelt sie. Eine Schwierigkeit immerhin habe man im Vorfeld bereits ausräumen können: Einer der Abitur-Termine war ursprünglich in die Pessach-Woche gefallen, wurde inzwischen aber verlegt.

RAHMEN Das Gymnasium der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, das seit 2021 den Namen der Holocaust-Überlebenden Helene Habermann trägt, ist eine von nur sieben weiterführenden jüdischen Schulen in ganz Deutschland. Insgesamt 110 Schüler lernen hier in einem sehr modernen Rahmen, mithilfe zahlreicher digitaler Medien, fürs Leben. In den letzten beiden Jahrgängen war in den fünften Klassen erstmals kein Platz mehr frei, je 20 Kinder begannen ihre Gymnasiallaufbahn.

»Teamtage« sollen dazu beitragen, dass die Kinder lernen, sich stärker auf ein »Wir« einzustellen.

Auch ukrainische Schüler lernen hier, ursprünglich waren es 25, die zunächst in einer eigenen Klasse zusammengefasst worden waren. Geblieben sind heute zehn, die aber inzwischen ihrem Leistungsstand entsprechend auf verschiedene Klassenstufen verteilt wurden.

Damit die Betreffenden ihren Platz finden konnten, habe es geholfen, so Direktorin Geldmacher, dass das Gymnasium ab der 11. Klasse statt Französisch auch Russisch anbietet, dass einige Kinder ohnehin diese Sprache sprechen, und dass eine Russisch-Lehrerin bei Elternabenden oder Elterngesprächen als Übersetzerin anwesend war.

Im Gespräch mit Miriam Geldmacher spürt man schnell, wie begeistert nicht nur sie, sondern ihre ganze Schulfamilie in den großzügigen Räumlichkeiten im Münchner Südosten ist. Längst haben die Schüler den Schulgarten für sich entdeckt, haben Lieblingsnischen im Foyer gefunden. Nur die Chemie- und Physiksäle der naturwissenschaftlich-technologisch ausgerichteten Schule fehlten zuletzt noch, doch auch das soll sich nach Aussage von Geldmacher bald ändern: »Ich hoffe, den Chemieraum können wir demnächst einweihen.«

An kleineren und größeren Baustellen hat es der Schule seit ihrer Gründung 2016 wahrlich nicht gemangelt. Angefangen von der Umstellung von acht Gymnasialjahren auf neun – auch die sieben Heranwachsenden, die nun das Abitur ablegen, haben das G8 durchlaufen. Kuriose Folge der Umstellung zurück zu G9: 2024/25 wird es für ein Jahr wieder keinen Abschlussjahrgang geben.

Und dann natürlich Corona. Auch am Helene-Habermann-Gymnasium, das damals noch als »Jüdisches Gymnasium« übergangsweise im Gemeindezentrum am Jakobsplatz residierte, fand vor Ort teils überhaupt kein Unterricht statt. Die Schüler wurden ganztags online beschult. Was nach den Worten der Direktorin auch deshalb gut funktioniert habe, weil der Unterricht von vornherein stark digitalisiert gewesen war; jedes Kind verfügte über ein eigenes Tablet. Wechselunterricht wie an anderen Schulen gab es hingegen nicht. »Wir haben damals«, erzählt Geldmacher, »einfach gegenüber im Stadtmuseum, das ohnehin geschlossen war, nach einem zusätzlichen Raum gefragt.« Und diesen bekommen.

NACHWEHEN Gewisse Nachwehen der Pandemie seien trotzdem noch zu spüren. Das Miteinander in den unteren Klassen funktioniere noch nicht so selbstverständlich. Weshalb nun »Teamtage« eingeführt wurden, die dazu beitragen sollen, dass die Kinder lernen, sich stärker auf die Gruppe und auf ein »Wir« einzustellen. Ein anderes Überbleibsel aus der Coronazeit ist dagegen positiv: Der Schulbeginn wurde auf 8.30 Uhr nach hinten verschoben. Vorher bietet die Schule eine halbstündige Gleitzeit. Im Distanzunterricht seien die Schüler so ausgeruhter und aufnahmefähiger gewesen, so Geldmacher. »Und weil es sich bewährt hat, sind wir dabei geblieben.«

Das kommende Schuljahr, das für die angehenden Abiturienten das letzte sein wird, beginnt für sie gleich mit einem Highlight, nämlich einer selbst organisierten Israel-Reise. Zehn Tage vor und während der Herbstferien sind die Beteiligten mit Miriam Geldmacher und ihrer Stellvertreterin Nora Seiler unterwegs. Ein Programmpunkt wird auch der Besuch einer »Hand-in-Hand-Schule« in Jerusalem sein, so Miriam Geldmacher: »Mit der würden wir gern eine Partnerschaft begründen.«

Interview

»Kiddusch mit Empanadas«

Daniela Rusowsky über die lateinamerikanische Gemeinschaft in Berlin, Melodien aus der Heimat und die Bedeutung von Kabbalat Schabbat

von Mascha Malburg  26.07.2026

München

Diplomatie und Freundschaft

Anlässlich seines 15-jährigen Bestehens lud das israelische Generalkonsulat zu einem Festakt in den Kaisersaal der Residenz

von Luis Gruhler  26.07.2026

Porträt der Woche

Eine Stimme für Israelis

Eliran Hirsh möchte mit seinen Podcasts Landsleute weltweit vernetzen

von Lorenz Hartwig  26.07.2026

Berlin

Rabbinerkonferenz: Berliner Führerbunker jüdischer Gemeinde geben

Was wird aus dem alten Führerbunker in Berlin? Derzeit streiten Senat, Stadtplaner und Denkmalschützer um den richtigen Umgang mit der Ruine. Die Europäische Rabbinerkonferenz schaltet sich nun mit einem Vorschlag ein

 26.07.2026

Bayern

»Es ist Zeit, den Hass zu beenden«

Eine Mahnwache der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zeigte Solidarität mit dem Opfer des israelfeindlichen Verbrechens in der Region Würzburg

von Stefan W. Römmelt  25.07.2026

Alija

Darum bleibe ich

Der 7. Oktober hat unsere Autorin zu einem anderen Menschen gemacht. Und beinahe wäre sie nach Israel ausgewandert. Vieles aber hält sie hier – aus gutem Grund

von Barbara Bišický-Ehrlich  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026