Oswiecim/Jerusalem

»Pathethisch und unreif«

Piotr Cywinski, Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau Foto: dpa

Der Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, hat scharfe Kritik an den Organisatoren des fünften World Holocaust Forum geäußert, das diese Woche in Jerusalem beginnt. In einem Interview mit der »Times of Israel«, das am Mittwochmorgen veröffentlicht wurde, sagte er, das Hauptevent zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers vor 75 Jahren solle in Polen stattfinden, nicht in Israel.

Gedenkstättenleiter Cywinski warf der World Holocaust Forum Foundation (einer von drei Organisatoren der Veranstaltung in Jerusalem) vor, sie versuche, die jährliche Gedenkfeier zum 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag in Auschwitz zu ersetzen.

Kantor Der Gründer der World Holocaust Forum Foundation (Moshe Kantor, der auch Präsident des European Jewish Congress ist) habe seit Jahren versucht, sein Forum als eine alternative Gedenkfeier zu der Veranstalttung am 27. Januar in Auschwitz zu installieren. »Vor fünf Jahren hat er versucht, Staatschefs zum gleichen Zeitpunkt nach Theresienstadt einzuladen«, beschwerte sich Cywinski.

Dies sei, so der Direktor der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, »einfach so provokativ und unreif, dass ich keine Worte finde, es zu kommentieren«.

In Berlin, führte Cywinski weiter aus, wird ein Gedenkkonzert zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee abgehalten, die Vereinten Nationen halten eine spezielle Gedenkveranstaltung ab. »All diese Veranstaltungen werden nicht als Alternativen zum Gedenken in Auschwitz präsentiert.«

Eine Sprecherin des World Holocaust Forums sagte der »Times of Israel«, es sei nötig, eine »globale Allianz« gegen den wachsenden Antisemitismus zu schaffen.

Das World Holocaust Forum dagegen sei eine Ausnahme, »weil es wieder Versuche macht, dagegen zu arbeiten. Für mich ist dieses ganze Spektakel nur pathetisch und unreif«, kritisierte Cywinski .

Das World Holocaust Forum in Jerusalem wird vom Büro des israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin, der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und dem World Holocaust Forum organisiert. Kantor wird nach Angaben der »Times of Israel«  Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt.

Duda Cywinski verteidigte die Entscheidung des polnischen Präsidenten Andrzej Duda, das World Holocaust Forum in Jerusalem zu boykottieren. Duda hatte im Vorfeld vergeblich verlangt, in Jerusalem eine Rede halten zu dürfen, ebenso wie Putin und die Vertreter der anderen Länder der Alliierten (Frankreich, England und die USA), die Deutschland im Zweiten Weltkrieg besiegt hatten.

Eine Sprecherin des World Holocaust Forums sagte der »Times of Israel« als Reaktion auf das Interview mit Cywinski, es sei nötig, eine »globale Allianz« gegen den wachsenden Antisemitismus zu schaffen.

»Wir glauben, dass es einfach nicht genug Events geben kann, um an den Holocaust zu erinnern, und wir begrüßen alle, die dieses wichtige Anliegen unterstützen. Wir wünschen dem Museum Auschwitz jeden Erfolg bei der Veranstaltung am 27. Januar, die aus unserer Sicht bestimmt maßgeblich und bedeutend sein wird«, sagte eine Sprecherin. ag

Berlin

Zentralratspräsident Schuster kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 08.10.2026

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026

Clan-Kontakte

Berliner SPD-Chef fordert Ausschluss von Ferat Koçak

Auch die Linken-Landesvorsitzende betonte, die Aufklärung sei noch nicht abgeschlossen

 08.10.2026

Kommentar

Allein mir fehlt der Glaube

Die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in Berlin haben bei ihren Sondierungen in Berlin ein dreiseitiges Papier zur Bekämpfung von Antisemitismus vereinbart. Eine Einordung

von Michael Thaidigsmann  08.10.2026

Washington D.C.

Medien: US-Regierung erwägt neue Angriffe auf den Iran

Seit Wochen gibt es im Krieg der USA gegen den Iran keine sichtbaren Fortschritte. Kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen könnte US-Präsident Trump die Situation noch einmal eskalieren lassen

 08.10.2026

Gedenken

Litfaßsäulen in Berlin sollen an NS-Deportationen erinnern

Mehr 1000 jüdische Berlinerinnen und Berliner Juden wurden mit dem ersten sogenannten »Osttransport« aus der Hauptstadt deportiert. Eine neues Projekt soll an die Opfer des nationalsozialistischen Zivilisationsbruchs erinnern

 08.10.2026

7. Oktober

»Wir erinnern nicht schweigend«

Melody Sucharewitz über ihren Kampf gegen das Vergessen des 7. Oktober bei der Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz in Berlin. Ihre Rede im Wortlaut

von Melody Sucharewicz  08.10.2026

9. Oktober 2019

Gedenken zum Jahrestag des Anschlags von Halle

Der antisemitische Anschlag von Halle jährt sich am Freitag zum siebenten Mal. Die jüdische Gemeinde, Kirchen, Stadt und zivilgesellschaftliche Gruppen planen Gedenkveranstaltungen auch an den Anschlagsorten

 08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026