Yedioth Ahronoth

»Wir sind schlichtweg nicht neutral«

Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: dpa

Kurz vor den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen in der kommenden Woche in Berlin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel der israelischen Tageszeitung »Yedioth Ahronoth« ein Interview gegeben.

Mit dem Europa-Korrespondenten Eldad Beck sprach sie unter anderem über die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Israel: »In erster Linie verbinden uns die Werte, die Deutschland und Israel in der Welt vertreten – Freiheit, Demokratie, die Würde jedes einzelnen Menschen.« Sie sehe Gemeinsamkeiten in vielen Projekten und auch in der Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigungspolitik.

Sicherheit
In dem am Freitag veröffentlichten Interview erläuterte Merkel ihr 2008 vor der Jerusalemer Knesset abgegebenes Bekenntnis zu Israels Sicherheit als deutsche Staatsräson: »Meine Aussage ist sehr umfassend zu verstehen. Oft ist sie auf die militärische Komponente reduziert worden, aber sie bezieht sich auf ein ganz grundsätzliches Eintreten für die Sicherheit Israels. Wir sind schlichtweg nicht neutral.«

Nach Ansicht der Kanzlerin seien die Beziehungen beider Länder gut und herzlich und würden sich ständig weiter entwickeln: »Immer wieder wird dabei klar: Israel ist die einzige wirkliche Demokratie im Nahen Osten. Das zählt, auch wenn wir in einigen Fragen der Siedlungspolitik nicht einig sind und uns wünschen würden, dass auf eine Zweistaatenlösung hin verhandelt wird.«

Boykott Auf die Frage nach der auf EU-Ebene beschlossenen Kennzeichnung von Waren aus israelischen Siedlungen sagte Merkel unter anderem: »Mit Boykott hat dies aber nichts zu tun. Von Boykottaufrufen halte ich auch grundsätzlich nichts.«

Zur nuklearen Bedrohung durch den Iran sagte Merkel: »Ich teile Israels Sensibilität bei diesem Thema und sein Misstrauen gegenüber dem Iran, schließlich ist Israel direkt bedroht, aber eigentlich sind wir alle, die freie Welt, von einer Nuklearbewaffnung des Iran bedroht. Dennoch komme ich bei dem jetzt beschlossenen Abkommen zu einer anderen Einschätzung als der israelische Premierminister.«

Merkel machte in dem Interview klar, dass der Iran seine inakzeptable Haltung gegenüber Israel verändern müsse: »Ich hoffe, eines Tages werden auch in Teheran Politiker regieren, die zu dieser Überzeugung gelangen. Bis dahin sehe ich es als Pflicht der Bundesregierung, diese Forderung immer wieder zu erheben.«

Flüchtlinge Auf die Frage nach einer befürchteten Islamisierung Deutschlands und Europas durch die anhaltende Flüchtlingswelle sagte Merkel: »Wir werden alles daran setzen, diejenigen, die bei uns bleiben dürfen, zu integrieren – in unser Land, in unsere Verfassung, in unseren Rechtsstaat mit seinen freiheitlichen Werten. Sie sollen so schnell wie möglich unsere Sprache lernen, davon hängt alles Weitere ab. Jeder Form von religiösem Fundamentalismus werden wir entschieden entgegentreten.« ddk

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Abgeordnetenhauswahl

Offene Ohren

Was passiert, wenn 100 Berliner Israelis 45 Minuten haben, um einem Landespolitiker Fragen zu stellen? Etwas anderes, als Sie denken

von Sophie Albers Ben Chamo  03.09.2026

Transportbetonwerk der Firma Heidelberg Materials in München (Symbolbild)

Hessen

Brandanschlag aus Israel-Hass?

Bei einer Betonfirma entstand durch das Feuer ein Sachschaden in Höhe von etwa 800.000 Euro. Nun tauchte ein Bekennerschreiben auf, das die Tat mit der Politik Israels begründet

 03.09.2026

Medien

Der schöngefärbte Sozialist

So framt »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt

von Regula Stämpfli  03.09.2026

Debatte

Öffentlich-Rechtliche Medien: Macht euren Job, aber macht ihn besser!

Ein Appell von Esther Schapira

von Esther Schapira  03.09.2026

Medien

Stephan-Andreas Casdorff ist wieder für den »Tagesspiegel« tätig

Die KI-generierten Meinungstexte von Stephan-Andreas Casdorff im »Tagesspiegel« hatten in der Branche für viel Aufruhr gesorgt. Seit Juni hatte der Ex-Chefredakteur seine Tätigkeit ruhen lassen. Nun kehrt er zurück

von Jana Ballweber  03.09.2026

Henning Lobin, Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS)

Interview

Experte: AfD nutzt Sprachpolitik als »trojanisches Pferd«

Soziales Verhalten wird in der öffentlichen Kommunikation zunehmend durch psychologische Kategorien beschrieben, beobachtet der Sprachforscher Henning Lobin. Er hat sich mit der Sprachpolitik der AfD befasst

von Christine Süß-Demuth  03.09.2026

Frankfurt am Main/Magdeburg

Kann die AfD Staatsverträge zu Medienthemen kündigen?

Die AfD will bei einem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt aus Staatsverträgen aussteigen, die Medienthemen regeln. Dabei müsste die neue Landesregierung jedoch zahlreiche Anforderungen beachten

 03.09.2026

Meinung

Ärmer durch die Wohngeldreform

Bereits heute ist mehr als die Hälfte der jüdischen Zuwanderer im Rentenalter auf Grundsicherung angewiesen. Die Reform drängt ausgerechnet jene dorthin zurück, die es mit eigener Lebensleistung geschafft haben, ihr zu entkommen

von Günter Jek  03.09.2026