Einspruch

Zweifel an Namensgeberin

Josef Schuster appelliert, eine neue Straße in Oranienburg nicht nach Gisela Gneist zu benennen

von Josef Schuster  27.01.2022 12:00 Uhr

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes/Zentralrat der Juden

Josef Schuster appelliert, eine neue Straße in Oranienburg nicht nach Gisela Gneist zu benennen

von Josef Schuster  27.01.2022 12:00 Uhr

Der Immobilienentwickler der »Vorstadtgärten Aderluch« wirbt mit der idyllischen Lage der neuen Wohnsiedlung in Oranienburg: zwischen Barockschloss und See. Es ist nachvollziehbar – wer Häuser verkaufen will, nennt die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen nicht an erster Stelle. Sie liegt ebenfalls in direkter Nachbarschaft. Das »Aderluch« gehörte zum KZ-Außenkommando »Zeppelin«, wo Hunderte KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten.

Die Stadt Oranienburg hatte bei der Benennung der Straßen im Neubaugebiet zwei Ziele: Sie wollte an die Vergangenheit des Geländes erinnern und Frauen besonders würdigen. Daran ist nichts zu kritisieren. Dann entschied sich die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung allerdings für Gisela Gneist als Namensgeberin einer Straße.

nazizeit Gisela Gneist, in der NS-Zeit angepasst an das System, hat später ohne Zweifel als junge Frau in Sachsenhausen gelitten, als es unter der sowjetischen Besatzung zu einem sogenannten Speziallager umgewandelt worden war. In diesen Speziallagern waren viele Täter aus der Nazizeit sowie Menschen inhaftiert, die der Besatzungsmacht politisch nicht passten. Mit Rechtsstaatlichkeit hatten diese Lager nichts zu tun.

Die geäußerten Zweifel an Gisela Gneists politischer Einstellung klingen berechtigt.

Doch wenn sowohl die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten als auch das Internationale Sachsenhausen-Komitee, also die ehemaligen KZ-Häftlinge, gegen Gisela Gneist als Namensgeberin protestieren, dann sollte die Stadtverordnetenversammlung dies nicht einfach zur Seite wischen. Gneist ist mindestens das, was man als schillernde Persönlichkeit bezeichnet. Die geäußerten Zweifel an ihrer politischen Einstellung klingen berechtigt.

Anstatt starrköpfig an diesem Straßennamen festzuhalten, sollte sich die Stadtverordnetenversammlung auf einen neuen Namen verständigen. Einen Namen, der nicht spaltet. Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Es dürfte auch eine Frau darunter gewesen sein.

Der Autor ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

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