Judenhass

Treibjagd und Hitlergruß

Innenraum der Synagoge von Ermreuth Foto: picture alliance / imageBROKER

Als der Angeklagte den Verlauf des Silvestertags 2022 schildert, erzählt er von einer Treibjagd im Landkreis Forchheim, wie er bereits am Mittag anfängt Alkohol zu trinken und schließlich in einem Gasthaus gegenüber der Synagoge von Ermreuth ins neue Jahr feiert. Doch als die anderen Feiernden gegen Mitternacht weiterziehen, geht der 22-Jährige nicht mit. Er geht zur Synagoge und versucht, das Gebäude mit einem Feuerwerk in Brand zu setzen. 

Was ihn dazu gebracht hat, will der junge Mann am Donnerstag im Prozess vor dem Amtsgericht Bamberg nicht mehr wissen. Er räumt die Tat ein, auch wenn er sich aufgrund seines Alkoholkonsums nicht mehr an alles erinnern könne. Was in der Anklage stehe, sei richtig, erklärt sein Verteidiger. Er bereue die Tat zutiefst und möchte sich bei der jüdischen Gemeinde, bei seinen Eltern und dem Bürgermeister der Gemeinde entschuldigen.

Für die Generalstaatsanwaltschaft München ist das Motiv klar: die »gefestigte judenfeindliche und rechtsextreme Geisteshaltung« des Angeklagten. Auf Nachfrage räumt der Mann ein, dass an dem Abend eine rechtsradikale Gesinnung in ihm hervorgekommen sei. Auf seinem Handy fanden Ermittler zahlreiche Bilder, Texte und Musikstücke mit rechtsradikalem und antisemitischem Inhalt. Auf einem Foto steht der Angeklagte vor einer Reichsflagge und zeigt den Hitlergruß. 

Eine Überwachungskamera zeichnete die ganze Tat auf. Als der Angeklagte eine Scheibe der Synagoge eingeschlagen hatte, versuchte er mehrfach vergeblich, ein Feuerwerk anzuzünden und es ins Gebäude zu werfen. Als das misslang, ging er schließlich weiter. Laut den Ermittlungen wäre das Feuerwerk geeignet gewesen, einen Brand zu verursachen. In der Tatnacht hielt sich keiner im Gebäude auf. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihm versuchte schwere Brandstiftung und gemeinschädliche Sachbeschädigung vor.

Nicht nur in Ermreuth, einem Ortsteil von Neunkirchen am Brand in Oberfranken, sorgte der Vorfall für Bestürzung. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) besuchte die Gemeinde und bezeichnete die versuchte Brandstiftung als »Anschlag auf unsere Demokratie«.

Die Synagoge von Ermreuth wurde 1822 errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sie zunächst an die Raiffeisengenossenschaft über und wurde als Lagerhaus genutzt. Nach Sanierungsarbeiten öffnete die ehemalige Synagoge 1994 wieder und wurde nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft zugleich zur Religionsausübung wiedergeweiht. Die Synagoge ist heute ein Haus der Begegnung und der Kultur. Sie steht beispielhaft für das Landjudentum, das in vergangenen Jahrhunderten viele fränkische Dörfer prägte. 

Der Verteidiger des Mannes erklärte vor Gericht, er habe sich bei der jüdischen Gemeinde in Ermreuth über den entstandenen Schaden informiert, und die Eltern des Angeklagten hätten daraufhin rund 1900 Euro an die Gemeinde überwiesen. Der 22-Jährige wurde wenige Tage nach der Tat festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er stellt sich bereits auf weitere Zeit im Gefängnis ein. Nach einer Verurteilung wolle er sich Hilfe holen und Gespräche mit Vertretern der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus in Nürnberg fortsetzen. Ein Gutachter bewertet im Prozess die Gesinnung des Mannes. Ein Urteil soll an diesem Freitag gesprochen werden.

Washington

Rubio: Erwarten heute eine Antwort aus dem Iran

Während sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA zuletzt zugespitzt haben, setzen die USA weiter auf eine Verhandlungslösung mit Teheran. Nun äußert sich der US-Außenminister dazu

 08.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026

Initiative

Antisemitismusbeauftragter Klein begrüßt Gesetzentwürfe im Bundesrat

Im Bundesrat geht es an diesem Freitag um den Handel mit Nazi-Opfer-Gegenständen und um das Leugnen des Existenzrechts Israels. Der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein begrüßt die Vorstöße

von Anita Hirschbeck  08.05.2026

Meinung

Der »Tag des Sieges« und der Krieg heute

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges müssen wir die Geschichte neu aufrollen und hinterfragen, wie wir mit dem stets pompös begangenen 9. Mai umgehen sollen

von Irina Bondas  08.05.2026

Washington D.C./Teheran

USA fordern Freilassung von Nobelpreisträgerin Mohammadi

Der Gesundheitszustand der inhaftierten iranischen Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist schlecht

 08.05.2026

Boulder/Washington D.C.

Brandanschlag auf Solidaritäts-Demo für Hamas-Geiseln: Täter bekennt sich schuldig

Nach dem tödlichen Angriff in Colorado auf eine Solidaritätskundgebung für israelische Geiseln droht dem mutmaßlichen Täter nach seinem Geständnis nun lebenslange Haft

 08.05.2026

Washington D.C.

USA laden Israel und Libanon zu neuer Gesprächsrunde ein

Nach israelischen Angaben soll es bei den Treffen unter anderem um konkrete Schritte zur Entwaffnung der Hisbollah gehen

 08.05.2026