Berlin

Zentralrat der Juden lehnt Kooperation mit einigen Islamverbänden ab

Josef Schuster: »Wir sehen auch Verbände, die teilweise vom Ausland gesteuert und massiv beeinflusst werden«

 15.07.2021 09:32 Uhr

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes/ZR

Josef Schuster: »Wir sehen auch Verbände, die teilweise vom Ausland gesteuert und massiv beeinflusst werden«

 15.07.2021 09:32 Uhr

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wünscht sich nach eigenen Worten engere Kontakte zwischen Juden und Muslimen. Eine Möglichkeit zu einer engen Zusammenarbeit sehe er von jüdischer Seite jedoch nur mit muslimischen Verbänden, die keinem Einfluss aus dem Ausland unterlägen, sagte Schuster in einem am Donnerstag verbreiteten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Auf Funktionärsebene gebe es nicht den einen muslimischen Verband. »Wir sehen auch Verbände, die teilweise vom Ausland gesteuert und massiv beeinflusst werden«, sagte Schuster. Ein Beispiel sei die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib). Sie ist der größte islamische Verband in Deutschland und wird vom türkischen Religionsministerium mitfinanziert. Kritiker werfen Ditib vor, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu fungieren.

ANTISEMITISMUS In dem Interview äußerte sich Schuster auch zu der Bundestagswahl im September. Von der neuen Bundesregierung erwartet der Präsident des Zentralrats ein proaktives Vorgehen gegen Antisemitismus. »Darüber hinaus bleibt die Erinnerung an die NS-Verbrechen sehr wichtig, wo ich vor allem die KZ-Gedenkstätten im Blick habe, die angemessen unterstützt werden müssen«, ergänzte Schuster.

Kritiker werfen Ditib vor, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu fungieren.

Was in der zu Ende gehenden Legislaturperiode noch ausstehe, aber im Koalitionsvertrag festgehalten sei, sei die Bekämpfung von Altersarmut jüdischer Zuwanderer, sogenannter Kontingentflüchtlinge aus der früheren Sowjetunion, gab Schuster zu bedenken. »Es hat lange gedauert bis zu einer Fondslösung, die aktuell in der Abstimmung zwischen Bund und Ländern ist. Dabei klemmt es allerdings, und es sind dunkle Wolken zu sehen. Denn die Finanzierung ist ein Problem.«

RÜCKBLICK Als einen Erfolg der vergangenen Jahre wertete Schuster die Schaffung der Stelle eines Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, die Felix Klein innehat. Der Zentralratspräsident verwies auf ähnliche Strukturen mit Beauftragten auf Ebene der Bundesländer, die sich mit Klein in einer Bund-Länder-Kommission austauschen.

Zudem sei der Staatsvertrag zwischen dem Zentralrat der Juden und der Bundesregierung angepasst worden, sodass der jährliche Zuschuss des Bundes von zehn auf 13 Millionen Euro angehoben worden sei. »Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019 hat die Bundesregierung erhebliche Mittel zum Schutz jüdischer Einrichtungen bereitgestellt«, betonte Schuster. Diese Mittel würden derzeit in Absprachen mit dem Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern abgerufen.

Mit Blick auf die AfD verwies Schuster auf Umfragen, wonach die Partei bei der Bundestagswahl auf etwa elf Prozent der Stimmen kommen könnte. »Das ist zu viel. Allgemein habe ich in der Legislaturperiode keine konstruktiven Vorschläge der AfD-Fraktion gehört.« kna/ja

Interview

»Das ist nicht einfach nur rechtsradikal«

Was macht die »Querdenker«-Bewegung für ihre Anhänger so attraktiv? Und wie wichtig sind dabei Verschwörungsmythen?

von Holger Spierig  02.08.2021

Berlin

»Querdenken«: Polizei ermittelt nach Angriff auf Gewerkschafter

Aus einem der Demonstrationszüge heraus wurde ein Medien-Gewerkschafter angegriffen

 02.08.2021

Berlin

»Vertreibung und Vernichtung von Ungeimpften?«

Die Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz ist empört über Schoa-Vergleiche von Besuchern

 02.08.2021

Mannheim

Israelfeindliche Kundgebung: 26 Verdächtige identifiziert

Polizei wirft den Demonstranten Volksverhetzung, Landfriedensbruch oder gefährliche Körperverletzung vor

 02.08.2021

Berlin

Staatsschutz ermittelt nach Angriff auf Synagoge

Nach einem Flaschenwurf auf eine Synagoge in Berlin ermittelt der Staatsschutz des Landeskriminalamtes gegen einen 24-jährigen Mann

 02.08.2021 Aktualisiert

Erinnerung

Gedenken an ermordete Sinti und Roma

Ehrengast wird die 97-jährige Schoa-Überlebende Zilli Schmidt sein

 02.08.2021

Berlin

Romani Rose warnt vor »Apartheid vor unserer Haustür«

Zentralratsvorsitzender beklagt andauernde Diskriminierung und Unterdrückung

 02.08.2021

Terror

USA und Großbritannien machen Iran für Angriff auf israelischen Tanker verantwortlich

Antony Blinken: Die US-Regierung bespricht sich mit ihren Verbündeten, um eine »angemessene Antwort« zu finden

 02.08.2021

Meinung

Olympia: Boykott verliert

Wer sich weigert, gegen Israel anzutreten, gibt sich als peinliche Marionette seines Regimes zu erkennen

von Martin Krauß  02.08.2021