Einspruch

Zum Wohle des Nahen Ostens

Syriens Präsident Baschar al-Assad erweist sich immer mehr als gelehriger Schüler seines Vaters Hafiz und lässt die Opposition mit unglaublicher Brutalität niederschlagen. Anders als in Libyen, wo die internationale Gemeinschaft mit vergleichsweise geringer Investition große Wirkung erzielen konnte, ist Ähnliches in Syrien nicht zu erwarten. Zumal Russland und China kein zweites Mal einer Resolution zustimmen dürften, die ein militärisches Eingreifen gegen ein arabisches Regime ermöglicht.

Angesichts dieser Situation melden sich nun Stimmen zu Wort, wonach es auch gar nicht wünschenswert wäre, die syrische Diktatur zu stürzen. Schließlich nehme das Land eine neuralgische Stellung im Nahostkonflikt ein. Das ist kaum zu leugnen – und der Grund, warum das Regime besser heute als morgen fallen sollte.

Die Achse Teheran und Damaskus ist seit Jahren die wichtigste Ursache für Instabilität in der Region und mit verantwortlich dafür, dass die palästinensische Autonomiebehörde es nicht wagt, Frieden mit Israel zu schließen. Ein Ende Assads würde nicht nur das iranische Regime ins Wanken bringen, es würde auch Hisbollah und Hamas zwingen, in Ermangelung von Geldgebern, Waffenlieferanten und Nachschubrouten eine pragmatischere Politik zu verfolgen. Ähnlich wie einst Saddam Hussein im Irak hat Baschar al-Assad die radikalsten Palästinenserfraktionen gern in Damaskus beherbergt und sich als Hüter der arabischen Sache gegen Israel aufgespielt. Wie nach dem Sturz Saddams würde sich auch nach dem Fall Assads der Volkszorn gegen ebenjene Radikalen richten. Denn der Nahostkonflikt wurde von Damaskus stets als Vorwand benutzt, um dem eigenen Volk Bürgerrechte vorzuenthalten.

Wer also Frieden möchte, sollte die syrische Opposition tatkräftig unterstützen. Und darauf hoffen, dass nach einem Sturz Assads auch Irans Opposition Mut schöpft. Das wäre die beste Option, um die Atombombe der Mullahs noch zu verhindern.

Der Autor ist Ressortleiter Außenpolitik der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Washington D.C.

Trump attackiert Merz: »Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!«

Der US-Präsident ist verärgert über die Kritik des Bundeskanzlers am Iran-Krieg

 28.04.2026

Nahost

Verdrehte Moral

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  28.04.2026 Aktualisiert

Offener Brief

Schramm warnt vor Rechtsruck in Sachsen-Anhalt

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen warnt vor wachsendem Nationalismus und einem möglichen Rechtsruck in Sachsen-Anhalt. Die AfD lehnt er klar ab und bezeichnet sie als »nicht wählbar«

 28.04.2026

Kommentar

Antisemitismus und Israelfeindlichkeit werden die SPD nicht retten

Die Sozialdemokraten sollten sich nicht an Zohran Mamdani oder Pedro Sánchez orientieren, sondern an einer alten Wahrheit von Bill Clinton

von Stefan Laurin  28.04.2026

New York

Wadephul auf Werbetour bei den Vereinten Nationen

Der deutsche Außenminister führt angesichts der Kriege im Iran und der Ukraine Gespräche bei der UNO. Es geht aber auch um eine für Deutschland wichtige Wahl Anfang Juni

von Jörg Blank, Anne Pollmann  28.04.2026

Toronto

Angriff vor Synagoge, Judaica-Geschäft beschädigt

Ein Gemeindemitglied wird geschlagen, ein Judaica-Geschäft beschädigt

 28.04.2026

Hamburg

Ausstellung zeigt Arbeiten an Ruine des Israelitischen Tempels

Die Finanzbehörde der Hansestadt will das bedeutende Kulturdenkmal dauerhaft erhalten und öffentlich zugänglich machen

 28.04.2026

Berlin

Festakt zur Umbenennung in Margot-Friedländer-Platz

Der Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses wird zum 7. Mai umbenannt

 28.04.2026

Terror

Verfassungsschutz warnt vor Gefahr durch proiranische Extremisten in Europa

Politiker schlagen Alarm. Konstantin von Notz von den Grünen spricht von einer »neuen Dimension der Bedrohung«

 28.04.2026