Meinung

Türkei–Israel: Hass und Interesse

Nach dem IS-Terroranschlag in der Istanbuler Innenstadt im März, bei dem auch drei Israelis starben, sandten sowohl der türkische Präsident Erdogan als auch sein Premier Davutoglu Kondolenzschreiben an ihre israelischen Amtskollegen Rivlin und Netanjahu.

Es war der erste diplomatische Kontakt auf höchster Ebene zwischen Israel und der Türkei seit fünf Jahren. Und es war das erste sichtbare Zeichen einer nicht ganz neuen Wiederannäherung: Schon seit November 2015 führen beide Länder auf diplomatischer Arbeitsebene Gespräche zu einem »Aussöhnungsvertrag«. Vor zwei Wochen hieß es sogar, eine Unterzeichnung des Vertrags und die Wiedereröffnung der Botschaften stünden kurz bevor.

mavi marmara Wird die Türkei plötzlich wieder der Freund Israels von einst? Nicht ganz. Denn ein wichtiger Gegenstand dieser Aussöhnungsverhandlungen zeigt bereits, auf welcher Seite die Türkei politisch steht: Neben einer Entschädigung für die Familien der neun Mavi-Marmara-Aktivisten, die 2010 beim Entern des Schiffs durch die israelische Marine umkamen, fordert sie einen Seehafen für Gaza und die Aufhebung der Handelsblockade des Küstenstreifens. Obwohl selbst vom islamistischen Terror gebeutelt, pflegt die Türkei offen eine Freundschaft zur Islamistenmiliz Hamas.

Was Israel und die Türkei allerdings heute verbindet, sind übereinstimmende Interessen: Beide blicken besorgt auf das gemeinsame Nachbarland Syrien, wo sie neben der Ausbreitung des IS noch Schlimmeres für sich fürchten, sollte Assad seine Macht mithilfe des Iran restaurieren und zum Satellitenstaat der Mullahs in Teheran werden.

Und handfeste Grundlagen für eine Zusammenarbeit gibt es auch: Israel will sein neu entdecktes Erdgas über die Türkei nach Europa exportieren, während die Türkei neue Lieferanten zur Deckung ihres Eigenbedarfs sucht, seit sie mit Russland im Clinch liegt. Wahre Freundschaft sieht anders aus. Aber immerhin eine verlässliche Kooperation scheint wieder möglich und wahrscheinlich.

Übrigens: Auch während der diplomatischen Eiszeit blühte der Handel. An das Freihandelsabkommen von 1996 hielten sich die Türkei und Israel – ganz ohne Aussöhnung.

Der Autor ist Redakteur für Politik und Wirtschaft bei »Bild«.

Beirut

Israel: Haben hochrangigen Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gutachten missverstanden: Bundestagsdienst bewertet Iran-Angriffe nicht abschließend

Laut Medienberichten hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig eingeordnet. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« widerspricht in einer Analyse dieser Darstellung nun

 01.04.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Filmtage: Kino kündigt Kooperation, Organisatoren üben scharfe Kritik

Die Jüdische Gemeinde sieht »faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck«, während die Astor Film Lounge ihre Entscheidung verteidigt

von Imanuel Marcus  01.04.2026

Dresden/Leipzig

Hitlergruß: Urteil gegen Melanie Müller ist rechtskräftig

Das Urteil gegen die Schlagersängerin wegen des Zeigens des Nazigrußes ist rechtskräftig. Warum sie die Revision zurückzieht und was das für sie bedeutet

 01.04.2026

Pessach

Preis der Freiheit

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung entstehen nicht von allein. Sie müssen erstritten, manchmal sogar erkämpft werden

von Josef Schuster  01.04.2026

Berlin

»Arrogante Belehrungen«: Israelische Botschaft kritisiert Castellucci scharf

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung übt Kritik an der Jerusalemer Regierung für die Ausweitung der Todesstrafe. Die israelische Botschaft spricht von Doppelmoral

 01.04.2026 Aktualisiert

Buenos Aires

Argentinien stuft Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation ein

Präsident Javier Milei begründete den Schritt unter anderem mit dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA im Jahr 1994, bei dem 85 Menschen ermordet wurden

 01.04.2026

Ottawa

PFLP-Ableger: Kanada löst Samidoun auf

Der Schritt erfolgt wegen »Nichteinhaltung« gesetzlicher Vorgaben. In Kanada war die Gruppe zuvor als Terrororganisation eingestuft worden

 01.04.2026

Washington D.C.

Trump stellt baldiges Kriegsende in Aussicht

»Ob wir ein Abkommen haben oder nicht, ist jetzt irrelevant«, sagt der amerikanische Präsident

 01.04.2026