Dialog

Teheran in Brandenburg

Irans Vize-Außenminister Mostafa Dolatyar Foto: cc

Der Stiftung Neuhardenberg geht es um den interreligiösen Dialog. Vertreter unterschiedlicher Kulturen kommen regelmäßig in einem schönen Schloss im Brandenburgischen zusammen, das dem Deutschen Sparkassen‐ und Giroverband gehört. Bis Ende November 2011 zählte auch der stellvertretende iranische Außenminister Mostafa Dolatyar zu den Dialogpartnern.

Doch nun ist Dolatyar aus dem Kuratorium ausgeschieden. Vorausgegangen war eine Erklärung von ihm, die am 9. November von der iranischen Nachrichtenagentur IRNA verbreitet wurde: Er hatte dort dem »zionistischen Régime in Tel Aviv« den Untergang gewünscht.

Kuratorium »Aus allen Wolken« ist Bernd Kauffmann gefallen, als er das hörte, sagte der Generalbevollmächtigte der Stiftung der Jüdischen Allgemeinen. Bernd Neumann, Kulturstaatsminister der Bundesregierung, zog sich aus der Stiftung zurück. Aber Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck gehört weiter dem Kuratorium an. Die Landesregierung nannte Dolatyars Äußerung jedoch »absolut nicht tragbar«, allerdings, so Regierungssprecher Thomas Braune, habe Dolatyar nur weniger als ein Jahr im Kuratorium mitgearbeitet.

Ein Unbekannter ist Mostafa Dolatyar allerdings nicht. Der Iran‐Experte Wahied Wahdat‐Hagh von der European Foundation for Democracy nennt ihn »einen ausgewiesenen Hardliner« und glaubt, dass sogar das Datum seines Statements, der 9. November, kein Zufall sei.

Für Bernd Kauffmann stellt sich die Geschichte von Irans Teilhabe am »interreligiösen Dialog« in Neuhardenberg anders dar: Die habe 2001 zur Zeit der reformorientierten Präsidentschaft Mohammad Chatamis begonnen. Erstes iranisches Kuratoriumsmitglied war Sayyed Mohammed Sadegh Kharrazi. Der galt lange Zeit als enger Berater des früheren iranischen Außen‐ ministers Ali Akbar Velayati – einer der Drahtzieher des »Mykonos‐Attentats« 1992 in Berlin. Aber auch der frühere Kulturminister Ataollah Mohajerani habe im Kuratorium gesessen – doch der ist seit 2009 im Londoner Exil. Die folgenden iranischen Vertreter wurden alle vom Teheraner Außenministerium bestimmt.

Erst im Oktober war die Stiftung Neuhardenberg in die Kritik geraten, als sie Irans Botschafter in Berlin, Ali Reza Sheikh Attar, zu einem Gespräch mit dem Philosophen Rüdiger Safranski eingeladen hatte. Attar wird vorgeworfen, für Staatsverbrechen verantwortlich zu sein. Weil das Gespräch nicht »störungsfrei und mit der gebotenen Sicherheit« durchgeführt werden könne, sagte die Stiftung den Termin damals ab.

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