Der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann, hat sein Amt im Aufsichtsrat einer Tochterfirma des Hessischen Rundfunks (HR), der hr werbung GmbH, niedergelegt. Der Hessische Rundfunk habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg »auf jüdische Kosten bereichert«, warf Neumann auf der Internetseite des Landesverbands dem Sender vor. Der HR habe der jüdischen Loge B’nai B’rith für deren enteignete Grundstücke an der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt am Main eine zu geringe Entschädigung gezahlt. Dies zeigten vorliegende Dokumente.
Das Magazin »Der Spiegel« hatte zuerst über die Vorwürfe von B’nai B’rith und die Amtsniederlegung Neumanns berichtet. Laut dem Bericht fiel die Entschädigungszahlung der Rundfunkanstalt in Höhe von 162.000 Mark für in der NS-Zeit enteignete Grundstücke der Loge in Frankfurt am Main 1952 unter Umständen zu niedrig aus. So soll ein Wertgutachter aus der Gesamtfläche des Logenareals von 4.730 Quadratmetern rund 2.000 Quadratmeter herausgerechnet haben.
Neumann kritisierte, der HR zeige eine »mangelnde Bereitschaft, sich der historischen und moralischen Verantwortung zu stellen«.
Neumann ist auch Mitglied im Präsidium des Zentralrats der Juden. Er war von 2013 bis 2024 Mitglied des HR-Rundfunkrats.
HR weist Vorwürfe zurück
Der HR wies die Kritik am Dienstag erneut zurück. Vorliegende Dokumente belegten nicht, dass der HR 1952 die Entschädigungssumme für das gesamte Grundstück bewusst gesenkt habe.
Seit Bekanntwerden der Vorwürfe 2024 habe der Sender die Aufarbeitung der Vorgänge in der Nachkriegszeit begonnen, zahlreiche Gespräche geführt und eine wissenschaftliche Untersuchung der Gründungsgeschichte des HR beauftragt. Noch seien aber nicht alle historischen Unterlagen zugänglich. »Sollte die Untersuchung zu neuen Erkenntnissen führen, wird der hr daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen«, versprach der Sender. epd