Atomprogramm

»Teheran wird aggressiver«

Arye Sharuz Shalicar Foto: Uwe Steinert

Atomprogramm

»Teheran wird aggressiver«

Arye Sharuz Shalicar über die iranische Bedrohung und die Europareise des israelischen Premiers

von Detlef David Kauschke  05.06.2018 10:53 Uhr

Herr Shalicar, Premierminister Netanjahu hat in dieser Woche in Berlin, Paris und London versucht, Israels Position in Sachen Iran deutlich zu machen. Mit Erfolg?
Es ist noch zu früh, das abschließend bewerten zu können. Aber der Versuch, die Sicht Israels in persönlichen Gesprächen mit den Regierungschefs zu verdeutlichen, ist richtig. Denn man hat doch den Eindruck, dass Europa eigentlich weiß, worum es dem Iran geht. Aber Europa hat eine andere Herangehensweise als wir, eine andere Art, auf die Bedrohung zu antworten. Da muss Israel seine Position klarmachen. Im Endeffekt geht es doch darum, eine Eskalation oder sogar eine direkte kriegerische Konfrontation mit dem Iran zu vermeiden.

Droht diese Konfrontation ganz aktuell?
Wir haben kein grundsätzliches Problem mit dem Iran. Wir haben keine Milizen an seiner Grenze, bauen keine Raketen ausschließlich in seine Richtung. Aber der Iran verhält sich feindlich. Erst vor wenigen Tagen hat Revolutionsführer Khamenei Israel als »Krebsgeschwür« bezeichnet, das beseitigt werden müsse.

Israel will den Atomdeal mit Teheran nicht, Europa möchte daran festhalten. Israel will eine härtere Linie, Europa mehr Diplomatie. Wie soll man sich annähern?
Indem man weiter miteinander spricht. Auch Europa hat doch verstanden, dass der Iran in den vergangenen Jahren nicht friedlicher, sondern sehr viel aggressiver geworden ist. Das Land scheint das Signal des 2015 geschlossenen Atomdeals ganz anders verstanden zu haben. Teheran entwickelt seit Jahren sein Raketenprogramm, erweitert seine Militärkapazitäten, breitet sich in der Region immer mehr aus, steht jetzt schon direkt an Israels Grenze und droht uns und anderen Ländern.

Versteht man in Berlin, Paris und London die Bedrohung nicht?
Länder haben ihre eigenen Interessen. Wer die Bedrohung nicht selbst am eigenen Leibe fühlt, ist vielleicht geduldiger. Doch das ballistische Raketenprogramm, mit dem sich Teheran internationalen Beschränkungen widersetzt, sollte inzwischen auch Europa nervös machen. Der Iran verfügt über hoch entwickelte Mittel- und Langstreckenraketen. Wenn deren Reichweite 2000 Kilometer übersteigt, ist der Tag nicht mehr weit, an dem sie auch Berlin, Paris und London erreichen können.

Ein Thema bei Netanjahus Unterredungen war auch das israelische Vorgehen am Gazastreifen. Europa stellt die »Verhältnismäßigkeit« infrage. Zu Recht?
Israels Vorgehen ist angesichts der asymmetrischen Konfliktsituation durchaus verhältnismäßig. Die Armee eines demokratischen Landes muss Terroristen am Durchbrechen eines Grenzzauns hindern, das Eindringen auf eigenes Territorium verhindern und die Zivilbevölkerung schützen. Das ist für uns absolut alternativlos.

Mit dem Direktor für Auswärtige Angelegenheiten im israelischen Geheimdienstministerium sprach Detlef David Kauschke.

Internationaler Strafgerichtshof

»Begünstigung von Kriegsverbrechen«: Israelische NGO zeigt Spaniens Regierungschef Sánchez an

Die Hintergründe

 17.04.2026 Aktualisiert

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der sich ab dem 1. Mai als Global Reporter weiter auf seine Podcast-Formate konzentriert

 17.04.2026

Berlin

Zentralrat der Juden gegen Widerspruchslösung

In seinem Tätigkeitsbericht für 2025 geht der Zentralrat auch ethische Fragen rund um das Thema Organspende ein

 17.04.2026

Genf

So reagiert die Weltbank auf antisemitische Posts von Francesca Albaneses Ehemann

Massimiliano Cali soll den palästinensischen Terrorismus relativiert und gegen Juden gehetzt haben

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Paris

Bericht: Marine Le Pen trifft Israels Botschafter

Das Gespräch wirft diese Frage auf: Wie geht die Regierung Netanjahu mit rechtsextremistischen Parteien im Ausland um?

 17.04.2026

Yale-Umfrage

Jüngere Wähler in den USA äußern häufiger antisemitische Ansichten

Auch Plattformen wie TikTok spielen eine Rolle. Ihre Nutzer neigen eher zu Judenhass als Konsumenten herkömmlicher Medien

 17.04.2026

Amsterdam

Neue YouTube-Serie folgt den Spuren von Anne Frank

Eine Schauspielerin reist von Frankfurt über Amsterdam bis Bergen-Belsen und bietet Einblicke in das Leben des jüdischen Mädchens, das Millionen Menschen berührt hat

 17.04.2026

München

Proiranische Terror-Gruppe reklamiert Anschlag auf Restaurant für sich

Laut Generalstaatsanwaltschaft ist ein Bekennervideo der schiitischen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia Gegenstand laufender Ermittlungen

 17.04.2026

Berlin

Staatsanwaltschaft geht in Revision im Prozess gegen Mustafa A.

Die Staatsanwaltschaft geht bei dem Angriff auf Lahav Shapira von einer antisemitischen Gewalttat aus. Der Täter bestreitet dies und erreicht im Berufungsprozess eine geringere Strafe. Beendet ist der Fall damit nicht

 17.04.2026