Extremismus

Zahl antisemitischer Vorfälle in Thüringen steigt um 25 Prozent

Die neue Statistik über politisch motivierte Kriminalität in Thüringen wurde heute im Landtag von Erfurt vorgestellt. Foto: dpa

Weniger politisch motivierte Straftaten, aber mehr Delikte mit rechter Tatmotivation: Das ist das zentrale Ergebnis der Statistik über die politisch motivierte Kriminalität in Thüringen 2020, die Landesinnenminister Georg Maier (SPD) am Montag in Erfurt vorstellte. Demnach ging die Gesamtzahl politisch motivierter Straftaten nach dem Fünf-Jahres-Hoch von 2019 (2493) um fast 400 auf 2095 zurück (minus 16 Prozent).

Anstiege gab es lediglich in den Bereichen der Landespolizeiinspektionen Jena und Saalfeld. Dort wurden mit 534 (Jena) und 317 (Saalfeld) auch landesweit die meisten politisch motivierten Straftaten verzeichnet, gefolgt von Nordhausen (274), Erfurt (273), Gotha (254) und Suhl (253). Die Aufklärungsquote stieg von 39,7 auf 44,6 Prozent. 92 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen waren Männer.

Mit mehr als 60 Prozent hatten laut Maier auch 2020 die meisten Fälle einen rechten Hintergrund. Ihre Zahl stieg um elf auf 1.312. Auch bei den Gewaltdelikten wurde einzig bei jenen mit rechtem Hintergrund ein Anstieg um 13 auf 62 Vorfälle verzeichnet.

Bereichsübergreifend gab es bei politisch motivierten Gewalttaten das vierte Jahr in Folge einen Rückgang (2020: 96/minus 4). Die Zahl der linksmotivierten Gewalttaten halbierte sich laut Maier auf 21. »Die größte Gefahr für unsere Demokratie kommt von rechts«, resümierte er.

Abseits der rechten Tatmotivationen verzeichnete das Ministerium in allen Bereichen einen Rückgang. So sank die Zahl der linksmotivierten Delikte von 646 auf 437. Im Bereich politisch motivierte Kriminalität »ausländische Ideologie« ging die Deliktzahl von 21 auf 11 zurück, im Bereich »religiöse Ideologie« um zwei auf 18, bei den nicht zuzuordnenden Taten von 505 auf 317.

Mit einer Gesamtzahl von 979 wurden demnach weiter sehr häufig Propagandadelikte wie das Verwenden verbotener Symbole oder Parolen festgestellt. Derweil wurden mit 1015 fast die Hälfte aller Straftaten in den Bereich »Sonstige staatsschutzrelevante Delikte« eingeordnet. Fälle von Terrorismus gab es neun (2019: 16), laut Ministerium alle im Zusammenhang mit ausländischen Organisationen.

Als »eine sehr besorgniserregende Entwicklung, die wir alle sehr ernst nehmen müssen«, bezeichnete Maier den Anstieg antisemitischer Straftaten um rund ein Viertel auf 116. Diese würden zunehmend auch digital begangen, als Beleidigungen, Verunglimpfungen und Bedrohungen.

Als einen Grund nannte Maier Verschwörungsmythen, die verstärkt von Gegnern der Corona-Maßnahmen verbreitet würden. »Hier sehe ich dringenden Handlungsbedarf«, betonte Maier und erklärte, er halte eine Beobachtung der »Querdenken«-Bewegung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz für geboten.

Insgesamt wurden 2020 in Thüringen demnach 152 Straftaten bei Anti-Corona-Protesten festgestellt. Maier wies darauf hin, dass die Szene klare Überschneidungen mit Rechtsextremen wie etwa »Reichsbürgern« aufweise. Wenn indes Politiker als Diktatoren bezeichnet würden, »ist das nicht eindeutig rechts«, betonte er.

Man müsse daher darüber nachdenken, eine neue Kategorie zu schaffen, »falls diese Bestrebungen größer werden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung auf diese Art und Weise infrage stellen und angreifen«, warnte der Minister.

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026