AfD

»Verharmlosung antisemitischer Positionen«

Luftaufnahme des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald in Weimar Foto: dpa

Nach einem Gespräch mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Brandner hat der Direktor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, weitere Gespräche dieser Art ausgeschlossen.

»Die AfD hatte jetzt ihre Chance«, sagte Knigge am Samstag. »Sie hat sie vertan.« Die Rechtspopulisten seien eine Partei, »die dieses Land übernehmen und komplett umkrempeln« wolle, betonte Knigge. Ihr Ziel sei, »das klare Bewusstsein über die Entstehungsgeschichte des Nationalsozialismus zu verschleiern«. Wer dies verstehe, könne auch »die braunen Flecken auf dem angeblich weißen Hemd der AfD« erkennen.

hausverbot Brandner habe sich bei dem Gespräch am vergangenen Mittwoch »explizit hinter Björn Höckes Positionen gestellt« und bestritten, dass es Geschichtsrevisionismus in der AfD gebe, berichtete Knigge. Der thüringische AfD-Fraktionsvorsitzende Höcke hatte unter anderem eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungspolitik gefordert und hat in Buchenwald Hausverbot bei Gedenkveranstaltungen.

Ziel des Gesprächs sei ohnehin gewesen, den Abgeordneten und die Politik seiner Partei zu entlarven, sagte Knigge. Dies sei auch gelungen. Die Chance, für eine Klärung der Vorwürfe geschichtsrevisionistischer und antidemokratischer Positionen in der AfD und einer wiederholten Öffnung der Partei »für das rechtsextreme Feld« zu sorgen, habe Brandner verspielt. Ein sachliches und inhaltliches Gespräch über die Gedenkstättenarbeit sei nicht möglich gewesen.

Die Gedenkstätte werde nun dort weitermachen, woran sie seit 20 Jahren arbeite, betonte Knigge: »Wir machen keine sentimentale Erinnerungsarbeit und gucken nicht nur auf die Welt hinter dem Stacheldraht, sondern fragen auch, was für eine Politik und Gesellschaft dahintersteht.«

interessen Es sei wichtig, »sich nicht nur im luftleeren Raum mit dem Leid der Opfer zu identifizieren, sondern sich klarzumachen, mit welchen politischen Mitteln und Interessen Gesellschaftsverbrechen fabriziert werden«, betonte der Historiker. »Opfer und Täter fallen nicht vom Himmel und sind auch nicht naturgegeben.«

Bereits am Tag nach dem Besuch des AfD-Politikers in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald hatte Knigge scharfe Kritik geübt. »Herr Brandner hat die völkisch-rassistischen, antisemitischen und antidemokratischen Positionen in der Partei grundsätzlich bagatellisiert und verharmlost. Er hat jegliche Klärung dieser Themen verweigert.«

Das Treffen sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen, führte Knigge weiter aus. »Wir hatten Herrn Brandner vorab ja sehr klare Fragen geschickt. Fragen, wie er zu Positionen steht, die offen geschichtsrevisionistisch sind. Etwa zu Gaulands ›Vogelschiss‹-Aussage oder zu Björn Höckes Absicht einer Umwertung der ganzen Erinnerungskultur. Oder dazu, dass Brandner selbst zwei Mitarbeiter in der thüringischen Landtagsfraktion beschäftigt hat, die ins rechtsextreme Burschenschaftsfeld gehören«, erklärte der Direktor der Gedenkstätten-Stiftung Buchenwald. Gekommen seien aber keine Antworten, sondern bloß relativierende und abstreitenden Einlassungen.

Knigges Fazit: »Die AfD trägt einerseits zur Normalisierung von antidemokratischen Positionen bei, ersetzt historisches Wissen durch abstruse Geschichtsbilder und wilde Meinungen, die dann angeblich auch keiner historisch unterlegten Forschung bedürfen. Und vernebelt andererseits, in welch übler und gefährlicher Tradition man steht.« epd/ja

Washington D.C.

Trump attackiert Merz: »Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!«

Der US-Präsident ist verärgert über die Kritik des Bundeskanzlers am Iran-Krieg

 28.04.2026

Nahost

Verdrehte Moral

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  28.04.2026 Aktualisiert

Offener Brief

Schramm warnt vor Rechtsruck in Sachsen-Anhalt

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen warnt vor wachsendem Nationalismus und einem möglichen Rechtsruck in Sachsen-Anhalt. Die AfD lehnt er klar ab und bezeichnet sie als »nicht wählbar«

 28.04.2026

Kommentar

Antisemitismus und Israelfeindlichkeit werden die SPD nicht retten

Die Sozialdemokraten sollten sich nicht an Zohran Mamdani oder Pedro Sánchez orientieren, sondern an einer alten Wahrheit von Bill Clinton

von Stefan Laurin  28.04.2026

New York

Wadephul auf Werbetour bei den Vereinten Nationen

Der deutsche Außenminister führt angesichts der Kriege im Iran und der Ukraine Gespräche bei der UNO. Es geht aber auch um eine für Deutschland wichtige Wahl Anfang Juni

von Jörg Blank, Anne Pollmann  28.04.2026

Toronto

Angriff vor Synagoge, Judaica-Geschäft beschädigt

Ein Gemeindemitglied wird geschlagen, ein Judaica-Geschäft beschädigt

 28.04.2026

Hamburg

Ausstellung zeigt Arbeiten an Ruine des Israelitischen Tempels

Die Finanzbehörde der Hansestadt will das bedeutende Kulturdenkmal dauerhaft erhalten und öffentlich zugänglich machen

 28.04.2026

Berlin

Festakt zur Umbenennung in Margot-Friedländer-Platz

Der Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses wird zum 7. Mai umbenannt

 28.04.2026

Terror

Verfassungsschutz warnt vor Gefahr durch proiranische Extremisten in Europa

Politiker schlagen Alarm. Konstantin von Notz von den Grünen spricht von einer »neuen Dimension der Bedrohung«

 28.04.2026