Israel

Unter Beschuss

Konfrontation: Libanesische Soldaten schossen am Dienstag von einer Stellung der UN-Friedenstruppe auf israelische Ziele. Foto: Reuters

An Israels Nordgrenze ist es am Dienstag zu einem Feuergefecht gekommen. Vier Personen, drei Libanesen und ein israelischer Reserveoffizier, kamen dabei ums Leben. Gefährlich wurde es auch, als Raketen von der Sinai-Halbinsel im Golf von Akaba ab-
gefeuert wurden. Zwei Geschosse landeten versehentlich in Jordanien, töteten einen Mann und verletzten vier weitere Menschen. Drei andere fielen zum Glück ins Wasser, eine landete auf einer Sanddüne. Bereits am Freitag wurden Raketen aus dem Gaza-Streifen auf israelische Dörfer und die Stadt Aschkelon abgefeuert.

Verhandlungen Beobachter sehen einen Zusammenhang zwischen den Abschüssen und einer sich abzeichnenden Wiederaufnahme des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses. Schon Mitte August, so spekuliert Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, werden die direkten Verhandlungen aufgenommen. Noch wehrt sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, von seiner Vorbedingung abzulassen. Er fordert den kompletten Baustopp in den Siedlungen. Doch die USA machen Druck. Wenn die Palästinenser weiter direkte Verhandlungen ablehnen, soll der US-Nahostgesandte George Mitchell gewarnt haben, werde sich das Weiße Haus schwer damit tun, eine Wiederaufnahme des Siedlungsbaus zu unterbinden.

Im September läuft das israelische Moratorium aus, mit dem der Siedlungsbau im Westjordanland für zehn Monate auf Eis lag. Die Politikerin Hannan Aschrawi, Mitglied im PLO-Zentralrat, drohte in der Londoner Tageszeitung »Al Quds« gar mit einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Doch auch Israel kommt nicht ungeschoren davon. Wenn US-Präsident Obama im Ruf steht, vor Netanjahu klein beizugeben, so spiegelt das nur sehr gebrochen die Realität. Dass Israel zum ersten Mal seit Staatsgründung der Kooperation mit einem UN-Untersuchungsausschuss zustimmt, nämlich dem, der die Vorfälle auf der Gaza-Flottille aufklären soll, ist auch auf den Einfluss Obamas zurückzuführen.

Glaubwürdigkeit Ob der Zeitplan, den Netanjahu skizziert hat, zutrifft oder nicht: Obama wird es früher oder später gelingen, die beiden Konfliktparteien wieder an einen Tisch zu bringen. Nachdem die 13 Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga grundsätzlich grünes Licht gaben, ist es jetzt an Abbas, loszulegen. Ihn eilt es aber nicht, denn ihm droht innenpolitisch der Verlust an Glaubwürdigkeit, wenn er Netanjahu zu einem Zeitpunkt trifft, wenn wieder neue Häuser in den Siedlungen gebaut werden. Wie die Friedensorganisation Schalom Achschaw diese Woche mitteilte, ist zwar seit Netanjahus Moratorium ein »deutlicher Rückgang« des Baugeschehens festzustellen. Dennoch genehmigte die Stadtverwaltung erst am Dienstag den Neubau von 40.000 Wohnungen in Ostjerusalem. Der Kampf um Jerusalem ist der entscheidende im Nahost-Konflikt. Die letzten ernsthaften Verhandlungen in Camp David vor genau zehn Jahren scheiterten an der Feststellung von der »ewig jüdischen Hauptstadt«, von der auch Netanjahu nicht ablassen wird. So stehen, noch bevor die direkten Verhandlungen überhaupt angefangen haben, die Chancen auf einen Erfolg alles andere als gut.

Verantwortung Schon sitzen zudem Hamas und Hisbollah, unterstützt aus Teheran, in den Startlöchern, um die Annäherung ihrer Rivalen, Israel und der Fatah, zu unterlaufen. Zwar stritten die Islamisten jede Verantwortung für die Raketen, die am Montag auf den israelischen Ferienort abgeschossen wurden, ab. Doch dürfte der tödliche Zwischenfall an der Nordgrenze auf das Konto der Hisbollah gehen. Bis Mittwoch herrschte Rätselraten über den Absender der Raketen, die in Eilat und der jordanischen Nachbarstadt Akkaba landeten. Hier stecke wohl der »globale Dschihad oder eine andere Terrorgruppe« dahinter, spekulierten Stimmen im israelischen Sicherheitsapparat. Sicher sei lediglich, dass die Grad-Raketen, die eine Reichweite von 20 Kilometern haben und sechs Kilogramm Sprengstoff transportieren können, aus iranischen Werkstätten stammen.

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Florida

»Es geht um uns gegen den Juden«: Antisemitische Hetze im Wahlkampf

»Unsere Regierung ist nichts anderes als ein Werkzeug für jüdische Vorherrschaft«, schreibt der republikanische Vorwahl-Kandidat und Influencer Dan Bilzerian

 13.08.2026

Nahost

Ex-Botschafter Seibert fordert »klare europäische Position« zu Israel

Bis vor kurzem war er das Gesicht deutscher Diplomatie in Israel: Steffen Seibert. In einem Interview äußert er sich zu Grenzen der Staatsräson, Siedlungen, dem Terror der Hamas und gegen Boykotte

 13.08.2026

Geburtstag

Romani Rose wird 80: »Nie vergessen, zu welcher Unmenschlichkeit Menschen fähig sind«

Romani Rose kämpft gegen Vorurteile und Ausgrenzung. Der Minderheitenschutz ist für ihn eine tragende Säule der Demokratie. Nun wird der Heidelberger Bürgerrechtler 80 Jahre alt - und will weiter mitmischen

von Volker Hasenauer  13.08.2026

Meinungsfreiheit

Wenn Juden plötzlich Nazis sein sollen

Ein Gericht erklärt die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern für zulässig. Kritiker sind irritiert

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Hamburg

Haftbefehl gegen AfD-Politiker wegen offener Böhmermann-Kosten

Maximilian Krah bezeichnete den Satiriker als »einen Widerling« und erklärte, er zahle deshalb »nur widerwillig«

 13.08.2026

Hamburg

Gericht erklärt Kritik an Claim für zulässig: Journalist darf NGO »unsaubere« Zahlen vorwerfen

Der Investigativjournalist Sascha Adamek darf der Organisation vorwerfen, bei der Erfassung antimuslimischer Vorfälle mit »unsauber« erhobenen Zahlen gearbeitet zu haben. Die Hintergründe

 13.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026