USA

Was Donald Trumps zweite Präsidentschaft für Israel bedeutet

Tritt am 20. Januar sein Amt als 47. US-Präsident an: Donald Trump Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Israel erfüllt viele Kriterien, die Donald Trump an seine bevorzugten Partner stellt: Es verfügt über effektive Streitkräfte und kämpft seine eigenen Schlachten. Die USA müssen für die Zusammenarbeit mit Israel kaum militärisches Personal zur Verfügung stellen.

Zudem haben beide Seiten ein Interesse daran, sich dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) entgegenzustellen. Offizielle aus dem Trump-Lager haben als Reaktion auf die Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu und Yoav Gallant dem IStGH bereits schwere Sanktionen angedroht. Der Grund ist einfach: Sie betrachten die Haftbefehle auch als Bedrohung für die internationale Handlungsfähigkeit der USA.

Im Gegensatz zu Joe Biden ist Trumps Unterstützung für Israel allerdings weder moralisch noch ideologisch fundiert. Trump verfolgt einen transaktionalen Ansatz. Während seiner ersten Amtszeit unterstützte er Israel hauptsächlich in Form symbolischer Maßnahmen, die vor allem seine evangelikalen Wähler entzückten. Ein Beispiel war die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Da Trump nicht erneut zur Wahl antreten kann, dürfte sein Bedürfnis, die Basis zufriedenzustellen, gesunken sein. Zwar gibt es in Trumps Umfeld nach wie vor eingefleischte Israel-Anhänger. Doch werden sie nur so viel Einfluss haben, wie der Präsident ihnen gewährt.

Zur Not auch im Alleingang

Grundsätzlich wird die Trump-Regierung eher bereit sein, militärische Gewalt einzusetzen – zur Not auch im Alleingang. Um zivile Opfer und humanitäre Kosten von Kriegen dürfte man sich weniger Gedanken machen. Die Trump-Regierung wird wahrscheinlich auch nicht an einem Strang ziehen, was das Engagement Amerikas für seine Verbündeten anbelangt.

Einige der wichtigsten von Trump ernannten Minister glauben fest an starke Allianzen, basierend auf amerikanischer Führung. Der künftige Präsident selbst hat dagegen eher isolationistische Instinkte. Er würde sich am liebsten auf die Verteidigung des Heimatlandes konzentrieren. Diese Differenzen zwischen Trump und seinen engsten Beratern könnten Auswirkungen auf Israel und den Nahen Osten haben.

Trump wird eher bereit sein, militärische Gewalt einzusetzen – zur Not auch im Alleingang.

Und wie wird Trump künftig gegenüber dem Iran und seinem Atomwaffenprogramm auftreten? Man darf auf jeden Fall mit sehr viel härteren Sanktionen rechnen und mit einer militärischen Reaktion im Fall von iranischen Angriffen auf US-Ziele. Gleichwohl dürfte für den Isolationisten Trump die iranische Bedrohung für die Verbündeten in der Region nicht oberste Priorität sein. Trump ist auch nicht an einem Regimewechsel in Teheran interessiert. Er betrachtet solche Vorhaben als Ursache für die »ewigen Kriege«. Die, so hat er geschworen, sollen bald der Vergangenheit angehören.

Das unmittelbare Ziel in Bezug auf die Atomfrage dürfte sein, ein besseres Abkommen mit dem Iran auszuhandeln. Allerdings ist Trump wahrscheinlich auch bereit, Gewalt anzuwenden, falls diese Verhandlungen scheitern. Sollte die Islamische Republik in den Besitz von Atomwaffen und Langstreckenraketen kommen, wäre dies auch eine Bedrohung für Amerika. Aus diesem Grund könnten sich die USA an einem israelischen Militärschlag beteiligen. Israels erfolgreicher Schlag gegen die iranische Luftabwehr hat die Chancen eines solchen Vorgehens verbessert.

Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien

Schließlich stellt sich die Frage nach der Zukunft der Abraham-Abkommen. Eine Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien könnte eine engere Sicherheitszusammenarbeit zwischen Israel und seinen neuen Verbündeten am Persischen Golf ermöglichen. Für Trump ist dies eine attraktive Option. Denn je mehr die Verbündeten vor Ort selbst tun können, desto weniger müssen die USA leisten. Eine Vereinbarung mit Riad bräuchte jedoch, um dauerhaft funktionieren zu können, amerikanische Führung.

Um die Saudis dazu zu bringen, den Geist der Abraham-Abkommen wiederzubeleben, wird Trump Israel dazu bewegen müssen, der Schaffung eines palästinensischen Staates zuzustimmen. Hinzu kommt: Für einen Vertrag, der die Sicherheit Saudi-Arabiens garantiert, bräuchte Trump wohl die Unterstützung der Demokraten im Senat. Die würden im Gegenzug Fortschritte bei einer Zweistaatenlösung einfordern und sich damit möglicherweise den Widerstand der rechtsgerichteten israelischen Regierung einhandeln, welche die Annexion der Gebiete anstrebt.

In diesem Fall würde Trump wahrscheinlich Druck auf die Seite ausüben, die seiner Meinung nach seine persönlichen Ambitionen blockiert. Das wiederum könnte Benjamin Netanjahu die eine oder andere schlaflose Nacht einbringen. Es gilt die alte Weisheit von Diplomaten, die mit Israel vertraut sind: Alles ist möglich in Nahost – und auch das Gegenteil.

Der Autor ist Leiter der Abteilung für politische Studien an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan bei Tel Aviv.

Prozess

Mutmaßlicher Block-Entführer wollte wie James Bond sein

Er war Model und Fitnesstrainer, da erhielt er ein Angebot, von dem er sich geehrt fühlte: Er solle zwei Kinder der Familie Block retten, berichtet ein Zeuge. Seine Geschichte klingt wie ein Thriller

von Stephanie Lettgen  08.07.2026

Tel Aviv/Neapel

Israelische Touristin storniert Hotel in Italien nach BDS-Nachricht

Das Hotel Decumani Hotel De Charme verschickt E-Mails, in der es heißt, es unterstütze die Kampagne ›No Room for Genocide‹ der antisemitischen BDS-Kampagne

 08.07.2026

Krieg

Trump kündigt weitere Angriffe auf Iran an

In der Nacht zum Mittwoch hat das US-Militär Ziele im Iran bombardiert. Nach Aussage von US-Präsident Trump könnten weitere Angriffe folgen

 08.07.2026

Einspruch

Die Hitze spüren

Mascha Malburg empfindet die jüngsten Temperaturrekorde als Mahnung, die Schöpfung zu bewahren

von Mascha Malburg  08.07.2026

Meinung

Das Wiener Lueger-Denkmal muss weg!

Die Performance des jüdischen Künstlers Alon Ishay hat eine neue Debatte über den Umgang der österreichischen Hauptstadt mit ihrer antisemitischen Geschichte angestoßen

von Tobias Kühn  08.07.2026

Nahost

Bericht: Neue Angriffe im Süden des Libanon

Laut libanesischen Medien flog Israels Luftwaffe erneut Angriffe auf Ziele im Süden des Landes. Nach einem Schusswechsel dort meldet die israelische Armee den Tod eines Hisbollah-Terroristen

 08.07.2026

Fußball-Weltmeisterschaft

Die Wut der Pharaonen

Ägypten sucht nach der knappen Niederlage gegen Titelverteidiger Argentinien nach Schuldigen - und Trainer Hossam Hassan spuckt beim Anblick einer Israel-Flagge aus

von Michael Thaidigsmann  08.07.2026

Ankara

Trump: Waffenruhe ist aus meiner Sicht beendet

Die jüngste Eskalation führt offenbar zum Bruch der Vereinbarung

 08.07.2026 Aktualisiert

Hamburg/Ankara

Wadephul: Iran muss jetzt endlich vernünftig verhandeln

Im dauereskalierenden Konflikt mit dem Iran betrachtet der Bundesaußenminister das Verhandlungsfenster noch nicht als geschlossen. Dafür brauche es aber klare Zugeständnisse Teherans, fordert er

 08.07.2026