Fleischkonsum

Krone der Schöpfung

Adam, dem ersten Menschen, war es verboten, Tiere zu schlachten, um sie zu essen.

Fleischkonsum

Krone der Schöpfung

Die Welt wurde für den Menschen erschaffen. Daher hat G’tt Noach und seinen Nachkommen erlaubt, Tiere zu essen

von Dovid Gernetz  28.11.2019 16:13 Uhr

Wussten Sie, dass Israel das Land mit dem zweitgrößten Anteil von Vegetariern (13 Prozent der Bevölkerung) ist? Deutschland teilt sich den fünften Platz der Weltrangliste mit dem Vereinigten Königreich und Österreich mit neun Prozent.

Längst beschränkt sich Vegetarismus nicht nur auf das Meiden von Fleisch- und Fischspeisen, sondern hat sich zu einer alternativen Lebensweise entwickelt, die eine gesündere und umweltfreundlichere Welt propagiert. Doch was hält das Judentum vom Vegetarismus?

Adam, dem ersten Menschen, war es verboten, Tiere zu schlachten, um sie zu essen (siehe 1. Buch Mose 1, 28–29). Es gibt eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Kommentatoren, ob Adam nur das Schlachten verboten war oder generell der Genuss von Fleisch.

genuss Ersteres ist die Meinung der Tosafot (Sanhedrin 56b). Andere Kommentatoren, darunter Raschi und der Ramban, sind der Ansicht, dass ihm der Genuss des Fleisches gänzlich untersagt war.

Rabbi Yosef Albo (Autor des Werkes Sefer HaYikrim) erläutert dieses Verbot wie folgt: Das Schlachten von Tieren und das Genießen des Fleisches einiger Arten erwecke im Menschen eine gewisse Grausamkeit und Tendenz zur Gewalt. Außerdem absorbiert der Mensch während des Essens die Charaktereigenschaften seiner Speise, und dies habe einen negativen Einfluss auf das edle Wesen des Menschen.

Deswegen bevorzugte G’tt es, ihm gänzlich Fleisch zu verbieten, obwohl Fleisch, medizinisch gesehen, gesund für den Menschen ist. Dies war der Fall bis nach der Sintflut. Es wird überliefert, dass G’tt sich an Noach mit folgenden Worten wandte: »Alles Lebende soll euch zur Speise sein, wie das Gras gebe Ich euch alles« (1. Buch Mose 9,3).

Unsere Weisen schließen im Talmud (Sanhedrin 59b), dass G’tt Noach erlaubte, Tiere zu schlachten, um sie zu essen, obwohl es Adam verboten war.

Daraus schließen unsere Weisen im Talmud (Sanhedrin 59b), dass G’tt Noach erlaubte, Tiere zu schlachten, um sie zu essen, obwohl es Adam verboten war. Warum wurde es Noach und seinen Nachkommen erlaubt, nachdem uns der Sefer HaYikrim so ausführlich davor gewarnt hatte? Rabbi Yosef Albo geht selbst auf diese Frage ein.

Er erklärt, dass Adam, der erste Mensch, sich auf einem sehr hohen spirituellen Niveau befand, sodass kein besonderes Merkmal vonnöten war, um ihn als Krönung der Schöpfung zu sehen. Der Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tier war so markant, dass dies als selbstverständlich galt.

Sintflut Mit der Zeit jedoch, besonders in der Generation der Sintflut, sank das geistige Niveau der Menschheit, die Grenze zwischen ihnen fing an zu verschwimmen, und die Position des Menschen als Krönung der Schöpfung war gefährdet.

Deswegen musste G’tt wohl oder übel dem Menschen erlauben, Tiere zu schächten und sie zu essen, um zu beweisen, dass der Mensch, aufgrund des spirituellen Teils seiner Seele, der Hauptgrund der Schöpfung dieser Welt ist. Alles andere existiert nur, um ihm zu dienen und ihm zu helfen, seine Mission auf dieser Welt zu erfüllen.

Um den edlen Charakter des Menschen vor den negativen Einflüssen des Fleisches mancher Tiere zu schützen, wurden nur bestimme Tiere zum Essen erlaubt (3. Buch Mose, Parascha Schmini).

blut Und auch diese müssen auf bestimmte Art und Weise geschächtet und anschließend verarbeitet werden. Dies ist der Grund, warum der Genuss von Blut verboten ist und das Fleisch sorgfältig davon gereinigt werden muss, bevor es zum Verzehr geeignet ist, weil sich die »Tiernatur« hauptsächlich im Blut befindet.

Besonders in unserem Zeitalter, wo sich viele für den Schutz der Tiere einsetzen und Tiere oft mit Menschen verglichen werden, ist es wichtig, den Unterschied zwischen Mensch und Tier zu betonen und nicht zu vergessen, für wen die Welt erschaffen wurde.

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