Meinung

Zentraler Erinnerungsort

Raphael Gross Foto: Jüdisches Museum Frankfurt

Erst in den vergangenen Jahren hat man in der Bundesrepublik damit begonnen, dem Wirken und den Verdiensten Fritz Bauers größere Aufmerksamkeit zu widmen. Er war der Jurist, der dafür sorgte, dass vor nunmehr 50 Jahren mit dem Frankfurter Auschwitz-Prozess ein zentraler Versuch unternommen wurde, sich strafrechtlich mit den für den Holocaust verantwortlichen Mördern auseinanderzusetzen.

In den 50er- und 60er-Jahren, als er in Hessen als Generalstaatsanwalt wirkte, war dieses Projekt von Bauer sehr unpopulär. Ein wesentlicher Teil der deutschen Bevölkerung – also auch in der Politik, der Polizei und der Justiz – bemühte sich auf allen Ebenen der Gesellschaft vielmehr gerade darum, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu verhindern. Der Sozialdemokrat Bauer führte trotz aller Anfeindungen diese strafrechtliche Auseinandersetzung mit NS-Verbrechern.

Widerstand Und der Sozialdemokrat kämpfte auch für die Würdigung des konservativen Widerstands gegen Hitler – auch dies war in den 50er Jahren durchaus nicht populär. Sein Judentum blendete er dabei sehr dezidiert aus, denn die deutsche Gesellschaft hätte sich einen nach Gerechtigkeit – nicht nach Rache –Würdigung suchenden Juden in den 50er- und 60er-Jahren gar nicht vorstellen können. Das antisemitische Erbe der NS-Zeit war noch zu tief verankert.

Das Vermächtnis von Bauer ist bis heute von Bedeutung. Auch 68 Jahre nach Kriegsende müssen noch Ermittlungsverfahren gegen NS-Täter geführt werden. Die Nachwirkungen des Nationalsozialismus spüren wir weiter -– man denke nur an die Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« oder an die aktuellen Diskussionen um NS-Raubkunst.

Der große Frankfurter Auschwitz-Prozess vor 50 Jahren hat für die juristische Seite der Aufarbeitung der Verbrechen bis heute eine enorme Bedeutung. Zu Recht ist er zu einem zentralen »Erinnerungsort« der bundesrepublikanischen Geschichte geworden. Und er hat auf einer symbolischen Ebene eine weltweite Bedeutung.

50 Jahre nach den Urteilen – und 45 Jahre nach Fritz Bauers Tod – lehrt dieser Prozess, dass wir uns mit dem, was vom Nationalsozialismus fortwirkt, noch lange werden beschäftigen müssen.

Der Autor ist Historiker und Direktor des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt/Main

Berlin

SPD für Koalition mit Linken und Grünen

Nach den erfolgreichen Sondierungen in Berlin sind nun die Parteigremien gefragt. Zuerst gab die SPD grünes Licht für Koalitionsverhandlungen

 19.10.2026

Elif Eralp

Meinung

Sprengsatz im Berliner Kessel

Was brodelt in der Berliner Linken – und warum wollen SPD und Grüne mit ihr regieren?

von Peter Hesse  19.10.2026

Israel

Benny Gantz steigt aus dem Wahlkampf aus

Benny Gantz’ Bündnis Blau-Weiß drohte, an der Hürde für den Parlamentseinzug zu scheitern. Nun will der Oppositionspolitiker Berichten zufolge nicht mehr antreten.

 19.10.2026

Dave Rich

»Jüdische Studierende schweigen oft«

Der Antisemitismus-Experte über zunehmenden Judenhass an Universitäten, mangelnde Sicherheit im Alltag und die extreme Rechte in Großbritannien

von Nicole Dreyfus  19.10.2026

Diether Dehm

Nach Auftritt mit Höcke

Strafbefehl gegen Diether Dehm wegen SA-Parole

Björn Höcke wurde wegen der Verwendung der Parole »Alles für Deutschland« bereits rechtskräftig verurteilt. In einem Interview mit dem AfD-Mann wiederholte der frühere Linken-Politiker Diether Dehm diese Worte und soll dafür nun 9000 Euro zahlen

 19.10.2026

Frankreich

Dobrindt warnt vor Bündnis aus Linksextremisten und radikalen Migrantenmilieus

Der Bundesinnenminister sieht in den gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich eine Gefahr, die auch Deutschland betreffen könnte

 19.10.2026

Anschlagsvorbereitungen

Auswärtiges Amt bestellt iranischen Botschafter ein

Zwei Männer haben im Auftrag Teherans jüdische und israelische Ziele in Deutschland für Anschläge ausgespäht. Nach ihrer Verurteilung in Hamburg vor wenigen Tagen reagiert das Außenministerium in Berlin

 19.10.2026

Nachruf

Hermann »Mano« Höllenreiner ist tot

Mit neun Jahren wird er nach Auschwitz deportiert. Später wird er unermüdlicher Mahner gegen das Vergessen

 19.10.2026

London

Israel-Unterstützerin gerät wegen ihres Engagements ins Visier der Polizei

Holly Passmore wurde nach einem Aufenthalt in Israel von zwei Polizisten befragt

 19.10.2026