Berlin

Zentralrat weist Kampagnenvorwurf im Fall Homolka zurück

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Foto: dpa

Im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen Rabbiner Walter Homolka hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, Mutmaßungen über eine mögliche Kampagne zurückgewiesen. Der Zentralrat sei der größte Mittelgeber des Abraham Geiger Kollegs (AGK) in Potsdam, sagte Schuster in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): »Wenn dort nun der Vorwurf des Machtmissbrauchs im Raum steht, muss das aufgeklärt werden.«

Homolka habe von einer »Kampagne gegen das liberale Judentum« gesprochen. »Bei allem Respekt für die Verdienste von Rabbiner Homolka ist das meiner Meinung nach eine absurde Behauptung«, entgegnete Schuster: »Mir persönlich und uns allen ist die liberale Rabbinerausbildung am Kolleg außerordentlich wichtig. Und es geht jetzt darum, sie zu erhalten.«

gutachten Der Zentralrat hatte ein Gutachten zur Klärung in Auftrag gegeben, das Ende des Jahres veröffentlicht werden soll. »Die Vereinbarung im Rahmen des Auftrags war von Anfang an, dass die Kanzlei die Untersuchung vollständig unabhängig und selbstständig durchführt und auch wir vor Abschluss der Untersuchung keine Informationen über den Inhalt der Untersuchung erhalten«, betonte Schuster.

Eine Untersuchung der Universität Potsdam hatte kürzlich Vorwürfe gegen Homolka, Gründer des Abraham Geiger Kollegs, in Teilen bestätigt. Dies bezieht sich auf »Vorwürfe des Machtmissbrauchs«, nicht aber auf »Vorwürfe der Duldung sexuell belästigenden Verhaltens seitens seines Lebenspartners«.

Homolka selbst wehrt sich weiter gegen alle Vorwürfe. Diese hatten bundesweit und im Ausland Entsetzen hervorgerufen – auch unter mehreren Rabbinerinnen und Rabbinern sowie anderen Vertretern des liberalen Judentums – und auch Rücktrittsforderungen an die Adresse Homolkas.

einrichtungen Der bereits vorgestellte Bericht nimmt die Folgen des Falls für die akademischen Einrichtungen in den Blick. Das Gutachten des Zentralrats untersucht auch weitere Einrichtungen, in denen Homolka hohe Ämter übernommen hatte. Schuster betonte im KNA-Interview, dass die Beauftragung des Gutachtens »unter ausdrücklicher Zustimmung aller Institutionen, die untersucht werden, erfolgte«.

Der »Zeit« hatte Homolka gesagt, er sei »kein Vertuscher und kein Belästiger«. Mit Blick auf seine Leitungsfunktion erklärte er: »Ja, ich war Chef und hatte Macht. Doch Machtgebrauch ist nicht schon Machtmissbrauch.« Über Karrieren habe er nie allein entschieden. Und weiter: »Was mein Partner getan hat, war grundfalsch.« Er empfinde »das Ganze als Kampagne, um mir zu schaden«. Er kritisierte zugleich den Zentralrat, der schon im Mai erklärt habe, welche Konsequenzen man ziehen wolle, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Er habe dies als »Attacke konservativer Kreise auf das liberale Judentum« empfunden. kna

Kultur

Klein wünscht sich mehr Wehrhaftigkeit gegen Antisemitismus im Kulturbetrieb

Der Antisemitismus-Beauftragte Klein kritisiert einen geplanten Auftritt der palästinenisch-stämmigen DJ Sama‘ Abdulhadi im Juli in Hamburg

 19.04.2026

Iran

Iran macht Öffnung der Straße von Hormus rückgängig

Keine 24 Stunden nach der Zusage des Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, wurde sie wieder zurückgenommen.

 19.04.2026

Den Haag

Israelische NGO zeigt Spaniens Regierungschef Sánchez an

Die Gruppe erstattete Anzeige beim Internationalen Strafgerichtshof. Die spanische Regierung habe Kriegsverbrechen im Iran begünstigt

 20.04.2026 Aktualisiert

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

ZDF-Politbarometer

Auf Bundesebene: AfD erstmals stärkste Kraft

Die rechtsextreme Partei profitiert von der Unzufriedenheit der Bürger mit der Regierung

 17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der ab dem 1. Mai von Deutschland aus arbeitet

 17.04.2026

Berlin

Zentralrat der Juden gegen Widerspruchslösung

In seinem Tätigkeitsbericht für 2025 geht der Zentralrat auch ethische Fragen rund um das Thema Organspende ein

 17.04.2026

Genf

So reagiert die Weltbank auf antisemitische Posts von Francesca Albaneses Ehemann

Massimiliano Cali soll den palästinensischen Terrorismus relativiert und gegen Juden gehetzt haben

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Paris

Bericht: Marine Le Pen trifft Israels Botschafter

Das Gespräch wirft diese Frage auf: Wie geht die Regierung Netanjahu mit rechtsextremistischen Parteien im Ausland um?

 17.04.2026