Interview

»Wir sind im engen Austausch«

Bundesinnenministerin Nancy Faeser Foto: IMAGO/Political-Moments

Frau Ministerin, Sie haben in Israel in der vergangenen Woche eine Vertiefung der Sicherheitszusammenarbeit beider Länder besprochen. Was konkret wurde vereinbart?
Unsere Sicherheitsbehörden arbeiten sehr eng und vertrauensvoll zusammen. Wir tauschen uns frühzeitig über Gefährdungen aus, insbesondere im Bereich des islamistischen Terrorismus. Wir haben jetzt verabredet, dass wir auch im Bereich der Prävention und der Deradikalisierung zusammenarbeiten.

Welche Kooperationen soll es zukünftig im Bereich der Cybersicherheit geben?
Die Gefahr von Cyberattacken auf den Staat oder auf kritische Infrastrukturen ist hoch. Wir haben daher in Deutschland seit Beginn des verbrecherischen russischen Krieges gegen die Ukraine alle Schutzmaßnahmen massiv hochgefahren. Und wir sind schon seit Jahren mit Israel in einem engen Austausch zur Cybersicherheit. Ich habe das Cyber Directorate besucht. Wir haben verabredet, uns noch enger auszutauschen. Unsere Sicherheitsbehörden sind daran direkt beteiligt.

Sie haben sich auch über Fragen des Bevölkerungsschutzes informiert. Was kann die Bundesrepublik von Israel lernen?
Israel hat – traurigerweise – durch die Terrorgefahr eine ganz andere Erfahrung als wir. Israel verfügt über andere Alarmsysteme, um die Bevölkerung innerhalb kürzester Zeit zu warnen. Wir bereiten uns in Deutschland vor allem auf Naturkatastrophen vor. Aber auch für Cyberattacken, zum Beispiel auf die Energieversorgung, müssen wir uns besser wappnen. Wir führen daher zielgerichtete Warnsysteme ein, mit denen jeder direkt auf dem Handy gewarnt wird. Hier können wir einiges von Israel lernen.

In Jerusalem haben Sie Ihre Sorgen angesichts der massiv steigenden Zahl antisemitischer Straftaten geäußert. Konnten Sie Ihren Gesprächspartnern berichten, dass Sie diesem Phänomen effektiv begegnen?
Ja. Straftaten gegen Jüdinnen und Juden müssen wir mit aller Kraft bekämpfen. Dazu gehört für mich Härte in der Strafverfolgung und viel stärkere Prävention. Für die Täter müssen die Konsequenzen deutlich spürbar sein. Daher haben wir beim Bundeskriminalamt die Gangart gegen Hasskriminalität deutlich verschärft und Plattformen wie Telegram endlich in die Pflicht genommen.

Es soll künftig eine Sensibilisierung für Antisemitismus bei der Aus- und Fortbildung innerhalb der Bundespolizei und dem Bundeskriminalamt geben. Was ist geplant?
Wir wollen schon in der Ausbildung für ein noch stärkeres Bewusstsein für Antisemitismus sorgen. Und wir wollen die Sensibilität gegenüber Betroffenen weiter stärken. Dafür ist unsere künftige Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Yad Vashem von großem Wert. Für ihre Bildungsarbeit ist die Gedenkstätte weltweit hoch anerkannt. Wir werden in der Aus- und Fortbildung zunächst mit einem Online-Pilotprojekt starten. Das bauen wir dann weiter aus, auch mit Besuchen.

Das Interview mit der Bundesinnen­ministerin führte Detlef David Kauschke.

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns Ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026

Düsseldorf

»Kindermörder« und Tritte: Staatsschutz ermittelt nach antisemitischen Angriff

Das Opfer soll zunächst von zwei Frauen angesprochen und israelfeindlich beleidigt worden sein. Wenig später kamen die Angreifer

 24.09.2026

USA

Medien: 15 Jahre Haft für Ex-Hollywood-Mogul Weinstein

Harvey Weinstein war einst ein mächtiger Medienmodul, dann kamen Vorwürfe Dutzender Frauen zu Sexualverbrechen ans Licht. Er sitzt im Gefängnis. Bis heute beschäftigen sich Gerichte mit dem Fall

von Anna Ringle  23.09.2026

Deutschland

»Existenzgefahr für Berlins Juden«

Die Linke macht immer wieder mit Judenhass und Forderungen nach der Auslöschung Israels von sich reden. Der Wahlsieg der Partei veranlasst nun den israelischen Botschafter zu einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme

 23.09.2026

Berlin-Wahl

Klöckners Gretchenfrage: »Wie haltet ihr es mit dem Antisemitismus?«

Die CDU-Politikerin und Bundestagspräsidentin hat SPD und Grüne auf Instagram aufgefordert, in Berlin keine Koalition mit der Linkspartei einzugehen. Ansonsten werde das »Nie wieder« zur Farce

 23.09.2026

Jerusalem/New York

Benjamin Netanjahu: Werde vor UNO die Wahrheit über Mamdani sagen

Israels Ministerpräsident wirft dem New Yorker Bürgermeister Unterstützung der Hamas und Hetze gegen Juden vor

 23.09.2026

Machtgedanke zu verlockend? SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (r.) und Elif Eralp von der Linkspartei bei einer Podiumsdiskussion vor der Wahl

Kommentar

Finaler Tabubruch

Ein persönlicher Appell an die Berliner SPD, sich nicht mit den dunkelroten Judenfeinden von der Linkspartei einzulassen

von Daniel Killy  23.09.2026

Debatte

Außenminister Sa’ar kontert Vorwürfe von Österreichs Bundespräsident Van der Bellen

Sa’ar drehte Van der Bellens Aussage um und fügte hinzu: Kein österreichischer Bürger dürfe für den »Unsinn« seines Präsidenten verantwortlich gemacht werden

 23.09.2026

Solidarität

LED-Truck gegen Judenhass in fünf deutschen Städten

Mit einer bundesweiten Aktion wollen die »Christen an der Seite Israels« rund um den Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober auf Antisemitismus aufmerksam machen

 23.09.2026