Israel

»Wir rücken von gar nichts ab«

Rolf Mützenich, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion Foto: imago stock&people

Israel

»Wir rücken von gar nichts ab«

Rolf Mützenich über Regierungsbildung und unterschiedliche Definitionen von Sicherheit und Völkerrecht

von Detlef David Kauschke  18.04.2019 09:53 Uhr

Herr Mützenich, Sie haben kürzlich in einem Interview Sorge über den Wahlausgang in Israel zum Ausdruck gebracht. Warum?
Weil Premierminister Netanjahu vor einer schwierigen Regierungsbildung steht und das Wahlergebnis befürchten lässt, dass dafür unterschiedliche Koalitionspartner erforderlich sind. Und weil möglicherweise konservative und rechte Kreise Teil der Regierung sein werden, mit weitergehenden Forderungen, als Netanjahu sie im Wahlkampf für den Likud präsentiert hat. Und wir stehen vor der Herausforderung, dass US-Präsident Trump einen Vorschlag für Frieden in Nahost und das Verhältnis zwischen Israel und Palästina vorlegen wird.

Sie sagten, in einer Freundschaft mit Israel seien auch »klare Worte zu sprechen«. An welcher Stelle?
Insbesondere in Bezug auf die Frage der Zweistaatenlösung. Wir sind immer noch der festen Überzeugung, dass das ein Weg sein kann, einen verlässlichen Frieden zu erreichen. Das werden wir auch als Mitglied im UN-Sicherheitsrat deutlich machen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Nils Schmid hat am 14. März im Parlament gesagt, die Bundeskanzlerin habe 2008 »das Existenzrecht Israels« zum Teil der Staatsräson erklärt. Rückt die SPD von Sicherheitszusagen gegenüber Israel ab?
Wir rücken von gar nichts ab. Es geht darum, dass in Israel wirklich eine andere Definition von Sicherheit existiert, als wir das vor dem Hintergrund einer Politik sehen, die auf Kooperation und Koexistenz basiert. Ich kann für die SPD-Bundestagsfraktion und für mich persönlich sagen, dass wir in den kommenden Monaten darauf achten werden, dass das Völkerrecht von allen Seiten beachtet wird.

Sollte es bei Meinungsunterschieden zum Beispiel in Bezug auf die israelische Präsenz auf dem Golan bleiben, ist die Staatsräson dann eine andere?
Es geht nicht darum, das gegeneinander auszuspielen. Das Völkerrecht ist für uns handlungsleitend. Auf dem Golan sind syrische Gebiete bis heute besetzt. Wir sind der Meinung, dass hier eine Friedenslösung gefunden werden muss, die möglicherweise auch territoriale Fragen beinhaltet. Eine einseitige Annexion kann nicht in unserem Interesse sein.

An welcher Stelle haben Sie Ihre Sorge über die am Wochenende in Ramallah erfolgte Regierungsbildung geäußert, die übrigens nicht infolge einer demokratischen Abstimmung vonstattenging? Dort fanden die letzten Wahlen 2006 statt.
Das haben wir schon längst getan, und ich glaube, dass man das nicht gegeneinander ausspielen muss. Aber ich halte das Vorgehen der Palästinensischen Autonomiebehörde, was die Regierungsbildung betrifft, für einen schwierigen Vorgang. Und ich denke, dass wir da ähnliche kritische Punkte sehen.

Mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion sprach Detlef David Kauschke.

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Magdeburg

Was eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt ändern könnte

Von der Kündigung des Rundfunkstaatsvertrages bis hin zur Ängerungen von »Geschichte«-Lehrplänen: Was will die rechtsextremistische Partei im Falle eines Wahlsieges noch?

von Christopher Kissmann  09.07.2026

Frankfurt am Main

Becker fordert Verbot von Pro-Terror-Kundgebung, DIG initiiert Gegendemo

»Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und Gewehren«: Unter diesem Motto ruft eine Gruppierung zu einer Kundgebung auf. Auch die Grünen wollen die Versammlung untersagen

von Imanuel Marcus  09.07.2026

Antisemitismus

Chrupalla-Lob für Möllemann

DIG-Präsident Volker Beck übt heftige Kritik am Co-Chef der AfD

 09.07.2026

Humanitäre Hilfe

Israel weist Berichte über Versorgungsengpässe in Gaza zurück

Einem neuen Bericht zufolge sind seit der Waffenstillstandsvereinbarung vom Oktober 2025 1800 Millionen Tonnen an Lebensmitteln nach Gaza gelangt. Israel sagt, das sei mehr als vor dem Krieg

 09.07.2026

berlin

Strafbefehl gegen Hudhaifa Al-Mashhadani

Der Leiter einer säkularen Arabischschule in Neukölln soll einen Mordanschlag gegen sich erfunden haben

 09.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  09.07.2026

Genf

Bericht: UNESCO ehrte tote Terroristen als »Journalisten« – und korrigierte sich nie

Die UN-Unterorganisation soll die Fakten nie richtiggestellt haben, obwohl die Hamas und die Gruppe Islamischer Dschihad die Mitgliedschaften teils selbst öffentlich gemacht hatten

 09.07.2026

Freudenstadt

Waldorfschule bewarb Theaterstück »Der Geizhals« mit Hakennasen-Mann

In der Schule war niemandem aufgefallen, dass das mittlerweile entfernte Werbeposter eine antisemitische Bildsprache benutzt

 09.07.2026