Geschichte

Roland Berger lässt NS-Geschichte seines Vaters aufarbeiten

»Heute bin ich klüger«: Unternehmensberater Roland Berger Foto: imago

Geschichte

Roland Berger lässt NS-Geschichte seines Vaters aufarbeiten

Der Unternehmensberater hat seinen Vater lange als Opfer der Nazis dargestellt - jetzt will der 81-Jährige Klarheit

 19.10.2019 20:49 Uhr

Der Unternehmensberater Roland Berger hat seinen Vater lange als Gegner und Opfer der Nazis dargestellt - jetzt will der 81-Jährige Klarheit. »Heute bin ich klüger«, sagte Berger dem »Handelsblatt«. Aufgrund von Recherchen des »Handelsblatts« habe er jetzt die Historiker Michael Wolffsohn und Sönke Neitzel beauftragt, »reinen Tisch zu machen und alles aufzuklären«. Wolffsohn sagte der Zeitung: »Soweit sich das bisher feststellen lässt, war Georg Berger in der Tat Profiteur des NS-Systems.«

Laut »Handelsblatt« war Georg Berger 1931 in die NSDAP eingetreten und von 1936 bis 1939 Reichskassenverwalter der Hitler-Jugend gewesen. Anschließend sei er Generaldirektor einer »arisierten« Backfabrik geworden und habe in einer beschlagnahmten Villa gewohnt.

»Soweit sich das bisher feststellen lässt, war Georg Berger in der Tat Profiteur des NS-Systems«, sagt Michael Wolffsohn.

Die Gestapo habe 1942 das Haus mehrfach durchsucht, weil er in Saus und Braus gelebt, Lebensmittel gehortet und das Ansehen der Partei beschädigt habe. Er sei abgesetzt und 1944 aus der NSDAP ausgeschlossen worden. Nach dem Krieg habe ihn eine Spruchkammer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und ihm angerechnet, dass er sich gegen die »Arisierung des Unternehmens gewendet« und »nach dem Maß seiner Kräfte Widerstand geleistet« habe.

Roland Berger selbst hat mit 50 Millionen Euro Privatvermögen eine Jugendstiftung gegründet und lässt seit 2008 einen hoch dotierten Preis für Menschenwürde verleihen. Am Freitag erklärte der polnische Bürgerrechtler Adam Bodnar, der diesen Preis am kommenden Montag erhalten sollte, dass er die Auszeichnung wegen der Zweifel an Bergers Rolle im Nationalsozialismus nicht entgegennehme. Zuvor hatte das »Handelsblatt« über diesen Schritt berichtet.

Es sei wohl »Selbstbetrug, den ich mir da habe zuschulden kommen lassen«, sagt Berger.

Das Jüdische Museum Berlin zeichnete Roland Berger mit dem Preis für Verständigung und Toleranz aus. Seinen Vater hatte er in Interviews als moralisches Vorbild beschrieben, der 1938 aus Protest gegen die Pogrome aus der Partei ausgetreten sei und unter Lebensgefahr gezeigt habe, »mit mir nicht«.

Jetzt sagte er dem »Handelsblatt«, die Gestapo-Durchsuchungen habe er als kleiner Bub erlebt. Sein Bild vom Vater stamme auch aus Erzählungen in der Verwandtschaft. Es sei wohl »Selbstbetrug, den ich mir da habe zuschulden kommen lassen«.  dpa

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

London

Britischer Premierminister Starmer kündigt Rücktritt an

Der Einzug seines größten Rivalen ins Parlament kostet Premierminister Keir Starmer das Amt. Der Labour-Chef hatte sich schon in den vergangenen Monaten von einer Krise zur nächsten gehangelt

 22.06.2026 Aktualisiert

Paris/Berlin

Ron Prosor kritisiert Frankreich wegen Einschränkungen bei Rüstungsmesse

Der israelische Botschafter in Deutschland schreibt: »›Kauft nicht von Juden‹ – die französische Version davon.« Es geht um antiisraelische Maßnahmen bei der Eurosatory-Messe

 22.06.2026

Berlin

Mann pöbelt bei WM-Public-Viewing

Der betrunkene 40-Jährige soll antisemitische und rassistische Beleidigungen von sich gegeben haben. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung

 22.06.2026

Nahost

Iran und USA einigen sich auf Fahrplan für Abkommen

Ziel ist es, den Krieg zwischen den USA und dem Iran dauerhaft zu beenden und offene Fragen zu klären – darunter auch den Umgang mit dem Atomprogramm des Mullah-Regimes

 22.06.2026

Washington

Trump: Iran muss sofort seine Stellvertreter im Libanon stoppen

Der Iran muss seine Proxys im Libanon unter Kontrolle bringen, fordert Trump. Andernfalls müsse Teheran mit harten Konsequenzen rechnen

 21.06.2026

Potsdam

Linke sucht Kontakt mit Juden im Kampf gegen Antisemitismus

Der Partei wird immer wieder Antisemitismus vorgeworfen. Nun heißt es in einem Beschluss, dass der Parteivorstand mit jüdischen Verbänden in den Austausch gehen soll

 21.06.2026

Iran-Verhandlungen

US-Vizepräsident Vance sieht »große Fortschritte«

In der Schweiz wird über ein Ende des Iran-Kriegs verhandelt. US-Vizepräsident Vance bewertet den Auftakt der Gespräche offenbar als Erfolg

 21.06.2026

Teheran

Iran: Verhandlungen mit USA auf einen Tag begrenzt

Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington in der Schweiz wurden mit Spannung beobachtet. Nun dämpft der Iran die Erwartungen

 21.06.2026