Meinung

Sprache als Waffe

Monika Schwarz-Friesel Foto: privat

Sprache ist ein oft unterschätztes Machtinstrument und Mittel zur Ausübung von Gewalt. Wir sehen seit Jahren die Zunahme von Hasssprache, aber auch massiver De-Realisierung, zum Beispiel als Verschwörungsfantasien. Es handelt sich dabei um verbale Konstrukte, die jedoch für viele Menschen den Status von Tatsachen haben. Sie sind von der Wahrheit dieser »alternativen Fakten« überzeugt und wehren Gegendarstellungen als »Indoktrination der Lügenpresse« ab.

Hasssprache ist eine Form der geistigen Gewaltanwendung. Mentale Gewalt greift die Würde von Menschen an, degradiert Menschen, verletzt sie seelisch, liefert sie anderen aus. Dass ein hassgetriebener Sprachgebrauch das Klima für nicht-verbale Gewalthandlungen schaffen kann, zeigt die NS-Zeit: Vor »Auschwitz« stand das Wannseeprotokoll, davor Mein Kampf und »Der Stürmer«; das judenfeindliche Klima wurde intensiviert durch Artikel, Pamphlete, Boykottaufrufe, Rassengesetze – alles sprachliche Gebilde.

freud Gewalt beginnt im Kopf: Demagogie, Volksverhetzung, Hate Speech basieren alle auf dem persuasiven Potenzial von Sprache. Sigmund Freud nannte dies »die Macht des Wortes«. Äußerungen aktivieren nach Millisekunden im Gehirn Bedeutungen, evozieren Gefühle, verfestigen Einstellungen. Oft konstruieren sie aufgrund ihrer Semantik Weltdeutungen mit Handlungsoptionen, zum Beispiel durch dämonisierende Wörter wie »Menschenfeinde« oder »Kindermörder«.

Sprache bildet nie nur Realität ab, sie erzeugt sie auch. Es bilden sich Narrative, die den Meinungsbildungsprozess einer Gesellschaft maßgeblich beeinflussen. Es gibt nie »nur Sprache«. Sprache ist immer Macht: Sprachliche Äußerungen können das kollektive Bewusstsein nachhaltig beeinflussen, im negativen wie im positiven Sinne. Argumentative Aufklärung ist dabei immer noch das beste Mittel gegen die »alternativen Fakten« dieser Welt. Das wusste auch Kurt Tucholsky: »Die Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf.«

Die Autorin ist Linguistin an der TU Berlin und organisiert dort am 15. Juli den Workshop »Verbaler Fundamentalismus oder Wie Sprache Realitäten konstruiert«.

Justiz

Historiker im KZ-Prozess: SS-Wachen waren an Erschießungen beteiligt

Mehr als 200.000 Menschen waren zwischen 1936 und 1945 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Bewacht wurden sie von Menschen wie Josef S. Der 101-Jährige steht dafür jetzt vor Gericht

von Lukas Philippi  03.12.2021

Einwanderungsgesellschaft

Bundespräsident verleiht Verdienstorden

Zu den Ausgezeichneten gehören unter anderem KIgA und das Jugendbildungswerk »Open Mind«

 03.12.2021 Aktualisiert

Medien

Antisemitismusvorwürfe: DW stellt Mitarbeiter während Prüfung frei

Geprüft werden die Anschuldigungen von Ahmad Mansour und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

 03.12.2021

Brüssel

EU-Verfahren gegen Deutschland

Europäische Kommission: Ähnlich wie in Ungarn oder Luxemburg wurde nicht genug gegen Hassrede getan

 02.12.2021

Auffrischungsimpfung

Israelischer Experte übt massive Kritik an Ständiger Impfkommission

Ronni Gamzu bemängelt die Langsamkeit der Deutschen

 02.12.2021

KZ Sachsenhausen

Angeklagter streitet Vorwürfe weiter ab

Wahrscheinlich einer der letzten noch lebenden potenziellen Täter steht seit Oktober vor Gericht

 02.12.2021

Bayern

Generalstaatsanwalt prüft AfD-Chatgruppe

Am Mittwoch war durch einen Bericht des Bayerischen Rundfunks bekannt geworden, dass Teilnehmer der »Alternativen Nachrichtengruppe Bayern« unter anderem über gewalttätige Proteste und einen Bürgerkrieg in Deutschland diskutiert hatten

 02.12.2021

Antisemitismus

Weltverband will weitere Konsequenzen aus Israel-Boykott Malaysias ziehen

Israels Team durfte nicht zur WM anreisen. Jetzt kündigt der Weltsquashverband eine Überprüfung des Vorgangs an

von Michael Thaidigsmann  02.12.2021

Antisemitismus

Bund: Vorwürfe schnell aufklären

Beauftragte für Kultur und Medien nimmt aktuelle Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Welle »sehr ernst«

 02.12.2021