Nachrichten

Verfassungsschutzbericht, Thüringen, NS-Zwangsarbeit

Das Bundesamt für Verfassungsschutz Foto: dpa

Verfassungsschutzbericht
Der Verfassungsschutz erkennt bei einigen Vertretern der sogenannten Neuen Rechten und des Rechtsaußen-Flügels der AfD antisemitische Denkmuster. Als »Neue Rechte« bezeichnet der Verfassungsschutz ein informelles Netzwerk, in dem rechtsextremistische bis rechtskonservative Kräfte verortet werden. Dazu zählt der Inlandsgeheimdienst beispielsweise das »Compact«-Magazin und das Institut des Verlegers Götz Kubitschek, das Verbindungen zum rechtsnationalen AfD-Flügel pflegt. In einem am Montag veröffentlichten Lagebild der Behörde zu Antisemitismus in Deutschland heißt es: »Das eine Lager verteidigt das Existenzrecht Israels, die israelische Außen- und Sicherheitspolitik und sieht sich zudem in einer christlich-jüdischen Tradition stehend, die es etwa in erster Linie gegen den (politischen) Islam zu verteidigen gelte.« Das andere Lager innerhalb der Neuen Rechten sei dagegen »antiimperialistisch« und israelfeindlich. Diese Menschen und Gruppierungen sähen den ideologischen Hauptfeind stärker im Liberalismus als im Islamismus. dpa

Neonazis in Thüringen
Der Chef des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, warnt vor einer zunehmenden Gewaltbereitschaft von Neonazis in Städten. »Es wäre ein grober Irrtum zu glauben, dass Neonazis in Thüringen nur in den ländlichen Regionen anzutreffen sind«, sagte Kramer am Montag der »Welt«. Auf dem Land registriere seine Behörde zwar seit Längerem, dass Rechtsextremisten versuchen, »sich über Siedlungs- und Wohnprojekte auszubreiten. Aber wir haben auch in einer Wohnsiedlung im Südosten von Erfurt seit Jahren einen Ableger des sogenannten Dritten Wegs, einer rechtsextremen Ortsteilvereinigung, die sehr radikal aufgetreten ist«, sagte Kramer. »Bei deren Anhängern verzeichnen wir eine hohe Gewaltbereitschaft.« In Erfurt hätten Neonazis demokratische Kommunalpolitiker wiederholt massiv eingeschüchtert. Dass Rechtsextremisten kürzlich direkt vor der Thüringer Staatskanzlei einen Angriff verübt haben, sieht Kramer als eine neue Qualität. Das zeige, wie enthemmt in der Szene inzwischen vorgegangen werde. Die Häufung von Straftaten in Thüringen mit rechtem Hintergrund führt Kramer auf jahrelange Versäumnisse zurück. »Es ist ja kein Geheimnis, dass die Umtriebe von Neonazis hier bis vor wenigen Jahren zwar beschrieben und beschrien wurden, auf diese Szene aber so gut wie kein Druck ausgeübt wurde«, sagte er. In der Thüringer Bevölkerung gebe es einen positiven Resonanzboden für diese Leute, den man nicht leugnen dürfe, sagte Kramer. Zwar gebe es vielerorts Gegenbewegungen. Aber manche Bürger hätten diese Auftritte geduldet, andere das Treiben von Neonazis sogar offen begrüßt. epd

Aufarbeitung NS-Zwangsarbeit
20 Jahre nach Gründung der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« (EVZ) sieht das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin noch zahlreiche blinde Flecken bei der Aufarbeitung. »Die Geschichte des Zwangsarbeitseinsatzes bei wichtigen Unternehmen wie der Reichsbahn oder Siemens ist noch zu wenig erforscht«, sagte die Leiterin des Dokumentationszentrums, Christine Glauning. Das Gesetz zur Gründung der Stiftung EVZ trat am 12. August 2000 in Kraft. Vorangegangen waren jahrelange Verhandlungen auf internationaler Ebene und mit deutschen Unternehmen. Ziel der Stiftung war eine »humanitäre Geste« an noch lebende ehemalige Zwangsarbeiter aus der NS-Zeit in Form von Geldzahlungen sowie Bildungs- und Erinnerungsarbeit. Themen, die noch tiefergehender Recherchen bedürfen, seien etwa der Widerstand von Zwangsarbeitern, das Verhalten der Deutschen gegenüber den Millionen von zwangsverschleppten Menschen sowie das Schicksal der rund 250.000 in die KZs überstellten, oft ermordeten Zwangsarbeiter. »Leider gibt es zu wenig systematische Forschung an den Universitäten: Wünschenswert wäre eine Professur, die sich kontinuierlich der Geschichte der NS-Zwangsarbeit als allgegenwärtigem Massenphänomen im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten widmet«, sagte Glauning. Auch Forschungsfragen und die Erschließung wichtiger Quellenbestände in Osteuropa wären wichtig. Zudem sollten die »verbleibenden Stimmen von Überlebenden« gesichert werden. epd/ja

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Nahost

Julia Klöckner besucht Gazastreifen

Im Oktober 2025 ist das Waffenstillstandsabkommen in Kraft getreten. Nun besucht die Bundestagspräsidentin den von Israel kontrollierten Teil des Gebiets

 12.02.2026

Karlsruhe

Klage gegen Rüstungsexport für Israel scheitert vor Bundesverfassungsgericht

Waffenlieferungen nach Israel lösten in den letzten Jahren schon einige Debatten aus. Ein Palästinenser hat vor dem Bundesverfassungsgericht dagegen geklagt. Karlsruhe hat sich nun geäußert

 12.02.2026

Washington D.C.

Opfer-Namen in Epstein-Akten: US-Ministerin räumt Fehler ein

Es hagelt Kritik am Umgang der Trump-Regierung mit den Epstein-Akten. Nun bezieht Justizministerin Pam Bondi Stellung

 12.02.2026

Paris

Frankreich fordert Rücktritt von Francesca Albanese

Außenminister Jean-Noël Barrot wirft ihr vor, mit jüngsten Äußerungen rote Linien überschritten zu haben

 12.02.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon erwägt Verlegung eines weiteren US-Flugzeugträgers in den Nahen Osten

Die USS George H.W. Bush könnte kurzfristig in die Region fahren, um die amerikanische Militärpräsenz in der Nähe des Irans zu verstärken

 12.02.2026

New York

UN-Glückwünsche an Iran stoßen auf scharfe Kritik

Menschenrechtsexperten und Aktivisten sehen die Botschaft als problematisches Signal

 12.02.2026

Melbourne

Herzog warnt vor Judenhass in Australien

Der Staatsbesuch des israelischen Präsidenten löste Proteste im Land aus. Herzog sagte, er habe eine Botschaft des guten Willens nach Australien gebracht und hoffe auf eine Entspannung der Lage

 12.02.2026 Aktualisiert

New York

Epstein-Akten: Falsche Leiche zur Ablenkung der Medien

Der Tod des jüdischen Straftäters ist Gegenstand etlicher Verschwörungserzählungen. In einem Dokument aus den jüngst veröffentlichten Akten wird der Abtransport der Leiche zur Gerichtsmedizin beschrieben

 11.02.2026