EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 55 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Interview

»Verzerrte Wahrnehmung«

Simone Lässig Foto: Gregor Zielke

Frau Lässig, in dieser Woche hat die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission ihre Empfehlungen vorgestellt. Warum besteht überhaupt Handlungsbedarf?
Deutsche Schulbücher bemühen sich grundsätzlich um eine ausgewogene Darstellung Israels und des Nahostkonflikts. Was wir problematisch finden, ist, dass Israel fast nur im Zusammenhang mit Konflikten vorkommt. Der Nahostkonflikt bietet häufig die einzige Erwähnung des Staates Israel überhaupt. Diese Verkürzung führt ungewollt zu verzerrten Wahrnehmungen.

An welchen Beispielen zeigt sich das?
Oft gibt es einen relativ unreflektierten Bildgebrauch, bei dem emotionalisierende Bilder des Nahostkonflikts aus den Massenmedien in die Schulbücher übernommen werden. Bei einem ohnehin schon emotional aufgeladenen Thema ist das ganz besonders problematisch. Auch gibt es teilweise polarisierende Sprache. Mit Überschriften wie »Krisenherd Nahost«, »Hass zwischen den Völkern« oder »Israel: Krieg ohne Ende?« tragen die Autoren – sicherlich unbewusst – dazu bei, eine bestimmte Wahrnehmung Israels zu verfestigen.

Was fehlt in der Darstellung?
Es werden viel zu wenig andere Themen dargestellt, die erklären, wie Israel sich entwickelt hat und wie es heute aussieht – etwa demokratische Institutionen und Werte, soziale Bewegungen des 20. Jahrhunderts, etwa die Kibbuzbewegung, oder die Vorgeschichte Israels und des Zionismus. Man könnte auch auf Israel Bezug nehmen beim Thema Vergangenheitsbewältigung oder im Zusammenhang mit Globalisierung, Terror-Herausforderungen, neuen Technologien, demografischen Herausforderungen. All dies geschieht in der Regel wenig oder gar nicht. Auch über die Verbindung zur deutschen Geschichte und zur Schoa erfahren Schüler kaum etwas. Wenn Schüler nicht lernen, wie wichtig die Auswanderung nach Palästina als sicherer Hafen war, verstehen sie vieles an dem heutigen Konflikt auch nicht.

Woran liegt diese verkürzte Darstellung?

Zum einen ist es sicherlich der Zwang zur Reduktion. Themen werden exemplarisch behandelt, und man kann keine großen zusätzlichen Kapitel zu Israel integrieren, ohne den Rahmen zu sprengen. Zum anderen liegt das Thema vielleicht auch nicht unbedingt auf dem Wissensradar vieler Schulbuchautoren.

Wie lauten Ihre Verbesserungsvorschläge?

Man muss den Schulbuchautoren Angebote machen, bei welchen Themen es sinnvoll wäre, sie auch einmal am Beispiel Israels zu erörtern. Wir wollen die Versäumnisse der letzten Kommission vor 30 Jahren nicht wiederholen, die sehr engagiert war, aber mit den Empfehlungen ihre Arbeit eingestellt hat. Dieser analytischen und Empfehlungsphase sollte sich eine praktisch orientierte Phase anschließen, in der wir Workshops für Schulbuchautoren, Verlagsvertreter, Vertreter der Ministerien, die die Lehrpläne entwerfen, und Lehrer anbieten. Auch wollen wir Materialien erarbeiten und online bereitstellen, die von Lehrern und Autoren als Baukasten genutzt werden können.

Mit der Direktorin des Georg-Eckert-Instituts sprach Ingo Way.

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis für sich

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Debatte

Linke vertagt Entscheidung um Vanessa Emde

Die Berliner Linke ringt seit Wochen um den richtigen Umgang mit einer israelfeindlichen Abgeordneten. Nach einer Fraktionssitzung wurde wieder keine Lösung präsentiert

 27.10.2026

Berlin

Volker Beck zur Wahl: Regierungswechsel wäre gut für Israel

Der Urnengang entscheidet über die politische Zukunft von Benjamin Netanjahu. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft argumentiert, der Regierungschef habe viel Vertrauen verspielt

 27.10.2026

Beate Zschäpe im Jahr 2021 in ihrem Prozess

Rechtsextremismus

Gericht: NSU-Terroristin Zschäpe soll bis mindestens 2035 in Haft bleiben

Beate Zschäpe wollte vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Das Gericht sagt Nein. Doch die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig

von Christoph Trost  27.10.2026

Berlin

Medienberichte über Israel auf dem Prüfstand

Wie weit klaffen Berichterstattung und Realität auseinander? Darüber ist am Freitag ist ein ganztägiger »Fachaustausch« an der Technischen Universität geplant

 27.10.2026

Ron Prosor

Interview

Ron Prosor: »Der linke Antisemitismus ist der gefährlichste«

Israels Botschafter in Deutschland über Brandmauern gegen Antisemitismus, die Regierungsbildung in Berlin und die Wahlen in Israel

von Bernward Loheide  27.10.2026

Teheran

Irans Generation Z kämpft um ihre Zukunft

Sie sind 17, sprechen über Krieg und denken ans Auswandern. Darja und Negin gehören zu einer Generation, die den Iran verändert, aber an der eigenen Zukunft dort zweifelt

von Arne Bänsch  27.10.2026

Dementi

Trump bestreitet Gespräche über weitere Wahlempfehlung für Netanjahu

Hat Israels Ministerpräsident den amerikanischen Präsidenten um mehr Unterstützung im Wahlkampf gebeten oder nicht?

 27.10.2026