Rheinland-Pfalz

Volker Beck kritisiert Verträge mit Islam-Verbänden

DIG-Präsident Volker Beck Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

An den am Freitag geschlossenen Verträgen des Landes Rheinland-Pfalz mit mehreren Islam-Verbänden gibt es Kritik. Die Unterzeichnung sei ein falsches Signal und belohne nicht-demokratische Haltungen, teilte die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Berlin mit. Ditib Rheinland-Pfalz, Schura Rheinland-Pfalz - Landesverband der Muslime, der Landesverband der Islamischen Kulturzentren Rheinland-Pfalz und Ahmadiyya Muslim Jamaat sind seit Freitag Vertragspartner des Bundeslandes.

Ein vollständiges Versagen bei der Bekämpfung von Antisemitismus und Israel-Hass nach dem Angriff der Hamas-Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 wirft die Deutsch-Israelische Gesellschaft den von ihr kritisierten Verbänden vor. In der Folge war es auch in Deutschland zu antisemitischen Aktionen gekommen. »Auf lokale Skandale in Moscheegemeinden oder durch einzelne Imame wurde keine klare geistige Orientierung geboten«, erklärte der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck.

Religionsverfassungsrecht gefährdet?
Es sei richtig, die Muslime in religiösen Angelegenheiten wie Seelsorge, Bestattungen oder im Religionsunterricht gleich zu behandeln. Dabei dürften jedoch keine Verbände aufgewertet werden, die von ausländischen Parteien oder Behörden gesteuert würden. Dies gefährde das Religionsverfassungsrecht des Grundgesetzes.

Als Meilenstein für die Zusammenarbeit bezeichneten Ministerpräsident Alexander Schweitzer und der für Religionsangelegenheiten zuständige Landesminister Clemens Hoch (beide SPD) laut vorab verbreiteter Mitteilung die Vertragsunterzeichnung.

»Beide Seiten verpflichten sich, das Miteinander und die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen in Rheinland-Pfalz zu fördern und jeglicher Form von Diskriminierung entschlossen entgegenzutreten«, betonten Schweitzer und Hoch.

Dazu gehöre insbesondere der entschiedene Kampf gegen antimuslimischen Rassismus, Antisemitismus und religiösen Extremismus. Die Verträge seien ein Zeichen der Anerkennung und Gleichbehandlung. Für die islamische Religionsgemeinschaft Ditib sprach der Landesvorsitzende Cihan Sen von einer Stärkung der Muslime in ihrem Engagement für die Gesellschaft.

Islamische Theologie an Universität
Der Vorsitzende der Kulturzentren, Erhan Gürliyen, sagte, dies sei ein historischer Tag. Für Schura sprach der Vorsitzende Akif Ünal davon, dass die Religionsgemeinschaften ein geschätzter Bestandteil der Gesellschaft seien. Der Bundesvorsitzende von Ahmadiyya Muslim Jamaat, Abdullah Wagishauser, betone den Willen, Angelegenheiten von Muslimen gemeinsam, einvernehmlich und auf Augenhöhe zu regeln.

Die vier Verträge enthalten laut Mitteilung unter anderem Regelungen zum Umgang mit islamischen Feiertagen und zum islamischen Religionsunterricht - in Verantwortung der Islam-Verbände unter staatlicher Aufsicht und in deutscher Sprache durch studierte Lehrkräfte. An der Universität Koblenz soll der Aufbau einer Islamischen Theologie stattfinden.

Die Verträge beinhalten demnach zudem auch eine »Freundschaftsklausel«, eine Vereinbarung der Evaluation und Kündigungsmöglichkeiten. Die Initiative zu Verhandlungen mit den Islam-Verbänden fiel laut einer Sprecherin noch in die Regierungszeit des früheren Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD). kna

Debatte

UN-Experten rügen Umgang mit Epstein-Akten

Der Fall Epstein setzt US-Behörden unter Druck: Teils wurden Namen von Opfern veröffentlicht, teils Ermittlungen unterlassen. Aus Sicht von UN-Sachverständigen steht die Glaubwürdigkeit von Regierungen auf dem Spiel

 16.02.2026

Karneval

Gegen Judenhass in de Bütt gestiegen - diesen Redner muss man lieben

Bei der Mainzer Fastnacht hält »Till« eine bemerkenswerte Rede über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Eine Wohltat für den sonst so schrecklich unpolitischen Karneval

von Martin Krauß  16.02.2026

Erfurt

Scharfe Kritik an Termin für AfD-Parteitag in Erfurt

Die AfD will ihren Bundesparteitag im Juli in Erfurt abhalten. Die Wahl des Termins ruft Kritiker auf den Plan. Genau 100 Jahre zuvor fand in Weimar ein NSDAP-Parteitag statt

 16.02.2026

Nahost

Analyse: Iran repariert Raketenanlagen schneller als Nuklearzentren

Während mehrere beschädigte Raketenstandorte offenbar zügig instand gesetzt wurden, kommen die Arbeiten an zentralen Nuklearanlagen deutlich langsamer voran

 16.02.2026

Paris

Epstein-Affäre: Durchsuchung nach Ermittlung gegen Jack Lang

Es geht um Verdacht auf Geldwäsche und Steuerbetrug. Wie tief ist Frankreichs Kultur-Ikone verstrickt?

 16.02.2026

Bosnien-Herzegowina

Jüdischer Protest gegen rechtsextrexmen Sänger Thompson

Vergangenes Jahr hatte der kroatische Sänger Thompson mit einem Megakonzert in Zagreb einen Zuschauerrekord gebrochen. Bekannt ist er für rechtsnationalistische Auftritte. Jetzt provoziert er erneut

von Markus Schönherr  16.02.2026

Madrid

Museum wirft israelische Besucherinnen raus

Drei ältere Touristinnen werden von Besuchern bepöbelt, weil sie Davidsterne und eine israelische Fahne tragen. Doch statt ihnen zu helfen, setzt das Museum sie vor die Tür

 16.02.2026

Diskussionsveranstaltung

Francesca Albanese soll in Berlin auftreten, Absage gefordert

Es könne nicht sein, dass die Senatsverwaltung für Kultur durch die Förderung des Veranstaltungsortes ermögliche, dass antisemitische Veranstaltungen durch Steuergelder finanziert würden, so die Organisation »Gegen jeden Antisemitismus«

von Imanuel Marcus  16.02.2026

Atomprogramm

Iran: Nächste Verhandlungsrunde mit den USA in Genf

US-Präsident Donald Trump fordert vom Teheraner Regime, sein Atomprogramm zu beenden. Doch die iranische Regierung ist nur zu Zugeständnissen bereit

 16.02.2026