Einspruch

Unberechenbar brutal

Die Hamas spricht von einer Intifada, die Israel erschüttert. Die Fatah hingegen zieht den Begriff Fauda vor – das arabische Wort für heilloses Chaos. Objektive Maßstäbe, um zu beurteilen, was gegenwärtig im Heiligen Land stattfindet, gibt es nicht.

Während jedoch die erste Intifada eine Volkserhebung war, die auch die Palästinenserführung überraschte, war die zweite Intifada eindeutig von oben gesteuert und munitioniert: mit Terrorzellen, Sprengstoff und Gewehren. Die Angreifer, deren Bilder wir in diesen Tagen sehen, sind hingegen zumeist noch sehr jung – das sind nicht die altbekannten Kämpfergesichter. Die Massen, die sie hinter sich wähnen, sind digital. Was sie wissen und wollen, haben sie aus dem Netz. Dort lesen sie, Israel wolle bald die Al-Aksa-Moschee zerstören, und das glauben sie. Facebook ist ihnen wichtiger als der Koran.

»alte eliten« Hamas und Fatah sind für sie bloß die »alten Eliten«. Die Hamas ruft derzeit zu Unruhen auf: in Jerusalem, in Tel Aviv, überall – nur nicht im Gazastreifen. Die militärische Führung der Hamas hält sich mit Worten zurück und greift zu ihrer eigenen Sprache: Seit einigen Wochen schlagen wieder fast täglich Raketen in Israel ein. Die Fatah um Präsident Abbas ruft nicht zur Gewalt auf – aber auch nicht zum Gegenteil. Bis die Nachfolge von Abbas entschieden ist, will keiner reden.

Und in Israel fordert die Rechte eine Verstärkung des Siedlungsbaus als vermeintlich angemessene Reaktion auf die Gewalt in den Straßen. Die Linke fordert – wie auch die Geheimdienste – politische Antworten, sprich: Verhandlungen. Aber mit wem?

Die Gewalt, die Israel gerade bedroht, kommt nicht aus der Mitte der palästinensischen Gesellschaft. Sie schlägt punktuell zu, ist individuell und wird immer jünger. Hamas, Fatah, Dschihad? Intifada oder Fauda? Den Kinderstürmern ist das egal. »Al-Aksa in Gefahr« klingt für sie so gut wie Shitstorm. Wo und von wem das nächste Messer gezückt wird, weiß der Teufel. Und auch der erst im letzten Moment.

Der Autor ist freier Journalist in Tel Aviv.

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026

Kanada

Zwei Tote bei Anschlag im jüdischem Viertel von Montreal

Bei einem der Opfer soll es sich laut Medienberichten um Michael Moshe Mizrahi handeln, ein Mitglied der örtlichen jüdischen Gemeinde

 22.06.2026 Aktualisiert

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen musste er feststellen, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse weit verbreitet sind. Nun fragt er sich: Wie kann das sein?

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Verhandlungen

USA lockern Sanktionen auf iranisches Öl

Nach »produktiven« Gesprächen mit dem Iran setzen die USA Teile ihrer Sanktionen gegen den Iran vorübergehend aus. Die Maßnahme könnte dem Iran Milliarden einbringen und die Energiemärkte beruhigen

 22.06.2026

Trauer

Orakel und Maestro

Über 18 Jahre lang herrschte Alan Greenspan als Zentralbankchef über die Zinspolitik der weltgrößten Wirtschaftsmacht. Mit 100 Jahren ist er nun gestorben

von Anna Ringle, Thomas Kaufner  22.06.2026

Debatte

Jüdischer Verein verlangt Schutz für das Tragen religiöser Symbole

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Bei einem Prozess wegen Volksverhetzung in Flensburg musste eine Zuschauerin ihre Davidsternkette ablegen. Der Verein Jüdischer Hochschullehrender fordert nun Maßnahmen von der Justiz

 22.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 22.06.2026 Aktualisiert

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  22.06.2026

Berlin

Nova-Ausstellung: Interne Unterlagen zeigen Streit um Fördergeld

Die Finanzierung des Projekts war bis zuletzt umstritten. Eine angekündigte Kürzung der Landesförderung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro wurde zurückgenommen

 22.06.2026