Antisemitismus

»Was ist bloß los in unserem Land?«

Rabbiner Avichai Apel, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) Foto: Marco Limberg

Nach Vorfällen an zwei Synagogen zeigt sich die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) besorgt. »Was ist bloß los in unserem Land, in dem inzwischen im Wochentakt, wenn nicht kürzer, jüdisches Leben attackiert wird?«, heißt es in einer Stellungnahme vom Wochenende. Zuvor hatte die Berliner Polizei von einem Diebstahl und Beschädigungen an der Synagoge im Stadtteil Schöneberg berichtet. Bereits am Freitag waren Einschusslöcher an der Alten Synagoge in Essen entdeckt worden.

STELLUNGNAHME Die Vorstandsmitglieder der ORD, Rabbiner Avichai Apel (Frankfurt), Zsolt Balla (Leipzig) und Yehuda Pushkin (Stuttgart) schrieben in ihrer Stellungnahme, es gebe eine »nie dagewesene Dichte an Initiativen zur Antisemitismus-Bekämpfung«,. Doch offenbar reiche »das alles nicht aus«. Vielmehr zeige sich ein »besorgniserregender Trend«: Derartige Angriffe nähmen nicht nur zu, sondern geschähen auch in immer kürzeren zeitlichen Abständen. »In einem Teil der Gesellschaft hat sich ein gefährlicher antisemitischer und antiisraelischer Cocktail zusammengebraut.«

Die Rabbinerkonferenz rief zum Einsatz für jüdisches Leben und Religionsfreiheit auf. Als Bürgerinnen und Bürger, die seit vielen Generationen in Deutschland lebten, werde man sich nicht einschüchtern lassen: »Wir bleiben hier, schauen nach vorne und machen weiter.«

In Berlin ermittelt der Staatsschutz wegen Beschädigungen an der Synagoge in Schöneberg. Unbekannte hatten in der Nacht von Freitag auf Samstag die Klingel an der Haustür des dort wohnenden Rabbiners beschädigt, Unrat deponiert und die Mesusa samt Schriftstück entwendet.

In Essen laufen die Ermittlungen wegen Einschusslöchern am Rabbinerhaus der Alten Synagoge weiter. Die Schutzmaßnahmen an den jüdischen Einrichtungen seien verstärkt worden, teilte die Polizei am Samstag mit. Sie würden kontinuierlich überprüft und angepasst.

VIDEOAUFNAHME Der Essener Polizei liegt nach eigenen Angaben eine Videoaufnahme vor, »auf der eine Person bei einer Schussabgabe zu erkennen sein könnte«. Wegen schlechter Aufnahmequalität konnten bislang keine genaueren Angaben gemacht werden. In den Räumlichkeiten der Alten Synagoge befindet sich heute das Haus der jüdischen Kultur mit einer Dauerausstellung. Im Rabbinerhaus ist das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte der Universität Duisburg-Essen untergebracht.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte nach Bekanntwerden des Vorfalls in Essen von einem »Angriff auf unsere gemeinsamen Werte« gesprochen. Auch Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) zeigte sich »entsetzt über diesen neuerlichen Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland«. kna/epd

Washington D.C.

Bericht: Trump-Regierung prüft Asyl für britische Juden

Großbritannien sei »kein sicherer Ort mehr für Juden«, sagt Donald Trumps persönlicher Anwalt Robert Garson gegenüber »The Telegraph«

 19.01.2026

Proteste im Iran

USA verstärken Militärpräsenz im Nahen Osten

Ein Schlag gegen das Mullah-Regime steht für Washington weiterhin im Raum

 19.01.2026

Miami

Pam Bondi kündigt hartes Vorgehen gegen Antisemitismus an

»Die Zeiten, in denen Juden schikaniert werden konnten, sind vorbei«, sagt die amerikanische Justizministerin

 19.01.2026

Teheran

Hacker kapern iranisches Fernsehen, senden Erklärung von Reza Pahlavi

»Euch bleibt nicht mehr viel Zeit. Schließt euch so schnell wie möglich dem Volk an«, sagt der Kronprinz Angehörigen des Militärs

 19.01.2026

Berlin

Senat warnt: Verfassungsfeinde erreichen mit israelfeindlichen Posts auch Heranwachsende

Es geht auch um »verfassungsrelevante« Propaganda israelfeindlicher Linksextremisten und Islamisten, so die Senatsinnenverwaltung

 19.01.2026

Kunstakademie Düsseldorf

Jüdische Organisationen verlangen Absage von Veranstaltung mit Terror-Unterstützerin

Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender und die WerteInitiative schließen sich der Forderung der CDU in NRW an

 18.01.2026

Nahost

Staatschefs zum »Gaza-Friedensrat« eingeladen

Der »Friedensrat« ist Teil der zweiten Phase von Trumps Friedensplan für Gaza

 17.01.2026

Gespräch

»Ich fühle mich alleingelassen«

Sonja Bohl-Dencker über die Ermordung ihrer Tochter durch die Hamas, den Umgang Deutschlands mit dem 7. Oktober und ihren Wunsch, dass Carolin nicht vergessen wird

von Mirko Freitag  16.01.2026

Nahost

IDF reagieren auf Angriffe mit Gegenschlägen in Gaza

Kommandeure der Terrororganisationen Hamas und Palästinensischer Islamischer Dschihad wurden nach den Angriffen ins Visier genommen

 16.01.2026