Dortmund

15 Schüler pro Klasse scheinen realistisch

Mit der neuen Schule geht ein Traum in Erfüllung. Foto: Getty Images/istock

Für die Jüdische Kultusgemeinde Groß-Dortmund geht ein Traum in Erfüllung. Nach der Entscheidung des Schulausschusses am 22. April hat nun auch der Rat der Stadt Dortmund am 7. Mai dem Antrag der Jüdischen Gemeinde zugestimmt, zum Schuljahr 2021/2022 mit einer jüdischen Grundschule in die ehemalige Hauptschule am Ostpark einzuziehen. Damit realisiert sich ein Wunsch von Rabbiner Baruch Babaev, den Vorstandsmitgliedern der Jüdischen Gemeinde und von Geschäftsführer Leonid Chraga.

GRUNDSCHULE Das Dortmunder Projekt könnte nach der Yitzhak-Rabin-Schule in Düsseldorf und der Lauder-Morijah-Schule in Köln die dritte jüdische Grundschule in Nordrhein-Westfalen werden. Und die zehnte bundesweit. »Unsere Gemeinde wächst, deshalb brauchen wir eine Grundschule«, sagt Geschäftsführer Chraga. Und auch die Eltern der Kinder, die derzeit noch die Kindertagesstätte der Gemeinde besuchen, hoffen auf eine jüdische Grundschule für ihre Kinder.

In der ehemaligen Schule am Ostpark befindet sich zurzeit noch eine Caritas- Übergangseinrichtung für Flüchtlinge, die bis zum 1. September geräumt und »für die Beschulung von Kindern« wiederhergerichtet werden soll. Der Stadtrat beschloss darüber hinaus, die Bildungs- und Kulturarbeit der Kultusgemeinde beginnend mit 2022 mit einer pauschalen Festbetragsfinanzierung von 200.000 Euro zu fördern.

»Unsere Gemeinde wächst, deshalb brauchen wir eine Grundschule.«

Leonid Chraga

»Dieser Stadtvertrag steht in der Tradition der kommunalen Vereinbarung mit der Jüdischen Kultusgemeinde aus dem Jahr 1904«, heißt es weiter aus dem Dortmunder Rathaus.

UNTERRICHT Im Herbst 2021, so hoffen Babaev und Chraga, könnte der erste Unterricht starten. 15 Schüler pro Klasse hält Geschäftsführer Chraga für realistisch. Es sollen auch Kinder anderer Religionen aufgenommen werden. »Nur so kann man erfolgreich gegen Antisemitismus arbeiten.«

Der Bedarf in Dortmund sei so groß, dass mehrzügig gestartet werden könnte. Natürlich werde der Unterricht auf Grundlage der Richtlinien und Lehrpläne von NRW erteilt werden. Das Curriculum umfasst neben dem Hebräisch-Sprachunterricht auch jüdischen Religionsunterricht, der alle Themen jüdischen Lebens beinhaltet.

Als er vor vier Jahren in Dortmund sein Amt übernahm, sei ihm sehr schnell klargeworden, dass die Gemeinde eine eigene Schule braucht, sagt Rabbiner Babaev. »Zunächst war ich selbst nicht sicher, ob so ein großes Projekt überhaupt Zustimmung findet, und ob das zu realisieren ist.« Doch er stellte fest, dass dieser Wunsch auf Zustimmung stieß. Auch die Stadt sei sehr offen dafür.

KANTINE »Und heute stehen wir bereits vor einem Gebäude und überlegen uns, wo die Schulsynagoge und die koschere Kantine sein werden. Ich bin sprachlos und überglücklich«, freut sich der Rabbiner.

Die jüdische Schule war 1942 die letzte jüdische Gemeindeeinrichtung, die während der Schoa in Dortmund geschlossen worden war. Damals, als es schon fast kein jüdisches Leben mehr in der Stadt gab, hatte sie noch etwa 70 Schüler. 1942 wurden die Kinder und ihre Lehrer nach Riga ins Ghetto deportiert.

Heute zählt die Gemeinde 3000 Mitglieder und gestaltet ein aktives Gemeindeleben.

»Nun, 75 Jahre nach der Schoa, wo unsere Gemeinde wieder blüht und eine starke jüdische Infrastruktur vorzuweisen hat, fehlte uns gerade die Schule, um die Lücke zwischen 1942 bis 2020 wieder schließen zu können.« 1964 bemühte sich die Gemeinde um eine Wiedereröffnung, hatte aber letztendlich nicht genügend potenzielle Schüler. Heute zählt sie 3000 Mitglieder und gestaltet ein aktives Gemeindeleben.

»Aus diesen Gründen unterstützt die Stadt Dortmund das Interesse der Gemeinde an dem Aufbau einer jüdischen Grundschule«, heißt es in einer Presseerklärung der Stadt. Dortmund als weltoffene Gemeinde trage eine historische Verantwortung der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund gegenüber.

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