Meinung

Wuppertal braucht keine Scharia-Polizei

Leonid Goldberg Foto: privat

Sie kommen in der Nacht, geben sich fürsorglich und tragen Westen mit der Aufschrift »Sharia Police«: Die selbst ernannten islamistischen Sittenwächter in Wuppertal haben in den letzten Tagen viele Bürger aufgeschreckt. In Spielhallen und Geschäften verwickelten die Salafisten Jugendliche in Gespräche über die »richtige Lebensführung«. Mit sanfter Stimme warnten sie vor Alkohol und Drogen und luden sie in ihre – vom Verfassungsschutz beobachtete – Moschee ein.

Nun könnte man die »Scharia-Polizisten« als einzelne verblendete Spinner abtun und sich wieder anderen Dingen widmen. Doch die Islamisten um den profilneurotischen Salafisten Sven Lau sind brandgefährlich. Vordergründig geben sie sich rechtschaffen, tatsächlich aber vertreten sie das brutale Weltbild des radikalen Islam. Oft war in diesen Tagen zu lesen, dass Teile der Wuppertaler Salafistenszene gar mit der Terrormiliz Islamischer Staat sympathisieren. Nach deren Ideologie müssen alle »Ungläubigen« zum Islam konvertieren, sonst droht ihnen der Tod.

intelligenz Was die islamistische Bewegung in ganz Deutschland außerdem so gefährlich macht, ist ihre Intelligenz. Die Extremisten testen systematisch Grenzen aus. Wuppertal war für sie nur ein Versuchsballon. In London fing es vor einigen Jahren auch mit einer auf den ersten Blick harmlosen Scharia-Polizei an. Aus falsch verstandener Political Correctness heraus hat der Staat diese Patrouillen lange toleriert. Inzwischen gibt es ganze Stadtviertel in der britischen Hauptstadt, die von den Islamisten kontrolliert werden.

Damit es in Deutschland nicht so weit kommt, muss der Staat die Umtriebe der Salafisten entschlossen bekämpfen. Das hat die Politik in den vergangenen Tagen – mal mehr und mal weniger – getan. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Abscheu über die Scharia-Polizei artikuliert. Ihr Justizminister Heiko Maas kündigte an: »Eine illegale Paralleljustiz werden wir nicht dulden.« Im Kampf gegen den Fanatismus der Salafisten muss die Staatsgewalt klare Kante zeigen.

Denn schon jetzt haben nicht zuletzt wir als jüdische Gemeinschaft in Wuppertal und anderswo mit dem Judenhass seitens vieler Muslime zu kämpfen. Erst vor Kurzem verübten im Zuge des Gaza-Krieges palästinensische Araber einen Brandanschlag auf unsere Synagoge. Es darf kein Zweifel daran bestehen: Die Muslime gehören zu Deutschland – Gewalt, Hass und die Scharia gehören nicht dazu.

Der Autor ist Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal.

Bayern

Umsturz, Revolution, Bürgerkrieg

AfD wegen radikaler Chat-Inhalte massiv unter Druck

 01.12.2021

Innenministerkonferenz

Sicherheitspolitiker schalten sich zusammen. Besuch in Stuttgarter Synagoge geplant

Beratungen zum Kampf gegen Antisemitismus und Hasskriminalität

von Nico Pointner  01.12.2021

Interview

»Die Religionsfreiheit gerät immer mehr unter Druck«

Rabbiner Avichai Apel über Chanukka, die Corona-Pandemie und Herausforderungen für das jüdische Leben in Europa

von Leticia Witte  01.12.2021

Leipzig

Münchner Saalverbot für antisemitische BDS-Bewegung vor Gericht

Verhandelt wird über Revision der Landeshauptstadt München gegen Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs

 01.12.2021

Antisemitismus

Sender lässt Vorwürfe extern untersuchen

Laut »Süddeutscher Zeitung« geht es um einige Mitarbeitende der Arabisch-Redaktion und freie Mitarbeiter im Ausland

 01.12.2021

Nahost

Kehrtwende beim Geld

Jerusalem will mehr finanzielle Hilfe für die Palästinenser

von Sabine Brandes  30.11.2021

Interview

»Jeder zweite Deutsche ist noch nie direkt mit jüdischem Leben in Berührung gekommen«

Philipp Hildmann über die Ergebnisse einer neuen Studie und mangelndes Wissen

 30.11.2021

Meinung

Für Antisemitismus ist in Deutschland kein Platz? Wirklich nicht?

Es ist höchste Zeit, konsequent gegen diejenigen vorzugehen, die Israels Existenzrecht bestreiten

von Sigmount Königsberg  30.11.2021

Debatte

Sachsenhausen-Komitee dringt auf Straßenumbenennung

Appell: Stadtverordneten im brandenburgischen Oranienburg sollen ihre Entscheidung korrigieren

 30.11.2021