Bundeswehr

Pistorius: Kauf von Arrow 3 vor der Zielgeraden

Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, besucht zu seinem Antrittsbesuch bei der Luftwaffe den Luftwaffenstützpunkt Rostock Laage. Foto: picture alliance/dpa

Verteidigungsminister Boris Pistorius will den Kauf des Flugabwehrsystems Arrow 3 aus Israel in der zweiten Jahreshälfte unter Dach und Fach haben.

»Bei Arrow arbeiten wir auf Hochtouren an den Verhandlungen mit Israel über das Regierungsabkommen. Ich würde sagen, da sind wir kurz vorm Einbiegen in die Zielgerade«, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag auf dem Fliegerhorst in Laage (Mecklenburg-Vorpommern). »Das heißt, im zweiten Halbjahr dürften wir dort Tinte drankriegen, wie man so schön sagt.« Pistorius machte seinen Antrittsbesuch bei der Luftwaffe.

Das israelische System Arrow 3 soll Teil eines europäischen Luftverteidigungssystems werden. Es bildet derzeit die höchste Stufe von Israels mehrstufiger Raketenabwehr und kann angreifende Waffensysteme in bis zu über 100 Kilometer Höhe außerhalb der Atmosphäre im beginnenden Weltraum zerstören. Es soll Teil eines Neuaufbaus der nach dem Ende des Kalten Krieges zurückgefahrenen Luftverteidigung werden, zu der auch die Beschaffung des deutschen Systems Iris-T sowie eine Modernisierung der Patriot-Anlagen gehört.

Taktisches Luftwaffengeschwader Pistorius wurde bei seinem Besuch auf dem Geschwader-Stützpunkt von Luftwaffen-Inspekteur Ingo Gerhartz begleitet. Er informierte sich über die Arbeit des in Laage stationierten Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 »Steinhoff«. Der Stützpunkt ist einer von vier Eurofighter-Standorten der Luftwaffe. Außerdem findet dort die Eurofighter-Ausbildung statt. Auch ein Besuch der Flugabwehrraketengruppe 21 im nahen Gubkow stand auf dem Programm. Beim Hinflug in einem Militärtransporter vom Typ A400M hatte die Luftwaffe Tiefflugfähigkeiten vorgeführt.

Das Verteidigungsministerium prüft auch eine Bitte der Nato-Partner für den Schutz des Gipfels im Juli in Litauen mit dem Flugabwehrsystem Patriot. Eine entsprechende Anfrage gebe es, bestätigte Pistorius und sagte: »Ob wir das wollen und ob wir das tun, ist eine Frage, die jetzt abhängt von den Gesprächen, die wir führen, mit den Partnern, mit der Nato natürlich, und das wird sich in den nächsten zwei Wochen entscheiden.« Die Nato berät am 11. und 12. Juli in Vilnius über den weiteren Kurs, der nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine neu bestimmt wurde.

Mit der Entscheidung ist auch die weitere Stationierung von deutschen Patriot-Systemen in der Slowakei verknüpft. Im Raum steht ein Abzug. »Wir haben zwei in der Slowakei, drei in Polen, zwei oder drei sind in der Wartung, eins ist in der Ukraine«, sagte Pistorius darauf angesprochen. »Also wir können nur mit dem arbeiten, was wir haben. Und wir sind jetzt in Gesprächen darüber, wie wir dem Wunsch entsprechen können, der an uns herangetragen worden ist.«

Auch gebe es fortlaufende Prüfungen, wie die Ukraine weiter unterstützt werden könne, sagte der Minister. Der Bedarf des von Russland angegriffenen Landes bleibe nicht nur, er werde steigen. Deutschland müsse sich mit den bisherigen Leistungen »nicht verstecken«. Pistorius: »Wir liegen im Augenblick bei etwas über vier Milliarden Euro militärischer Hilfe, und wir sind auf jeden Fall bereit, auch nachdem der Haushaltsausschuss vor zehn Tagen den Weg frei gemacht hat, hier in der nächsten Zeit noch mehr zu tun.«

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026