Hamburg

Prozess zwischen Islamischem Zentrum und Verfassungsschutz

Das IZH ist Träger der Imam-Ali-Moschee in Hamburg. Foto: picture alliance/dpa

Am Hamburger Verwaltungsgericht beginnt am Freitag ein politisch brisantes Verfahren. Anlass ist eine Klage des umstrittenen Islamischen Zentrums Hamburg (IZH) gegen das Landesamt für Verfassungsschutz.

Damit wehrt sich der Trägerverein der Blauen Moschee an der Alster unter anderem gegen eine Einstufung als islamistische Gruppierung. Kritiker des von Iranern gegründeten Vereins rufen zu einer Demonstration vor dem Gerichtsgebäude auf.

Gegenstand der Klage sind acht Einzelaussagen zum IZH in den Berichten des Verfassungsschutzes für 2018 und 2019 sowie die Einordnung des Vereins als »Gruppierung/Organisation des Islamismus«, wie ein Gerichtssprecher sagte. Die Einzelaussagen beträfen unter anderem das Verhältnis des IZH zum iranischen Staat sowie den Leiter des IZH.

»Das Verwaltungsgericht wird zu prüfen haben, ob die Voraussetzungen für eine entsprechende Berichterstattung durch den Verfassungsschutz vorlagen, insbesondere hinreichende Anhaltspunkte für die angegriffenen Einzelaussagen gegeben waren.«

»Listige Bruderschaft« Der Hamburger Behörde für Inneres war im Jahr 2021 bereits klar, dass das IZH Schriften herausgibt, die auch durch antisemitische Inhalte auffallen. In dem Buch »Der islamische Staat« heißt es, »Zionisten und deren Hintermänner« beabsichtigen, »die ganze Welt unter ihr Regiment zu bringen. Und da sie eine verschlagene, listige und emsige Bruderschaft sind.« Es sei zu befürchten, dass sie »eines Tages – was Gott verhüten möge – ihr Ziel erreichen«.

Das IZH wurde 1953 von iranischen Kaufleuten gegründet und ist heute Anlaufpunkt schiitischer Muslime verschiedener Nationalitäten. Der Verein wird seit 1993 vom Verfassungsschutz beobachtet und als Außenposten des iranischen Mullah-Regimes in Europa gesehen. Der stellvertretende Leiter des Zentrums war im vergangenen Jahr wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Terrororganisation Hisbollah aus Deutschland ausgewiesen worden.

Kurz darauf hatte der Bundestag die Bundesregierung dazu aufgefordert, ein Verbot des Zentrums zu prüfen. Bestätigt das Gericht die Aussagen des Verfassungsschutzes, könnte das also die Auflösung des Vereins nach sich ziehen.

Das IZH weist alle vom Verfassungsschutz erhobenen Vorwürfe zurück und reichte Ende 2020 Klage ein. Man hoffe, dass sich alles aufklären werde, sagte IZH-Leiter Mohammad Mofatteh im Dezember.

Wer für den Verfassungsschutz und das IZH in der Verhandlung erscheint, ist dem Gericht laut dem Sprecher nicht bekannt. Zeugen und Sachverständige seien nicht geladen. Der ungewöhnlich lange Zeitraum zwischen der Einreichung der Klage und dem Beginn der Verhandlung liege »in der Gesamtbelastung der zuständigen Kammer« begründet. kna/ja

Justiz

Gericht bestätigt Verbot der Parole »From the river to the sea«

Ein von der Stadt Bremen erlassenes Verbot sei rechtmäßig, entschied nun das Verwaltungsgericht Bremen

 07.12.2025

Yad Vashem

Merz: »Wir werden die Erinnerung lebendig halten«

Es ist einer der wichtigsten Antrittsbesuche für Kanzler Merz. Der zweite Tag in Israel beginnt für ihn mit dem Besuch eines besonderen Ortes

 07.12.2025

Umfrage

KAS-Studie: Antisemitische Vorurteile nehmen bei Türkeistämmigen zu

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat eine neue Studie zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft vorgelegt. Dabei wurden auch Einstellungen zu Juden abgefragt

 07.12.2025

Simi Valley

»Vorbildliche Verbündete«: Hegseth nennt Israel und Deutschland

Die Signale, die jüngst aus den USA in Richtung Europa drangen, waren alles andere als positiv. Der US-Verteidigungsminister findet nun allerdings nicht nur Lob für den jüdischen Staat, sondern auch für einige EU-Staaten

 07.12.2025

Soziale Medien

Musk nach Millionenstrafe gegen X: EU abschaffen

Beim Kurznachrichtendienst X fehlt es an Transparenz, befand die EU-Kommission - und verhängte eine Strafe gegen das Unternehmen von Elon Musk. Der reagiert auf seine Weise

 07.12.2025

Jerusalem

Merz: Deutschland wird immer an der Seite Israels stehen

Der Bundeskanzler bekräftigt bei seiner Israel-Reise die enge Partnerschaft. Am Sonntag besucht er die Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem und trifft Premierminister Benjamin Netanjahu

von Sara Lemel  07.12.2025 Aktualisiert

Diplomatie

»Dem Terror der Hamas endgültig die Grundlage entziehen«

Es ist eine seiner bisher wichtigsten Auslandsreisen, aber auch eine der schwierigsten. Kanzler Merz ist für zwei Tage im Nahen Osten unterwegs

 06.12.2025

Jerusalem

Merz trifft Netanjahu und besucht Holocaust-Gedenkstätte

Es ist einer der wichtigsten Antrittsbesuche von Kanzler Merz - aber auch einer der schwierigsten. In den Beziehungen zu Israel gab es in den letzten Monaten einige Turbulenzen

von Michael Fischer  06.12.2025

Akaba/Jerusalem

Merz zu Nahost-Reise aufgebrochen: Antrittsbesuch in Israel 

Das Renten-Drama ist überstanden, jetzt geht es für den Kanzler erstmal ins Ausland. Heute und morgen steht ein besonderer Antrittsbesuch auf seinem Programm

 06.12.2025