Berlin

71 Pfähle für das »House of One«

Iman Kadir Sanci, Pfarrer Gregor Hohberg und Rabbiner Andreas Nachama (v.l.) Foto: dpa

Für das geplante Drei-Religionen-Haus »House of One« ist am Montag in Berlin der Abschluss der Gründungsarbeiten für das Fundament gefeiert worden. An dem Festakt nahmen unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Anne Katrin Bohle, und der Berliner Kulturstaatssekretär Gerry Woop (Linke) teil.

Zusammen mit Architekt Wilfried Kuehn, Rabbiner Andreas Nachama, Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci gaben sie den Startschuss zum Einpflocken des letzten der insgesamt 71 Gründungspfähle, auf denen das Gebäude künftig stehen wird.

TOLERANZ Die Grundsteinlegung ist für den 14. April 2020 geplant, dem 237. Jahrestag der Erstaufführung von Nathan der Weise. Das Stück von Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) um Humanismus, Aufklärung und Toleranz zwischen den drei Religionen wurde am 14. April 1783 keine 100 Meter vom Berliner Petriplatz entfernt erstmals aufgeführt.

Unter dem Dach des »House of One« soll es künftig eine Synagoge, eine Kirche, eine Moschee und einen Begegnungsraum geben. Getragen wird das Projekt von der gleichnamigen Stiftung, die neben christlichen auch jüdische und muslimische Unterstützer hat.

Am Montag wurden die Gründungsarbeiten offiziell abgeschlossen, im April soll der Grundstein gelegt werden.

Müller sprach bei dem Festakt von einem wichtigen Pflock, der für den interreligiösen Dialog und das gute Zusammenleben in der Stadt eingeschlagen wurde. Das »House of One« sei ein großartiges Projekt mitten im Herzen Berlins, an einem der Gründungsorte der Stadt. »Es ist wunderbar, wenn Christen, Muslime und Juden einen gemeinsamen Begegnungsort haben werden«, sagte der Regierende Bürgermeister. Dieses Verbindende und Offene werde gebraucht.

RESPEKT Rabbiner Nachama sagte, das Mehrreligionen-Haus werde ausstrahlen: »Wir leben hier in einer Stadt friedlich miteinander, weil wir eine Welt schaffen wollen, in der alle friedlich miteinander leben.« Ein Ort, wo man sich gegenseitig respektiere - das sei Gott.

Für die Errichtung des Drei-Religionen-Hauses werden den Angaben zufolge ab Grundsteinlegung eine Bauzeit von mindestens drei Jahren sowie insgesamt 47,2 Millionen Euro an Baukosten veranschlagt. Die Summe soll größtenteils über Spenden zusammenkommen. Bislang sind nach Angaben der Stiftung knapp 30 Millionen Euro an Spenden und Zuwendungen eingegangen, davon sechs Millionen Euro von Privatspendern. Jeweils weitere zehn Millionen Euro haben der Bund und das Land Berlin bereitgestellt.

Von der veranschlagten Bausumme fehlen noch 17 Millionen Euro.

Das Drei-Religionen-Haus soll auf den Fundamenten der einstigen St. Petri-Kirche entstehen. Die DDR-Regierung hatte das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert und damit Berlins älteste Kirche sprengen lassen. Das Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi hat für das Projekt einen neuartigen Gebäudetyp in zeitgenössischer Architektur mit knapp ein Meter dicken Ziegelwänden entworfen. Im Untergeschoss soll eine acht Meter hohe Halle die archäologischen Funde der ehemaligen Petrikirche sichtbar machen.  epd

Hellerau

Tscheburaschka und WBS70

Die Ausstellung »Jüdische Ossis IV – Räume der Freiheit und des Rückzugs« stellt Fragen nach privater und öffentlicher Identität

von Katrin Richter  22.09.2026

Hillel

»Man fühlt sich bei uns willkommen«

Die neue Geschäftsführerin Liora Jaffe über das Zuhören, Visionen und Aha-Momente

von Christine Schmitt  22.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Frauen weggeschickt

Mitten am Tag soll ein 37-jähriger Afghane einen Brandsatz an der Bergischen Synagoge gezündet und sich danach antisemitisch geäußert haben. Vorher soll er zwei Passantinnen weggeschickt haben

 22.09.2026

Deutschland

»Existenzgefahr für Berlins Juden«

Die Linke macht immer wieder mit Judenhass und Forderungen nach der Auslöschung Israels von sich reden. Der Wahlsieg der Partei veranlasst nun den israelischen Botschafter zu einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme

 22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Feiertage

Chatima towa, oder was?

Was von Rosch Haschana über Jom Kippur bis Sukkot die korrekte Grußformel ist

von Rabbiner Yaacov Zinvirt  20.09.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Damit die Namen bleiben

Jorge Steffen ist Germanist und engagiert sich für den Erhalt von Grabsteinen

von Gerhard Haase-Hindenberg  20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Staatsanwaltschaft geht von Judenhass aus

Der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter soll aus antisemitischen Gründen gehandelt haben

 18.09.2026