Meinung

Werte für die Bundeswehr

Michael Wolffsohn Foto: Uwe Steinert

Bravo, Frau von der Leyen! Die Hoffentlich-Bald-Wieder-Verteidigungsministerin macht ernst mit der Werte- und Wissensvermittlung in der Bundeswehr. Nach Häufung vieler rechtsextremistischer Vorkommnisse wartete sie 2017 nicht auf neue »Einzelfälle«, sondern ließ systematisch prüfen.

Gleiches unternahm sie mit Bezug auf Islamisten. Auch sie wurden enttarnt und entlassen. Das vollzog sich zwar leiser als die Prüfung der Rechtsextremisten, aber hoffentlich hat sie alle erwischt. Statt breiter Zustimmung erntete die Ministerin jedoch Zurufe wie »Pauschalvorwürfe«. Davon konnte keine Rede sein, aber manchen ist sie ganz einfach zu konsequent und effizient – was nicht gegen Ursula von der Leyen spricht.

wissensvermittlung Den kurzfristigen Maßnahmen folgen nun langfristige, strukturelle. Historisch-politisches Wissen und Werte sollen in der Bundeswehr intensiver als bisher vermittelt werden, hat von der Leyen verkündet. Dieser Ansatz ist überzeugend. Erstens werden nicht nur etwaige Brände gelöscht, zweitens wird über den Wahltag hinaus gedacht.

Die allgemeine Wehrpflicht ist faktisch abgeschafft. Das bedeutet mehr denn je, dass Bürger, die sich links und mitte-links verorten, kaum noch Soldaten werden. Sie meiden die Bundeswehr als »militaristisch«. Das ist zwar Unsinn, aber die in jenem Milieu gültige Meinung.

extremismen Daraus folgt wenig überraschend, dass in der Bundeswehr deutlich mehr Männer und Frauen mit Mitte-rechts- und Rechtspositionen zu finden sind als sonst. Mitte-Rechts ist kein Problem, rechtsextrem sehr wohl. Ergo ist es sinnvoll und notwendig, demokratische Werte und historisch-politisches Wissen systematisch zu vermitteln, um gegenzusteuern. Das wäre auch ohne eine Bedrohung sinnvoll. Schließlich ist, wer mehr weiß und den Wert demokratischer Werte schätzt, immun gegen Extremismen.

Die in der Bundeswehr geplante Werte- und Wissensvermittlung ist zu begrüßen. Nun ist nur zu hoffen, dass sie in der Realität weniger langweilige Gemeinplätze bietet als die bisher übliche Staatsbürgerkunde.

Der Autor ist Historiker in München.

USA

UN-Vollversammlung prangert mit Resolution Holocaust-Leugnung an

Der von Israel und Deutschland eingebrachte Text wurde einstimmig angenommen

 20.01.2022

Diplomatie

»Iran dreht an der nuklearen Eskalationsspirale«

Außenministerin Baerbock wirft dem Iran vor, die Verhandlungen über das Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe zu unterlaufen

 20.01.2022

Interview

»Der Schutzschirm unserer Gesellschaft ist brüchig«

Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner kritisiert die Art der Aufarbeitung der NS-Zeit und ritualisierte Erinnerungskultur

von Nils Sandrisser  20.01.2022

Holocaust

Baerbock bekräftigt Mitschuld des Auswärtigen

Außenministerin: »Wir werden nie vergessen, was Deutschland ihnen angetan hat«

 20.01.2022

Antisemitismus

Saalverbot für BDS-Bewegung in München nicht zulässig

Bundesverwaltungsgericht: »Beschränkung verletzt das Grundrecht der Meinungsfreiheit«

 20.01.2022

KZ-Gedenkstätten

Felix Klein fordert Pflichtbesuche für Lehrer

Er habe kein Verständnis dafür, dass Lehramtsstudium ohne Berührungspunkt mit Schoa abgeschlossen werden kann

 20.01.2022

Einspruch

Das unbequeme A-Wort

Daniel Killy fordert nach der Geiselnahme in der Synagoge in Texas, Judenhass als Motiv konsequent zu benennen

von Daniel Killy  20.01.2022

Dokumentation

»Scheuen wir Verantwortung nicht«

Anlässlich der Filmpremiere von »Die Wannseekonferenz« mahnt Frank-Walter Steinmeier zum Eintreten für Recht und Mitmenschlichkeit. Die Rede in Auszügen

 20.01.2022

Erinnerung

Holocaust-Überlebende kritisieren Schoa-Vergleiche

Combat Antisemitism Movement (CAM) veröffentlicht einen Bericht zur Trivialisierung des Holocaust im Internet innerhalb der letzten zwei Jahre

 20.01.2022