Talmudisches

Wie das Schma entstand

Die ersten Worte: »Schma Jisrael« – Höre Israel! Foto: picture alliance / imageBROKER

Im Traktat Brachot 12b–13b diskutiert der Talmud die Zusammensetzung des Schma Jisrael. Dieses Gebet besteht bekanntlich aus drei Toraabschnitten: »We­ahawta« (Du sollst den Ewigen, deinen G’tt lieben), »Wehaja im Schamoa« (Und es wird sein, wenn ihr auf Meine Gebote hören werdet) und »Wajomer Haschem« (Und der Ewige sagte). Aber zu Zeiten der Tanaim, der Rabbiner der Mischnazeit, erwogen unsere Weisen, dem Schma noch zwei weitere Abschnitte hinzuzufügen.

Als Erstes wollten sie die Zehn Gebote ergänzen, da diese die wichtigsten Glaubensgrundsätze des Judentums enthalten. Rabbi Jehuda erklärt, dass dies deshalb nicht geschah, weil die Weisen die Zehn Gebote nicht zu stark betonen wollten. Sie befürchteten nämlich, dass die Apikorsim (Ketzer) sagen würden, dass wir jeden Tag nur die Zehn Gebote rezitieren sollen, und der Rest der Tora sei nicht wichtig.

löwe Um einem solchen Argument zuvorzukommen, entschieden sich unsere Weisen gegen die Aufnahme der Zehn Gebote ins Schma. Außerdem wollten die Weisen den Toraabschnitt mit den Segnungen Bile’ams für das jüdische Volk ins Schma aufnehmen. Denn es heißt dort: »Er ist niedergekniet, er hat sich niedergelegt wie ein Löwe und wie eine Löwin. Wer will ihn aufwecken? Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht, wer dir flucht!« (4. Buch Mose 24,9).

Diese Worte erinnern uns daran, dass wir uns abends schlafen legen und morgens aufstehen. Doch Haschem wacht über uns, wenn wir uns zum Schlafen hinlegen und morgens aufstehen. Und so schlafen wir mit ungetrübtem Herzen wie der Löwe, der König der Tiere, der keinen Feind fürchtet.

Aber so wichtig diese Verse auch sind, wurden sie doch nicht ins Schma aufgenommen, denn es wäre für die Menschen zu umständlich gewesen. Unsere Weisen wollten uns keine allzu langen Gebete auferlegen.

Sie wählten eine bestimmte Reihenfolge für die Abschnitte des Schma. Zuerst »Weahawta«, dann »Wehaja im Schamoa« und schließlich »Wajomer Haschem«. Die Wertigkeit ist dabei absteigend: Im ersten Teil erklärt der Mensch seine Loyalität gegenüber Haschems Königreich. Mit dem zweiten Teil erklärt er seine Bereitschaft, die Gebote zu halten. Und Wajomer, der dritte Teil, ist der letzte, weil er sich mit dem Gebot der Zizit, der Schaufäden, befasst, das nur tagsüber erfüllt wird. Die in den anderen beiden Teilen enthaltenen Mizwot gelten hingegen sowohl während des Tages als auch nachts.

Rabbi Jehuda ben Chawiwa sagte, das »Wajomer« sei ins Schma aufgenommen worden, weil es wichtige Themen wie den Auszug aus Ägypten, die Akzeptanz von Mizwot, die Zizit, das Verbot von Glaubenssätzen, die der Tora widersprechen, und das Verbot götzendienerischer Gedanken enthält.

Mizwot Im folgenden Vers wird die Annahme des Jochs der Mizwot erwähnt: »Und du wirst sie sehen, und du wirst dich an alle Gebote von Haschem erinnern.« Von den Zizit ist in diesem Vers die Rede: »Und sie sollen sich Zizit machen.« Und der Auszug aus Ägypten kommt in dem folgenden Vers vor: »Ich, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat.«

Diese drei Ideen werden ausdrücklich erwähnt. Die anderen, die der Häresie und des Götzendienstes, werden nur angedeutet. Unsere Weisen erklären, dass sich »Du sollst nicht deinem Herzen folgen« auf Häresie, also auf falsche Philosophien, bezieht, denn es heißt: »Der Ungläubige hat in seinem Herzen keinen G’tt.«

»Wodurch ihr in die Irre geführt werdet (sonim)« bezieht sich auf Gedanken des Götzendienstes, denn es steht geschrieben: »Und sie irrten (vajisnu) nach den Ba’alim«, was bedeutet, dass sie falsche Götter anbeteten. So wurde das wohl zentralste und bedeutendste jüdische Gebet, das Schma Jisrael, zusammengesetzt. Jeder Jude soll es als erstes und letztes Gebet im Leben sprechen.

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